Remix Projekt

JNG RMR/FALCO 60

Februar 2017 – Februar 2018
Sony Music Entertainment Austria GmbH
Ariola

JNG RMR 1

  • Einzelhaft (Salute + Fono Remix) 4:47
  • Jeanny (Plastician & Klasey Jones Remix) 3:32

JNG RMR 2

JNG RMR 3

JNG RMR 4

JNG RMR 5

JNG RMR 6

FALCO 60

JUNGE ROEMER – EINE WOCHE FÜR FALCO

  • Siebzehn Jahr (Mavi Phoenix & Alex The Flipper Mix) 2:08 (offiziell unveröffentlicht, 2017)
  • Einzelhaft (Tuff City Kids Dub) 7:15 (offiziell unveröffentlicht, 2017)

Über das Projekt

Zu Falcos sechzigstem Geburtstag anno 2017 gab es mit dem Album Falco 60 nicht nur eine werkumfassende Best-Of-Veröffentlichung, sondern auch eine von der Red Bull Music Academy organisierte Veranstaltungsreihe. Diese Akademie wurde 1998 gegründet und hat zum Ziel, Nachwuchsmusiker aus der ganzen Welt mit etablierten Größen des Musikbusiness zu vernetzen, sie gilt als Talentschmiede. Dabei schlägt die Institution jedes Jahr ihre Zelte in einer anderen Metropole auf, sie selbst beschreibt sich so: „Die RBMA bringt jedes Jahr sorgfältig ausgewählte Musiker und Musikerinnen aus allen Ecken der Welt, quer durch alle möglichen Genres und Backgrounds, für jeweils eine Woche zusammen. Neben Konzerten, Clubabenden und Lectures stehen auch Ausstellungen auf dem Programm. Im Kern ist die RBMA ein Workshop, bei dem junge Künstler aufeinandertreffen, miteinander Musik machen, voneinander lernen. Gemeinsame Erfahrungen in Studios und Lectures helfen weiter und schaffen langlebige Verbindungen“.

2017 gab es schließlich eine besondere Veranstaltung: „Mit dem Projekt „Junge Roemer – Eine Woche für Falco“ betritt die Academy Neuland. Erstmals stehen ein Künstler und die Auseinandersetzung mit seinem Werk im Vordergrund. Als Basis dient das Studiomaterial der ersten drei Alben von Falco. Produzenten, Sänger und DJs werden im opulenten Ambiente des Schlosses Pellendorf bei Wien drei Tage und Nächte mit dem Material arbeiten. (Das Projekt) ist ein Umkreisen von Falcos Figur“.

Die Falco-Woche fand von 23. bis 29. Jänner statt, in der ersten Phase trafen sich dabei junge österreichische und internationale Künstler, um gemeinsam Songs von Falco zu remixen oder zu covern. Ab dem 26. Jänner wurden die Ergebnisse danach auf den Bühnen von verschiedenen Wiener Locations aufgeführt. Dabei gab es Lesungen, Lectures, Workshops, Konzerte- und Clubabende und auch Screenings (des Dolezal&Rossacher-Films „Helden Von Heute“). Diese Veranstaltungen, für die man sich Tickets kaufen musste, fanden dabei im Wiener Ballhaus, im U4, im Metro-Kino sowie in den Clubs Grelle Forelle, im Fluc_Wanne und im WUK statt. Neben den Künstlern, die Falcos Tracks remixt hatten, traten dabei auch Yung Hurn, Just Blaze, Ava Croon, Wolfgang Strobl und Funktionist auf, daneben gab es auch Programmpunkte mit den Schauspielern Mavie Hörbiger und Philipp Hauß.

Beim gemeinsamem Musikmachen im Jagdschloss Pellendorf in Niederösterreich produzierten mehr als ein Dutzend Musiker siebzehn Remixe und sechs Coverversionen von Falco-Nummern. Der Großteil dieser Bearbeitungen (hauptsächlich die Remixes) wurde digital auf Download- und Streamingplattformen veröffentlicht, ein physischer Release wurde leider nicht realisiert. Dabei wurden zwischen Juni und November 2017 jeweils immer zwischen zwei und drei der Remixes im Monatsabstand im Format einer digitalen EP auf den Markt gebracht. Als Titel wurde „JNG RMR“ gewählt, eine vokallose Anspielung auf die Namensgebung der Red Bull Music Academy-Falco-Woche (die deswegen nach Falcos zweitem Album benannt wurde, weil dieses als "Bruch im Leben des Künstlers" gesehen wird und zeigt "welche Gratwanderung es ist, eine Kunstfigur aufzubauen und sie abstürzen oder hochfliegen zu lassen"). Die EP-Veröffentlichungen wurden dabei mit arabischen Ziffern durchnummeriert.

Die Covers dieser EP wurden gleichzeitig sehr minimalistisch und hochwertig gestaltet. So wurde für die Bewerbung und graphische Gestaltung der Falco-Woche der Akademie Karikaturen von Falco angefertigt, basierend auf typischen Bewegungen und Posen von ihm in Videos und auf Photos, vor allem auf jenen, die für die LP Junge Roemer verwendet wurden. Diese Zeichnungen wurden dann als Coversujet verwendet, der Hintergrund wurde je EP unterschiedlich eingefärbt und in die rechte obere Ecke der Titel samt Nummer geschrieben. Links oben wurde der Falco-Schriftzug unterstrichen platziert, rechts unten prangte dann noch das Red Bull Music Academy-Logo.

Bei den Remixen gab es ein paar Musiker, die nicht nur einen, sondern gleich mehrere Mixes produzierten, wenn dies der Fall war (bei Ogris Debris, bei Mirac & Ray Ray sowie bei Motsa), wurden diese Tracks bei den „JNG RMR“-Veröffentlichungen in eine EP zusammengefasst.

Unveröffentlicht blieb von den angefertigten Remixes eine Version von Siebzehn Jahr, die von Mavi Phoenix & Alex The Flipper angefertigt wurde sowie ein Dub-Mix von Einzelhaft von den Tuff City Kids. Auch der Carl Craig-Remix der Coverversion von Auf Der Flucht durch die Linzer Band Flut verstaubt bist heute in einer Schublade. Festzuhalten ist auch, dass lediglich die unremixte Flut-Coverversion wurde auf der EP „JNG RMR 1“ veröffentlicht wurde, die restlichen produzierten Coverversionen (Jeanny/Helden Von Heute von Clara Moto & Katharina Pizzera, Ganz Wien von Musikkreis MS20 beziehungsweise auch von Matias Aguyay & Lucrecia Dalt & Matteo Scrimali, Helden Von Heute und Zuviel Hitze von Ernst Molden & Der Nino aus Wien) waren lediglich kurzeitig in einer Playlist der RBMA auf einer Website zu hören.

Aufgrund der Ausrichtung der Red Bull Music Academy wurden die meisten Remixes von eher unbekannten Produzenten und DJs angefertigt. Lediglich die Tuff City Kids sowie Tensnake und Peter Kruder waren zum Zeitpunkt des Entstehens dieser Mixes bereits einem größeren Kreis bekannt.

Der Umstand, dass das Projekt „Junge Roemer – Eine Woche für Falco“ und auch die Veröffentlichungen der „JNG RMR“-EP-Serie eine Kooperation der Red Bull Music Academy mit Sony Music Austria waren, hatte zur Folge, dass lediglich Songs von den ersten drei Falco-Alben (Einzelhaft, Junge Roemer, Falco 3) remixt und gecovert wurden, bei den restlichen LPs liegen die Verwendungsrechte bei Warner Music beziehungsweise bei Universal Music. Leider wurde die Liedauswahl nicht nur dadurch eingeschränkt, auch die Tatsache, dass die Masterbänder der Alben Einzelhaft und Junge Roemer nur noch teilweise oder gar nicht auffindbar sind, limitierte die Remix-Möglichkeiten. Bei den Remixes von Der Kommissar wird übrigens nie das Originalband verwendet, Falcos Stimme stammt hier stets von der Neuaufnahme der Nummer im Jahr 1991 für das Album The Remix Hit Collection. Damals wurde auch der Track Junge Roemer neu aufgenommen (weil von beiden Songs das Mastertape nicht mehr vorlag), leider wurde aber auch die Neuaufnahme der Titelnummer von Falcos zweitem Album verloren. Ein Königreich für eine ordentliche Archivpflege…

Nicht im Rahmen dieses Projekts der Akademie entstanden fast zeitgleich noch weitere Remixes von Falco-Songs. Ich zähle diese nicht nur aufgrund des zeitlichen Zusammenhangs, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass teilweise die gleichen Produzenten am Werk waren, hier hinzu. So produzierte Ogris Debris nicht nur drei Remixes für die RBMA-Falco-Woche, sondern auch einen Remix von Der Kommissar für das Best-Of-Album Falco 60, das rund zwei Wochen nach den Veranstaltungen und rund vier Monate vor den „JNG RMR“-EPs veröffentlicht wurde. Bei Falco 60 war der Gedanke für die Anfertigung von neuen Remixes der, dass Sony Music Austria auch neue Inhalte auf dem Album haben wollte. Aus diesem Grund produzierten nicht nur Ogris Debris, sondern auch Milo Mills und Marcus Füreder (unter seinen Künstlernamen Parov Stelar beziehungsweise Ynnox) neue Versionen von Falco-Tracks. 2018 gab es schließlich (zu Falcos zwanzigsten Todestag) eine Deluxe Version von Falco 60, auch hier gibt es einen Zusammenhang mit dem Red Bull Music Academy-Projekt aus dem Vorjahr: So wurden hier vier „JNR RMR“-Remixes auf der CD verwendet, darüber hinaus wurde der deutsche Produzent Mousse T. mit einem weiteren neuen Mix von Der Kommissar beauftragt. Aufgrund dieser engen Verwobenheit finden sich alle 2017 beziehungsweise 2018 angefertigten Remixes in der „JNG RMR“-Kategorie auf dieser Website.

Die Presse lobte den frischen Zugang zu Falco-Songs im Rahmen dieses Remix-Projekts. Der Kurier schrieb unter dem Titel „Remixen um zu leben“ beziehungsweise „Remix me, Amadeus“ vom Umstand, „dass der musikalische Einfluss Falcos auf andere heimische Acts wohl nie überragend war – zu einzigartig und in sich geschlossen war das Image und der Sound des Kurzzeit-Weltstars aus Wien. Im sonst nicht zugänglichen niederösterreichischen Schloss bei Gaweinstal, zwischen alten Jagdtrophäen, entlang langer Flure und umgeben von elektronischen Musikequipment, widmet sich derzeit eine junge Generation heimischer Musiker dem Übervater des internationalen Pop aus Österreich. 60 Jahre wäre Falco im Februar geworden, natürlich Anlass genug für (…) die Red Bull Music Academy, unter dem Motto „Junge Roemer“ junge Künstler auf Falcos Musik loszulassen. In diesem generationenübergreifenden Remix-Projekt muss such der Falke schon ordentlich anhalten. Falco ist in vielen der Remixe in hochmodernes Musikgewand gekleidet – und so kaum wiederzuerkennen. Generationenübergreifendes Remix-Projekt, in dem sich der Falke schon ordentlich anhalten muss. Dafür, dass er tot ist, klingt Falco immer noch sehr lebendig“. Auch die Kronen-Zeitung stellt fest, dass „die neuen Remixes beweisen, wie modern die Musiklegende auch 2017 noch klingt“.

Und in der Tat, viele der Remixe verleihen dem Sound aus den 1980ern tatsächlich eine moderne, zeitgemäße Note und geben Falco die Coolness und Schärfe zurück, die andere Mixes, die seit seinem Tod angefertigt wurden (man denke nur an den einschläfernden 2007 Anniversary Mix von Nie Mehr Schule, den unbeschreibbar schlechten Falco Biography Mix von Rock Me Amadeus oder die Symphonic-Remixes als abschreckende Beispiele).

Die besten Remixes des „JNG RMR“-Projekts sind diejenigen, die den altbekannten Songs etwas Neues abgewinnen, bisher im Mix untergegangenes an die Oberfläche befördern oder einen anderen Zugang zum Sound finden. So fokussiert sich etwas der Remix von Rock Me Amadeus durch Ogris Debris fast vollständig auf Falcos Freestyle-Rap, es ist faszinierend, wie Falco minutenlang die Melodie durch neue Einfälle, Akzentuierungen und phonetische Zugaben interessant hält. Während die Motsa-Remixes alle im zurückgelehnten Reggea-Rhythmus gehalten sind, drehen Oliver Bernstein und Roman Rauch bei ihrem Remix von Zuviel Hitze das Tempo im Vergleich zum Original ordentlich nach oben. Weitere Höhepunkte sind die Neuabmischung von Hoch Wie Nie durch Tensnake, der Janefonds-Remix von Siebzehn Jahr sowie die Mixes von Einzelhaft durch Peter Kruder und auch den Tuff City Kids. Sämtliche Remixes von Der Kommissar sind hingegen langweilig. Das absolute Highlight ist jedoch Mirac & Ray Rays neuer Mix von Nothin‘ Sweeter Than Arabia. Dieser im Original durchschnittlichen Nummer verleihen sie durch eine arabisch-tranceartige und wesentlich dunklere Melodienführung eine ganz neue Stimmung, man kann die Hitze der besungenen Wüste und die Verlorenheit des Protagonisten in der Nacht direkt nachfühlen. Einer der besten, wenn nicht vielleicht sogar der beste posthume Falco-Remix.

Der breiten Masse gefielen die neuen Falco-Remixes jedoch nicht besonders, dass lässt sich auch aus dem Umstand herauslesen, dass keiner der „JNG RMR“-Mixes es in die Charts schaffte. Auch hier bleibt nur nochmals darauf hinzuweisen, dass der durchschnittliche Falco-Fan neuen Abmischungen, die den alten Klassikern einen modern-zeitgemäßen Sound geben, grundsätzlich ablehnend gegenüberzustehen scheint, hier scheint den meisten Anhängern der Konservatismus tief in den dann doch nicht mehr so jungen Knochen zu stecken.

Natürlich, diese neu angefertigten Remixes für die „JNG RMR“-EP-Serie beziehungsweise für die unterschiedlichen Editionen des Best-Of-Albums Falco 60 sind nicht jedermanns Sache. Die meisten sind nicht besonders kreativ und vielfach wird auch die Struktur des Originals brutal an die Wand gefahren. Wenn man sich jedoch auf Neues gern einlässt, dann wird man auch hier einige Versionen finden, die ihre Daseinsberechtigung mehr als nur rechtfertigen. Die schwankende Qualität der Remixes hat eine Heterogenität zur Folge und wenn man die Mixes nacheinander hört, fällt auch die geringe Bandbreite an verwendeten Songs auf – diese ist allerdings hauptsächlich auf das Fehlen der original Masterbänder zurückzuführen.

Was auch nicht zum Erfolg beigetragen hat ist sicherlich, dass die Remixes nicht auf CD oder Vinyl veröffentlicht wurden, auch hier schätzen die meisten Falco-Fans solche physischen Releases mehr als ausschließlich die digitale Vertriebsform. Es wäre eine nette Idee gewesen die über zwanzig verschiedenen Remixes auf einer hochwertig gemachten Doppel-CD zu veröffentlichen, leider wurde diese Idee nicht in die Tat umgesetzt.

Zusammenfassend kann man sagen, dass nicht alle der insgesamt zweiundzwanzig beim „Junge Roemer – Eine Woche für Falco“-Workshop produzierten neuen Remixes gut sind, die meisten verlieren sich in skurrilen Soundexperimenten und nicht wirklich passenden Strukturveränderungen der Songs. Jedoch finden sich auch echte Perlen in diesen 2017/18 angefertigten neuen Versionen, so dass man nur jedem Falco-Fan raten kann, über seinen Schatten zu springen und mal in diese Neuabmischungen reinzuhören, alleine schon wegen dem wirklich brillanten Mix von Nothin‘ Sweeter Than Arabia von Mirac & Ray Ray.

Beteiligte

JNG RMR & Junge Roemer – Eine Woche für Falco:
Organized by Red Bull Music Academy (Torsten Schmidt)
Recorded at the Red Bull Music Academy Base Camp in Schloss Pellendorf
Dank an: Nuri Nurbachsch, Matthias Schönauer, Conny de Beauclair, Susanne Schwameis, Walter Gröbchen,
Patrick Pulsinger, Michael Rager, Marlene Nader, Charlie Bader, Christoph Weiss, Skero, Jenny Blochberger,
Herbie Molin, Christina Linher, Marion Barry, Ole Weinreich.

Falco 60:
Product development & concept: Michael Rager, Philipp Neuhaus