Studio Album

Emotional

Oktober 1986
Teldec Schallplatten GmbH
Charts: #1 AUT, #1 GER, #5 SUI

Über das Album

Als Falco mit der Produktion seines vierten Albums begann, stand er auf dem Höhepunkt seiner Karriere: sowohl seine letzte LP Falco 3 als auch die daraus ausgekoppelten Singles (Rock Me Amadeus, Vienna Calling und Jeanny) waren extrem erfolgreich gewesen, sowohl im deutschen Sprachraum als auch international. Seine Platten wurden weltweit veröffentlicht und kamen überall in die Charts, auch in den USA, in Großbritannien, Japan, Australien, Südafrika etc. Gleichzeitig lief sein Plattenvertrag mit GIG Records aus, Falco hatte also auch hier alle Trümpfe in der Hand um einen neuen, lukrativen und erfolgsversprechenden neuen Kontrakt zu verhandeln. War seine Karriere Ende 1984 noch auf der Kippe gestanden, war Falco nun ein Superstar, ein weltweit erfolgreicher Künstler, der es geschafft hatte, mit deutschsprachigen Popsongs in die Hitparaden der ganzen Welt zu gelangen.

Er war also in der günstigen Position, dass sich die Plattenlabels weltweit um seine Dienste bemühten, schlussendlich fokussierten sich GIG/Teldec (seine bisherigen Vertragspartner in Österreich, Deutschland und der Schweiz), A&M Records (die Plattenfirma, die Falco außerhalb der deutschsprachigen Länder groß gemacht hatte), Virgin Records (das Label des britischen Unternehmers Richard Branson) und Sire Records/Warner (unter der Leitung des Amerikaners Seymour Stein) als aussichtsreichste Bieter heraus.

Laut Falcos Manager Horst Bork gab dabei Virgin Records das lukrativste Angebot ab, der Besitzer Richard Manson, ein großer Fan von Falco, hatte jedoch eine Bedingung bevor der Vertrag unterschrieben werden sollte, er wollte den Künstler persönlich in London treffen. Da Falco aber wiederholt Termine für ein solches Treffen ignorierte, wurde aus diesem Deal letztendlich nichts. Es ist eine der vielen nicht nachvollziehbaren Entscheidungen Falcos zu dieser Zeit, dieser Vertrag hätte ihm sicher viele Vorteile gebracht und seiner Karriere weitergeholfen.

Nachdem seine bisherigen Vertragspartner bei A&M Records ein wesentlich ungünstigeres Angebot vorlegten und bei einem Treffen von Falco und dem Gründer des Plattenlabels, Herb Alpert, auch atmosphärisch ein paar Herausforderungen aufgekommen sein durften (Falco durfte in Alperts Villa nicht rauchen, damals ein valider Grund für Falco die Verhandlungen auch deshalb abzubrechen), kam schließlich Sire Records (im Besitz von Warner Music) zum Zug und nahm Falco für drei Alben (und ein zusätzliches Live-Album) unter Vertrag. Teil des Vertrages waren angeblich auch zeitliche Vorgaben, also Termine innerhalb derer Falco diese Alben abzuliefern hatte (es wurde ein Zeitraum von maximal 18 Monaten zwischen den einzelnen Alben kolportiert, wenn dies wahr ist, hätte Falco in weiterer Folge diesen Zeitplan nicht eingehalten). Der Vertrag, den Falco abschloss sah vor, dass sein Vertragspartner weiterhin Teldec sein sollte, seine Platten in den USA und in Kanada aber von Sire Records (dem Heim von Künstlern wie den Talking Heads, The Smith, Madonna, The Pretenders und vielen mehr) und im Rest der Welt von Warner Music als Lizenzpartner vertrieben werden. Der Präsident von Warner zeigte sich euphorisch über den Umstand, dass Falco nun unter seinen Fittichen war: „Falco is one of the most creative and significant artists to have emerged from Europe in many years, a superstar of real longevity“. Naja, dieses Urteil musste er wohl schon bald revidieren, aber es zeigt den Status Falcos im Sommer 1986 und das Vertrauen und auch die Erwartungshaltung seiner Plattenfirma sehr deutlich.

Gleichzeitig beschäftigte Falco zu dieser Zeit, zu Beginn des Jahres 1986, aber auch noch etwas anderes: seine Freundin Isabella hatte im März ein Baby bekommen (dass dieses nicht Falcos Kind, sondern das Kind von Isabellas Ex-Mann war, stellte sich erst 1994 heraus) und Falco legte seinen Fokus sicher primär auf dieses Ereignis und erst dann auf seine Karriere. Auch hier stellt sich wiederum die Frage, was gewesen wäre, hätte Falcos Freundin nicht zu dieser Zeit ein Baby bekommen, von dem Falco annahm, es sei seines. Obgleich Falcos Launen und seine Abneigung gegen Promotiontermine und gegen eine ausufernde Reisetätigkeit im Rahmen derselbigen sicher gleichgeblieben wären, ist doch anzunehmen, dass er, wäre er nicht liiert und kinderlos gewesen, sicherlich mehr Aufwand und Energie in die Planung seiner Karriere gesteckt hätte. Auch der Umstand, dass Sire Records Falco gerne mit einem Wohnsitz in den USA gesehen hätte, Falco dies aber, sicherlich auch mit Fokus auf seine private Situation, abgelehnt hat, ist hier als Folge dieses Umstands zu sehen.

Falcos viertes Album hatte den Arbeitstitel „Rock Album“, auch „Falco 4“ war einer der Titel, unter dem diese LP entstanden ist. Produziert wurde (nach den internationalen Superhits des letzten Albums) natürlich wieder mit den Gebrüdern Bolland, obwohl Falco in Interviews andeutete, auch Giorgio Moroder (mit dem er dann ein Jahr später für Body Next To Body zusammenarbeiten sollte) und „ein Mann aus der deutschen Szene“ (wen immer er damit gemeint haben mag) würden als Produzenten beziehungsweise Songwriter in Frage kommen.

Die Aufnahmen für das Album starteten im Frühjahr 1986 und es wurde früh klar, dass diese LP stark die Handschrift der Bollands und weniger die von Falco aufweisen würde. Falcos Beitrag zu seinem vierten Album ist sehr überschaubar, das liegt an mehreren Faktoren: einerseits war er aufgrund der weltweiten Promotiontermine für die Hitsingles aus Falco 3 zeitlich schwer abkömmlich, andererseits wurde im März 1986 die Tochter seiner Freundin geboren. Darüber hinaus bemerkte Falco auch sehr früh, dass die Anstrengungen, die es mit sich brachte, ein weltweiter Superstar zu sein, ihn an seine physischen und psychischen Leistungsgrenzen brachte. Die Konsequenz aus diesen Faktoren war dann schlussendlich, dass Falco zu Produktion von Emotional sehr wenig beitrug und sich sehr wenig in musikalische und leider auch textliche Belange einmischte. Hatte Falco noch bei Einzelhaft und bei Junge Roemer sämtliche Texte selbst geschrieben beziehungsweise die Textideen eingebracht, beschränkte sich schon bei Falco 3 sein textlicher Input auf einige Songs beziehungsweise auf die Ausformulierung von Themen, die die Bollands eingebracht haben.

Dieser Trend, dass Falco immer weniger zu seinen Songs beitrug, setzte sich auf seinem vierten Album fort, manchmal erscheint es, dass Falco nur noch das Instrument seiner Produzenten ist. Gleichzeitig trägt dieser Umstand natürlich auch dazu bei, dass das Album sehr homogen ist. Leider gibt es halt auch keinen textlichen Beitrag mehr, der ursprünglich von Falco stammt, das „Falconizing“ findet nicht mehr oder nur noch in überschaubaren Maßen statt, was die Songs aus textlicher Hinsicht langweilig macht. Was sich auf Falco 3 diesbezüglich schon angedeutet hatte (dass es einen Sprung gibt, von Songthemen, die von Falco stammen hin zu Ideen, für die die Bollands verantwortlich zeigen), geht hier rasant weiter.

Diese Produktionsweise hatte auch zur Folge, dass das Album in einer relativ kurzen Zeitspanne von drei Monaten aufgenommen und fertiggestellt wurde. Der Umstand, dass die Bollands den Löwenanteil (sämtliche Musik und Textideen zu allen Songs) stemmten und darüber hinaus quasi freie Hand bei der Produktion hatten, führte gleichzeitig dazu, dass das Album überproduziert klingt und viele der Songs eine Überlänge besitzen (bei sieben der 9 Songs auf der LP bewegt sich die Laufzeit bei rund 5 Minuten oder darüber, The Kiss Of Kathleen Turner weist dabei mit 7:32 Minuten eine fast schon epische Länge auf).

Falco sprach 1986 von einigen Songideen, die dann jedoch nie umgesetzt beziehungsweise verworfen wurden: So gab es Pläne für eine Nummer namens „One Minute To Live“, die Inspiration zu diesem Titel kam Falco durch einen Film mit Alain Delon. Auch von dem Vorhaben eine Coverversion aufzunehmen, war Falco zu dieser Zeit angetan: „Ich will es mir zur Tradition machen, auf jeder LP einen Standard zu bringen“. Angedacht waren „The Girl From Ipanema“ oder „As Time Goes By“ beziehungsweise auch ein Medley aus brasilianischen Latino-Songs, Coverversionen von Hans Albers („Flieger Grüß Mir Die Sonne“) waren ebenfalls im Gespräch.

Eher ins Reich der Mythen ist wohl jene Geschichte zu verbannen, dass über Vermittlung von Falcos Plattenfirmenchef Seymour Stein ein Duett mit Madonna (die ja ebenfalls bei Sire Records unter Vertrag stand) geplant war. Es ist anzunehmen, dass Falcos Manager Horst Bork und Seymour Stein diese Idee hatten, jedoch ist davon auszugehen, dass Madonna, die damals schon ein weltweiter Superstar war, keinerlei Interesse an einer solchen Zusammenarbeit, die ja nur nachteilig für sie als der größere Superstar, sein könnte, hatte.

Musikalisch verfolgt die Platte einen beinahe schon warmen, gefühlvollen Stil, sie spielt mit Soul und Blues (Emotional, The Star Of Moon And Sun), mit Swing und Jazz (Crime Time), hat aber auch kalte, elektronische Momente (Kamikaze Cappa, Cowboyz And Indianz) sowie funkige (The Sound Of Musik) und schlagerhafte Elemente im Song Coming Home (Jeanny Part 2, Ein Jahr Danach). Es scheint als hätten die Bollands versucht, in einem Album so viele musikalische Stile wie möglich zu packen, auch eine Ausrichtung auf den amerikanischen Markt ist feststellbar, es ist gleichzeitig die einzige LP Falcos, bei der sämtliche Songs englischsprachige Titel haben.

Inhaltlich beschrieb Falco anno 1993 das Album als „hochtechnokratisches Yuppie-Konzeptalbum“ und sicherlich geht vor allem der Song Les Nouveaux Riches mit seiner Ausrichtung auf die neureichen Jetsetter in diese Richtung. Jedoch ist auch von den Songideen der Einfluss der Bollands spürbar: The Sound Of Musik ist (wie auch Rock Me Amadeus und Vienna Calling am Vorgängeralbum Falco 3) ein weiteres Österreich-Klischee und auch bei allen anderen Songs werden Falcos Produzenten auch als Textautoren angegeben.  Im Gegensatz zu Falcos bis dahin erschienenen Alben klingt die LP auch erwachsener, ernsthafter, seriöser, es fehlt der Schmäh, der Humor, das gewisse Extra, das Falco-Songs ausgemacht hat, die Platte nimmt sich selbst ziemlich ernst.

Für das Cover verwendete man eine ziemlich gelungene Aufnahme von Falco, die im Rahmen eines Photoshootings für die deutsche Ausgabe des Magazins „Vogue“ entstanden ist. Es zeigt ein schwarz-weiß-Bild des Künstlers im Rollkragenpullover und in einem karierten Sakko. Es ist laut der Zeitschrift „Wiener“, die bei der Veröffentlichung des Albums eine umfassende Kritik des Albums brachte, „kein brillantin‘ brutaler Falco, sondern ein Mann der durch die Kälte geht, verletzlich, verletzt. Aber mit viel Kraft“. In der Tat zeigt das Coverphoto Falco introvertiert, ruhig, besonnen, nachdenklich. Es ist ein erwachsenes Photo, das Bild eines Künstlers, der damit auch ein neues Image anpeilt, die Haare sind nicht mehr cool nach hinten gegelt, in gewisser Hinsicht zeigt es einen authentischen Falco, ohne Maske. Auch der Schriftzug „Falco“ am Cover ist sehr nüchtern, sachlich, der Albumtitel hingegen ist in rot und in einer schärferen, wiedererkennbareren Schriftart gehalten. Die Rückseite des Albums ist in schwarz gehalten, unter der Widmung für seine „Tochter“ findet man lediglich eine nüchterne Auflistung der Songs. Das alles wirkt ziemlich ernsthaft beziehungsweise erwachsen und zeigt, dass Falco nach dem knallroten Design des Vorgängeralbums Falco 3 zu einer neuen Sachlichkeit finden wollte. Für sein Zielpublikum war dieses Design jedoch vielleicht ein bisschen zu seriös.

Für das internationale Cover des Albums verwendete man (wie auch schon bei Falco 3) ein alternatives Cover-Design, Falcos Plattenfirma hatte zu Recht begriffen, dass eine andere Verpackung wohl zielführender ist. Das weltweite Cover verwendet Photos von Falco-Videoclips, auf der Vorderseite sieht man die rotbeleuchteten Riesenbuchstaben „Falco“ aus dem Clip zu Emotional (eine bildliche Hommage an Elvis Presleys NBC-Show von 1968), auf der Rückseite ein Photo vom Video zu The Sound Of Musik, Falco steht hier als König Ludwig II. von Bayern im Hermelinmantel und mit stilechter Ray Ban-Sonnenbrille im Starnberger See. Das Alternativcover ist damit fast schon comichaft in seiner Bebilderung und gibt dem Album dadurch auch eine andere Stimmung, eine andere Betrachtungsmöglichkeit. Als 1993 Teldec dieses Album als CD in den deutschsprachigen Ländern wiederveröffentlichte, wurde dann auch hierzulande dieses Alternativcover verwendet, bis auf die Erstauflage gibt es damit das ursprüngliche schwarz-weiße Cover nicht mehr am Markt. Dieses Alternativ-Cover verwendet übrigens eine falsche Schreibweise des Songs The Sound Of Musik, am Cover wird das letzte Wort fälschlicherweise englisch als „Music“ angegeben. Das Album wurde in Österreich poshum 1998 neu aufgelegt, dabei wurde jedoch das Coverdesign verändert: sowohl der Schriftzug "Falco" als auch der Albumtitel wurden dabei stark vergrößert ins Bild gesetzt (beim zur gleichen Zeit wiederveröffentlichten Album Wiener Blut wurde ähnlich vorgegangen).

Das Album erschien im Oktober 1986, es wurde gleichzeitig in 32 Ländern der Welt veröffentlicht, eine Strategie die verhindern sollte, dass Falco-Platten (wie bisher) in unterschiedlichen Teilen der Erde zu unterschiedlichen Zeiten herausgebracht werden. Gleichzeitig war diese Vorgehensweise natürlich auch ein Zeichen des Status Quo von Falco als internationalem Superstar, der von einer weltweit tätigen Plattenfirma vermarktet wurde. Falco bewarb das Album vorrangig in Deutschland und Österreich, international war er (aufgrund seiner privaten Situation mit Beziehungsproblemen und Nachwuchs) nicht dazu zu bewegen, auch in den USA und in Großbritannien Promotion zu machen. Im Rahmen der Werbekampagne mit dem Haarproduktunternehmen Wella gab es dieses Album auch in einem speziell gestalteten LP-Cover.

Zwei Veröffentlichungen des Albums weichen vom eigentlichen Tracklisting ab: so beinhaltet die LP in Südkorea nur sechs Songs (Kamikaze Cappa, Crime Time und Cowboyz And Indianz wurden weggelassen), in Taiwan veränderte man die Songreihenfolge.

Das Album war in den deutschsprachigen Ländern sehr erfolgreich (#1 in Österreich und Deutschland, #5 in der Schweiz), international konnte es sich jedoch nicht in den Charts platzieren, recht ungewöhnlich für ein Album eines Künstlers, der noch vor wenigen Monaten weltweit als Superstar gehandelt wurde.

Die Kritiken zu Falcos viertes Album waren gemischt, im deutschen Sprachraum kam es gut an, international wurde es jedoch weniger positiv aufgenommen. So schrieb Trouser Press: „Falco seems to be a bit of a manipulated wimp on (…) a record to which he contributes some of the lyrics and none of the music. Producers Rob and Ferdi Bolland are in complete control, writing and playing almost everything except guitars and sax. The (mis-) concept album ranges from ABC-like slick soul to psychopatic shrieking. Falco is as awful as ever, babbling the verbose bilingual lyrics with auto-pilot enthusiasm and the assistence of mega-tracked female backing vocals. The wildly bombastic production and pervasive low-brow mentality here cries out for Jim Steinman to produce Falco’s next record“. Auch das amerikanische Billboard Magazin war nicht so begeistert: „Falco is taking himself a bit too seriously, this (album) is dead in the water“. Auch in Großbritannien war die Reaktion sehr reserviert, so schreibt der New Melody Maker: „Falco does manage to raise a titter, but over a whole LP it’s just too much for body and soul to bear. I wouldn’t say smart, but smug und self satisfied“. Das Monatsmagazin „Q“ ist noch am freundlichsten: „While it’s hard to imagine Falco ever to become hip, (…) he provides that cutting edge of artistic angst. The music is as nagging insistent and melodic as ever. File under: some kind of genius.“

Der deutsche Rolling Stone befand, „Falco singt das Inhaltverzeichnis (des Zeitgeistmagazins „Tempo“, Anmerkung), es gibt voll-bombastische Pop-Hymnen, Sex & Crime, Humphrey Bogart und Kathleen Turner, Hiroshima und Wackersdorf, Top Gun-Romantik und hemmungslose Selbstbeweihräucherung, Geld und Glitzer, Chauvi-Sprüche und eine neue Weinerlichkeit. (Falco) ist genauso unterhaltsam wie er peinlich sein kann“. Der Chef von Falcos amerikanischer Plattenfirma, Seymour Stein, bezeichnete das Album als „a drug“, eine Einstellung, die dann nur wenige seiner Landsleute teilten. Falco selbst spricht 1993 von seinem vierten Album als „Kompromiss, Vertragserfüllung und eine Verwässerung der ursprünglichen Substanz, (das Album ist) überproduziert und glatt, (es gab) Druck von Sire auch bezüglich der Produzenten“.

Aus dem Album wurden drei Singles ausgekoppelt. Dabei wurde The Sound Of Musik bereits rund drei Monate vor dem restlichen Album veröffentlicht, wohl aufgrund des großen Drucks, nach den Hits vom Album Falco 3 gleich mal den nächsten Hit nachzuschießen. Gleichzeitig mit dem Album wurde dann Coming Home (Jeanny Part 2, Ein Jahr Danach) als zweite Single veröffentlicht, dieser Zeitpunkt war wohl auch dem Umstand geschuldet, dass sowohl die Medien als auch die Radiostationen und die Industrie nach diesem Song verlangten, er war nach dem Megaerfolg von Jeanny ja ein wasserdichter, sicherer Nachfolgehit. International wurde auf Coming Home (Jeanny Part 2, Ein Jahr Danach) als Single verzichtet, nur in Frankreich wurde auch dieser Song als 7“ herausgebracht. Erst im Frühjahr 1987 wurde dann der Titelsong aus dem Album als Single ausgekoppelt. Im Nachhinein eine unglückliche Reihenfolge: hätte man nach The Sound Of Musik zunächst Emotional ein paar Wochen vor Erscheinen des gleichnamigen Albums veröffentlicht, wäre auch diese Single ein Hit geworden. Zu guter Letzt hätte man dann kurz nach der Veröffentlichung der LP dann auch noch Coming Home (Jeanny Part 2, Ein Jahr Danach) als Single herausbringen können. Aber klar, so viel Zeit war in dieser Stress- und Drucksituation im Sommer/Herbst 1986 wahrscheinlich nicht.

Der Erfolg von Falco 3 und der daraus ausgekoppelten Singles macht es selbstverständlich, dass Falco mit seinem neuen Album ab Herbst 1986 auf Tournee ging. Es war Falcos größte Tour, sie führte ihn nach Österreich, Deutschland, die Schweiz, Ungarn und auch nach Japan, ein japanischer Konzertveranstalter holte Falco für fünf Konzerte ins Land des Lächelns (nach Osaka, Fukuoka, Nagoya und Tokio). Dabei ist es völlig unverständlich, warum weder Falco noch sein Management die Idee hatten, das Konzert in Tokio aufzunehmen beziehungsweise auch auf Film mitzuschneiden. Noch dazu, wenn man bedenkt, dass Falcos Vertrag mit Teldec/Sire/Warner die Option vorsah, auch ein Live-Album zu veröffentlichen. Welches Konzert hätte einen größeren Eindruck von Falcos Erfolg und Status 1986 vermittelt, als wenn man sowohl eine LP als auch ein VHS-Video mit einem Live-Konzert aus Tokio im Laufe des Jahres 1987 veröffentlicht hätte? Im Rahmen der Tournee spielte Falco übrigens alle neun Songs seines vierten Albums live, bei keinem anderen Falco-Album vorher oder nachher wurden sämtliche Songs live performt. Eine Fortsetzung der Tournee in den USA (26 Konzerte, darunter New York, Los Angeles, San Francisco und Miami) und Australien wurde abgesagt, wohl aus Kostengründen, aber sicherlich auch wegen dem unerwarteten internationalen Flop des Albums.

Falcos Album von 1986 ist ein Album, das viel Kritik einstecken musste und muss. Die Songs sind zu lang, die Themen zu langweilig, es steckt zu wenig Falco und zu viel Bollands drinnen, es hat keine wirklich großen Hits, ist überproduziert und wirkt fahrig, ohne wirkliche Richtung. Gleichzeitig ist es aber auch ein Album, bei dem klar war, dass es nach dem Riesenerfolg von Falco 3 nicht an die Erfolge anschließen wird können. Falco hat, wie es das Magazin „Wiener“ so schön formulierte „den ersten Aufschlag vergeigt“, es war aber auch klar, dass ein Anschließen an die Erfolge des dritten Albums fast unmöglich war. Es ist ein Album, mit dem Falco nur verlieren konnte.

Dazu kommt sicher auch, dass Falco zu dieser Zeit privat sehr abgelenkt war, seinen Fokus eher auf seine Familie setzte und immer weniger Interesse an seiner Karriere hatte. Er sprach in dieser Zeit oft davon, dass er nach dieser LP eine längere Pause machen möchte, in der er nicht Musik machen, sondern Gehversuche im Film unternehmen wollte. Er sprach von zwei Filmen, einerseits „Der Goldmacher“, eine Verfilmung der Lebensgeschichte von Franz Tausend unter der Regie von Pal Sandor, andererseits einem Film mit Tom Cruise, dessen geplante Arbeitstitel „Kommando Code 328“ war, Falco sollte darin in einer Nebenrolle einen deutschsprachigen CIA-Agenten spielen. Inhaltlich sollte es um die Geschehnisse in der kubanischen Schweinebucht im Rahmen der amerikanischen Invasion in Kuba 1961 gehen. Auch für die Rolle des Major Kottan in einer Kinoadaptierung der österreichischen Serie „Kottan Ermittelt“ war Falco im Gespräch. Keiner dieser Filme wurde schlussendlich produziert, man kann jedoch aus all diesen Bemerkungen und Plänen ableiten, dass Falcos Interesse an Musik immer mehr schwand und er nicht nur privat, sondern auch beruflich abgelenkt war.

Falcos viertes Album ist nicht sein schlechtestes, war aber nach dem Erfolg von Falco 3 sicherlich ein Rückschlag in kommerzieller als auch künstlerischer Hinsicht. Auch hier ist es interessant, die Frage zu stellen, wie anders dieses Album eventuell geworden wäre, hätte sich Falco mehr in den Produktionsprozess, in das Schreiben von Musik und vor allem Texten eingebracht. Aufgrund seiner privaten Situation und auch aufgrund des massiven Promotionsstresses für sein drittes Album ist dies jedoch ausgeblieben und so wurde diese LP ein Werk, in dem ziemlich wenig Falco steckt.

Beteiligte

Produced and arranged by Rob & Ferdi Bolland
All music composed by Rob & Ferdi Bolland
All lyrics by Rob & Ferdi Bolland & Falco
Engineered by: John 'Zorba' Griek & Okkie Huysdens
Additional engineering: John Sonneveld, Robin Freeman, Jan Schuurman, John Smit, Ronald Prent,
Shell Schellekens, Alfred Lagarde
Recorded and mixed at Bullet Sound Studio Holland
Additional recording at Sound Push Studio & Wisseloord Studio Holland
All synthesizers, digital keyboard samplers, mouthorgan, drum- & percussion computer programming,
male backing vocals: Rob & Ferdi Bolland
All electric and accoustic guitars: Lex Bolderdijk
Electric and accoustic bass: Jan Hollestelle
All femal backing vocals: Lisa Boray
'Live' drums and simmons: Ton Op’t Hof
Alto and tenor saxophones: Gerbrand Westveen
Accordion: Harry Mooten
Big band arrangement: Jurre Haanstran
Coverphoto: Dieter Eikelpoth, mit freundlicher Genehmigung: Männer Vogue