Song

Tut-Ench-Amon (Tutankhamen)

Laufzeit

4:28 Minuten

Album

Junge Roemer [1984]

Musik, Text und Produktion

Musik: Robert Ponger
Text: Falco, V. Toulouse
Produzent: Robert Ponger

Über den Song

Der Song, der den ägyptischen Pharao Tutanchamun im Titel führt, ist in vielerlei Hinsicht interessanter als man beim ersten Hören vermuten würde. Er beginnt mit einer arabisch anmutenden Melodieführung bevor Falcos verzerrte Stimme einsetzt. Danach wechselt Falco in eine Gesangtechnik, die er danach nie wieder angewendet hat, die aber erstaunlich gut funktioniert: er flüstert die Strophen, kaum hörbar sind die Worte, verwischt wie Spuren im heißen Wüstensand. Ansonsten ist die Nummer wie ein Fiebertraum, die minimalistische Melodie ist mal da, dann wieder weg, im Mittelteil kommen und verschwinden Instrumente, grotesk verzerrt wie in Trance. Manchmal erinnert der Song in seiner Struktur an Nummern von David Bowie aus seinen Alben "Low" und "Heroes", die ebenfalls über lange Instrumentalteile und wenig Text verfügen. Falcos Manager Horst Bork meinte, darin auch musikalische Anleihen an Bowies "Fame" hören zu können, doch der Vergleich scheint mir ein wenig weit hergeholt. Es ist ein bewusst reduzierter, langsamer Song, fast könnte man meinen, er sei gezielt subtiler als notwendig produziert worden, um ihm einen hingehauchten, zarten, fiebrigen und zugleich leichten Anschein zu geben.

Warum Falco der Nummer den Namen von King Tut, einem der wohl bekanntesten ägyptischen Pharaonen, dessen Grab 1922 von Howard Carter beinahe ungeplündert im Tal der Könige entdeckt wurde, ist schwer nachvollziehbar. Der Text entzieht sich, wie so oft bei Falco, einer klaren Interpretation, man kann jedoch sicher behaupten, dass sich darin Elemente verschiedener anderer Werke aus der Popkultur finden, so etwa der Film "African Queen"  aus dem Jahr 1951 mit Humprey Bogart und Katherine Hepurn, dessen Handlung während des ersten Weltkriegs spielt, ein Krieg der als Konsequenz des europäischen Kolonialismus gesehen werden kann. Die von Falco erwähnte Jahreszahl 1884 könnte auf die Berliner Konferenz in ebendiesem Jahr hinweisen, auf der Deutschland den Wunsch nach Kolonien in Afrika geäußert hat. Auch die zur Zeit des Entstehens dieses Songs aufkommende Debatte um geraubte ägyptische Kunst und deren Rückgabe könnte Falco beeinflusst haben. Vielleicht spielt Falco aber auch nur mit all diesen Bedeutungsdimensionen, vielleicht fliegt auch nur ein Mann von Chicago nach Afrika, begibt sich dann mit dem Boot „African Queen“ nach Kairo, wo er sich, gekleidet mit Militärkleidung, wie ein Tourist ohne Ziel und Mission fühlt. Man schreibt das Jahr 1884, der Mann, ein Literaturkenner, war noch nie in Kairo und irgendwie wünscht er, er wäre tot. Ewa Mazierska vergleicht den Protagonisten mit einem Reisenden, der sich zwischen den Zeiten und Orten befindet, eine Interpretation, derer ich mich anschließen möchte. Falco erwähnt in diesem Song auch die Brailleschrift, eine Blindenschrift, die 1852 von dem Franzosen Louis Braille erfunden wurde. Die Phrase „They are playing our tune“ ist eine Anspielung auf einen anderen Film von Humprey Bogart, nämlich "Casablanca". In seinem (bis heute unveröffentlichten) Notizblock vermerkt Falco anno 1983 zu diesem Song Folgendes: "Rolle eines verbotenen Pharaosohns, zieht in den Körper eines Neuzeitmenschen ein, Reinkarnation, ägyptische Mythologie – Verbindung zur Jetztzeit".

Die Diktion des Namens des Pharaos ist ungewöhnlich und speziell, ein bisschen erinnert sie auch an die seltsame Schreibweise von Falcos Hit Rock Me Amadeus auf der Rückseite der europäischen Single-Veröffentlichungen, hier wird der Titel "Rock Me A-Made-Us" geschrieben (obgleich diese sperrige und verwirrende Schreibweise dann auf dem Album und auf späteren, internationalen Veröffentlichungen nicht mehr verwendet wurde). Der Titel des Songs veränderte sich im Laufe der Produktion 1983/84, zunächst hieß er "Pharao (Funk Egypt)", dann "(Funkt den) Pharao", später noch "Pharao".

Im Rahmen des TV-Programms „Helden Von Heute“ wurde auch von diesem Albumtrack ein Video angefertigt, es ist eigentlich der Abspann der Show, die Credits der Mitwirkenden laufen über den Clip. Man sieht darin Falco in dem Kostüm, das er rund acht Jahre später für das Coverphoto des Albums Nachtflug wiederverwenden wird (das von Horst Bork "Batman-Kostüm" genannt wurde), er trägt schwarze Lederhandschuhe und eine Sonnenbrille. Falco steht unbeweglich da, macht lediglich mit seinen Armen und Händen Bewegungen. Dann bemerkt man, dass er in einer altägyptischen Grabkammer steht, eine Schlange liegt auf einem goldenen Mantel und Hut (eine Anspielung auf Falcos Rolle als der Kommissar), die Kamera bewegt sich langsam rückwärts aus der Kammer, man sieht unechte Hieroglyphen an den Wänden. Der Song funktioniert auf dem Album als zweiter Song recht gut, er gibt die Grundstimmung des Albums exakt wieder mit seinem subtilen Charme und der hochstilisierten Textstruktur, die sich auch in anderen Songs auf diesem Album wiederfindet.

Text

Been and seen
Dawn flight from Chicago
All aboard the African Queen
I am on a night boat down to Cairo

Feeling like a tourist
With a foreign man abroad
Tells it like he thinks it is
But i know he is a fraud
There is a map tucked under his shoulder
And a cap perched on his head
If he looked any older
He might as well be dead

Dressed in army surplus
The flies around me swarm
On a mission without a purpose
I wish I'd never been born

By the light of the pale moon
Tutankhamen
Half past high noon
Tutankhamen

I put you in the picture
1884
I'm up to date on the literature
But i have never been here before

There is a black boy on the corner
Trailing me behind
Stalking like a vulture
With money on his mind
In the shadow of the giant Sphinx
The archeological tale
Before the eastern sun sinks
I'll be learning Braille

By the light of the pale moon
Tutankhamen
Half past high noon
Tutankhamen

They are playing our tune
Tutankhamen
Half past high noon
Tutankhamen

La, la, la, la, la

By the light of the pale moon
Tutankhamen
Half past high noon
Tutankhamen

By the light of the pale moon
Tutankhamen
Half past high noon
Tutankhamen

Meine Textfassung beruht, falls vorhanden, auf den Textbeilagen der offiziellen Veröffentlichungen (Booklet, Inlay, Cover etc.). Allerdings wurden alle Texte abgehört und nach dem gesungenen Wort korrigiert. Bei Songs, bei denen keine Textbeilagen verfügbar sind, basiert meine Fassung ausschließlich auf dem gesungenen Wort bzw. auch auf im Internet kursierenden Versionen. Textpassagen, die im Dialekt gesungen wurden, stehen in gemäßigter Transliteration. Rechtschreibfehler, sowohl deutsche als auch englische, wurden in eklatanten Fällen korrigiert. Die Rechtschreibung beruht teils auf der zur jeweiligen Zeit gültigen (Textbeilagen), teils auf der neuen Rechtschreibung (eigene Abhörungen). Auf Satzzeichen wurde im Allgemeinen verzichtet. Für Verbesserungsvorschläge bin ich dankbar.