Remix Album

The Remix Hit Collection

Oktober 1991
Eastwest Records GmbH
Charts: #51 GER (1998)

  1. Der Kommissar (Bingoboys Part 2 Club Remix) 5:35
  2. Rock Me Amadeus (Pascal Gabriel Club Remix) 6:47
  3. Jeanny (Harold Faltermeyer Remix) 7:07
  4. Data De Groove (Club Mix) 6:48
  5. Vienna Calling (Spencer Tobie Remix) 4:03
  6. Junge Roemer (Bingoboys Remix) 6:05
  7. Wiener Blut (Bingoboys Club Remix) 6:00
  8. Emotional (Harold Faltermeyer Remix) 6:05
  9. Coming Home (Jeanny Part 2, Ein Jahr Danach) 5:32
  10. Falco Megamix 6:00
  11. The Sound Of Musik (Extended Rock ‘N‘ Soul Version) 10:00 [nur auf CD]

Single-Auskoppelungen

Über das Album

Nachdem 1988 Falco am persönlichen Tiefpunkt angelangt war, befand er sich rund zwei Jahre später auch in einem karrieretechnischen Niedergang: Nach dem weit hinter den sowohl künstlerischen als auch verkaufstechnischen Erwartungen zurückgebliebenem Album Wiener Blut und dem die Situation noch weiter verschlimmernden kommerziellen Desaster durch die sehr sperrige und eigenbrötlerische LP Data De Groove, sah sich Falco in einer schwierigen Lage. Sein Status bei Kritikern und auch bei Fans war innerhalb kürzester Zeit tief gesunken, seine Platten verkauften sich nicht mehr und es blies ihm ein eisiger medialer Gegenwind ins Gesicht. Dazu kam noch, dass aus seinem Vertrag mit Teldec noch eine weitere Veröffentlichung vertraglich fällig war. Zunächst dachte man daran, das bei der Emotional-Tournee 1986 in Berlin mitgeschnittene Konzert in der Berliner Eissporthalle herauszubringen. Da eine solches Live-Album jedoch den Marktgesetzen folgend nur Sinn macht, wenn sich ein Künstler am Höhepunkt seines Erfolgs befindet beziehungsweise, wenn eine solche Veröffentlichung so zeitnah wie möglich nach der Tour stattfindet, wurde davon rasch wieder Abstand genommen (das Konzert wurde schließlich, stark verkürzt und mit einem chronologisch falschem Tracklisting nach Falcos Tod, unter dem Namen Live Forever auf den Markt geworden).

Falcos Plattenfirma Teldec hatte dann die Idee, ein Remix-Best-Of-Album anfertigen zu lassen. Auf diesem sollten bekannte Produzenten zeitgemäße und dem aktuellen musikalischen Geschmack angepasste neue Versionen der bekannten Falco-Hits basteln. Ein solches Projekt hatte für beide Seiten Vorteile: einerseits war dies eine für Teldec vergleichsweise billige Vorgehensweise, Falcos Vertrag auslaufen zu lassen. Andererseits gab es Falco Zeit, nach den Flops der beiden Alben wieder auf die Beine zu kommen. Falco war daher von diesem Vorschlag sehr erfreut, auch deshalb, weil er nebenbei auch andere Pläne verfolgte: so war eine TV-Serie mit dem ORF geplant, in dieser (Arbeitstitel „Wie weit weg?“) sollte Falco Auslandsösterreicher in der ganzen Welt besuchen und interviewen, konzipiert waren 6 Folgen, realisiert wurde die Idee jedoch nie.

Auf dem Papier erschien die Idee, Falcos Klassiker neu remixen zu lassen, gar nicht mal so schlecht. Ein Jahr zuvor hatte dies die britische Band The Cure mit ihrem Remix-Album „Mixed Up“ sowohl in kreativer als auch in kommerzieller Hinsicht vorgemacht und Falcos Werk beinhaltete ja auch einige weltweite Superhits, die in einer neu abgemischten Form das Interesse der Fans wecken könnten.

In einem Interview mit dem österreichischen Jugendmagazin Rennbahn-Express nannte Falco Anfang 1991 „Falco – New Sounds On Solid Ground“ und „Falco Updated“ als geplante Titel der geplanten Remix-LP. Auch sprach er davon, dass namhafte Produzenten an die Neuabmischung seiner Hits gehen werden: „Die Singles werden von bekannten Stars neu gemixt: Rock Me Amadeus und Der Kommissar von Shep Pettibone, Jeanny von William Orbit, diese beiden sind Madonnas Produzenten. Vienna Calling haben die Bingoboys remixt, Junge Roemer machen Black Box“. Diese prominenten Namen sind es dann leider (aus welchen Gründen auch immer) nicht geworden, letztlich zeichneten weniger bekannte Produzenten für die neuen Falco-Remixe verantwortlich.

Insgesamt wurden acht neue Remixes angefertigt: bei drei Remixes (Der Kommissar, Junge Roemer und Wiener Blut) übernahmen die Bingoboys die Produktion, Harold Faltermeyer zeichnete für die Neuabmischungen von Jeanny und Emotional verantwortlich, Rock Me Amadeus wurde von Pascal Gabriel und Vienna Calling von Spencer Tobie remixt. Zusätzlich wurde ein sogenannter Falco Megamix angefertigt, in den mehrere Hits von Falco in Auszügen inkludiert wurden. Diesen Mix produzierte der deutsche DJ Sven Väth mit seinem Bandprojekt Mosaic, er gilt als einer der Gründerväter des Techno-Genres.

Die drei restlichen Nummern des Albums umfassen zwei bereits vorher veröffentlichte Remixes (The Sound Of Musik in der ‚Extended Rock `N´Soul Version‘ von 1986 und Data De Groove im ‚Club Mix‘ von Jamie Lane von 1990,) sowie einen Song, der in der originalen Album-Version vorliegt, Coming Home (Jeanny Part 2, Ein Jahr Danach). Warum der zweite Teil der Jeanny-Saga nicht remixt wurde ist unklar, es ist schade, dass im Rahmen dieses Albums nicht auch für diese Nummer eine Neuabmischung gemacht wurde.

Die wirklich großen Nummern der Remixer-Szene waren also nicht dabei und durch die Tatsache, dass einige Produzenten mehrere Songs bearbeitet haben, war auch die musikalische Bandbreite überschaubar. Sicher, Harold Faltermeyer ist durch seine Erfolge mit Film-Soundtracks und auch durch die Zusammenarbeit mit den Pet Shop Boys, Blondie und Donna Summer bekannt und auch die Bingoboys aus Wien hatten zur damaligen Zeit einen Club-Hit mit „How To Dance“, aber für den durchschnittlichen Falco-Fan waren die Remixer-Namen großteils unbekannt: Pascal Gabriel hatte zuvor mit EMF, Bomb The Bass und der Band Inspiral Carpets zusammengearbeitet, Tobie Spencer zuvor lediglich einige wenige Producer-Jobs für Künstler wie Sassy B. übernommen. Es war also nicht gerade die Crème de la Crème der Remixer- und Produzentenszene versammelt, um Falcos Hits ein modernes Soundgewand umzuhängen.

Bei der Produktion bemerkte man übrigens, dass von Der Kommissar und von Junge Roemer keine Masterbänder mehr auffindbar waren. Um dennoch Remixes von diesen beiden Songs anfertigen zu können, musste Falco seine Gesangsspuren nochmals neu im Studio einsingen. Das geschah im Studio der Bingoboys, da die Wiener Dance-Band diese beiden Songs für das Album produzierte. Laut Martin Neymayer von den Bingoboys kam Falco für die Neuaufnahmen ins Studio, zündete sich eine Zigarette an, ging in die Aufnahmebox, sang jeweils im ersten Take die beiden Songs und verschwand danach schnell wieder. Während die Gesangsaufnahme von Der Kommissar bis heute bei jedem neuen Remix verwendet wird (z.B. bei den Mixen für Falco 60 oder auch für das JNG RMR-Projekt), wurde mittlerweile auch die Neuaufnahme des Gesangs für Junge Roemer wieder verloren und ist per dato nicht mehr zu finden.

Das Cover ist, wie für Remix-Alben generell üblich, sehr anonym gehalten. Man findet kein Photo des Künstlers darauf, neben dem sehr prominenten Künstlernamen wurde als Sujet noch die Falco-Animationsfigur verwendet, die 1984 auf der Rückseite des Albums Junge Roemer erstmals zu finden war. Die Gestaltungsidee ist eine gute, das Ganze sieht recht edel und hochwertig aus. Es wurden sehr poppige Farben verwendet (pink, türkis, orange), diese knallen auf dem tiefschwarzen Hintergrund schön ins Auge. Beim Titel des Albums (der grundsätzlich recht klein gehalten wurde), sind die Worte „Remix Hit“ fett geschrieben, wohl um dem potentiellen Käufer eindeutig mitzuteilen, dass es sich hier nicht um eine Best-Of-Kollektion mit den Original-Hits handelt. Dieses Vorhaben wird auf der Rückseite des Covers jedoch konterkariert: hier sind nämlich die Songs großteils ohne die Information angeführt, dass es sich um Remixes handelt. Lediglich bei Der Kommissar (Zusatz ‚Part 2‘), sowie bei Rock Me Amadeus, Data De Groove und Wiener Blut (Zusatz ‚Club Remix‘) wird darauf hingewiesen, dass es sich um neue Versionen der Falco-Hits handelt. Junge Roemer wird hier zum einzigen Mal bei einer offiziellen Falco-Veröffentlichung nicht mit „oe“, sondern mit „ö“ geschrieben: Das passierte wahrscheinlich deshalb, um auf die Remix-Version hinzuweisen (wie auch bei Der Kommissar, wo als Zusatz ‚Part 2‘ angegeben wird). Zwar verrät die lange Laufzeit der Songs, dass dem so ist, aber diese ist in winzig kleinen Zahlen angegeben und kann so leicht übersehen werden. Es ist anzunehmen, dass diese bewusste Irreführung des Konsumenten eine bewusste Entscheidung war, schließlich umfasst dieses Album sämtliche mehr oder weniger großen Falco-Hits von 1982 bis 1990 und eine normale Falco-Best-Of mit den Originalversionen war zu diesem Zeitpunkt nicht am Markt.

Auf der Rückseite des Covers sind Falcos bis inklusive 1990 erschienene Alben zu sehen, diese Bilder fehlen klarerweise auf der internationalen Version, da dort viele dieser LPs nicht mehr am Markt erhältlich waren und es darum keinen Sinn machte, für diese hier nochmals Werbung zu machen. Während die CD in Österreich und Deutschland als reiner Silberling auf den Markt kam, hatte die CD in den USA kleine pinke Pünktchen aufgedruckt – sehr hübsch…

Übrigens: The Sound Of Musik (in der, wie oben erwähnt, ‚Extended Rock `N´Soul Version) war lediglich auf der CD-Edition dieser LP enthalten, auf der Vinyl-Platte und auf der Musikkassetten-Version fehlte dieser Song. Zurzeit ist dieses Remix-Album nicht mehr am Markt erhältlich, davor war es aber (vor allem international) bis zu Falcos Tod das einzige offizielle Falco-Best-Of-Werk (in Österreich erschienen mit den Kompilationen Greatest Hits und Greatest Hits II 1996 beziehungsweise 1997 bereits kurz vor Falcos Tod solche Songzusammenstellungen).

Fünf Jahre nach der Ersterscheinung wurde das Album nochmals veröffentlicht: das sich im Besitz von Warner Music befindliche Label Convoy brachte eine CD mit einem stark abweichenden Cover (Falco während eines TV-Auftritts 1988) heraus, auch das Tracklisting (die Remixes der Songs Jeanny und Junge Roemer tauschten die Plätze) sowie der Albumname („The Remix Album“) wurden leicht verändert. Das geschah, um die Platte zum Budget-Preis anbieten zu können, gleichzeitig aber dem alten Hauptprodukt (das ja damals weiterhin noch erhältlich war) nicht zu schaden. Der Konsument hatte damit die Wahl das Originalalbum zum teureren Preis, oder aber das neu aufgelegte Album (mit hässlicherem Cover-Design) zum Spottpreis zu erwerben. Der Marke Falco half eine solche Discount-Ausschlachtung natürlich nicht unbedingt.

Die Fans und die Kritiker nahmen dieses Remix-Album (wenn überhaupt) kritisch wahr. Den wenigsten gefiel der neue Remix-Sound der geliebten Falco-Klassiker. Es zeigt sich hier, was auch in der Zukunft bei fast allen Falco-Remixes der Fall sein wird: der typische Falco-Fan steht Neuabmischungen allgemein sehr konservativ und ablehnend gegenüber. Nicht, dass das in vielen Fällen nicht angemessen wäre, aber es ist hier doch eine grundsätzliche Missbilligung und emotionale Verurteilung solcher Neu-Mixes durch Falcos Stammpublikum feststellbar. Das war auch 1991 der Fall: die meisten Medien beachteten die Veröffentlichung nicht mal, diejenigen die es dennoch taten, lehnten das Album durch die Bank ab. Typisch ist hier ein Artikel aus dem Chelsea Chronicle: „Tief getroffen durch die letzten Flops versucht der inzwischen schon fast federlos gewordene Falke einen erneuten Höhenflug. Bingoboys, Harold Faltermeyer usw. heißen die Remixer oder wohl eher: Fleischwolfdreher. Resultat: Cevapcici (Rock Me Amadeus, Jeanny) aber auch Beef Tartar (Der Kommissar, Wiener Blut). Die Plattenfirma hat das Sagen und gekauft wird’s ja eh“.

Falcos Remix-Album wurde nicht massiv beworben, es wurden jedoch zwei Singles ausgekoppelt: Rock Me Amadeus (wo neben dem auf der LP befindlichen Mix auch noch ein Radio Edit und eine Instrumental Version des Remix von Pascal Gabriel enthalten waren) und Der Kommissar (wo ebenfalls ein Radio Mix und – auf der CD-Version der Single – auch die Originalversion von 1982 angeboten wurde). Für den Remix von Rock Me Amadeus wurde von Dolezal&Rossacher sogar ein neues Video gedreht: hier wurden dem Originalvideo noch zusätzlich gedrehte Aufnahmen von Frauen in Rokoko-Kostümen, sowie Ausschnitte aus den Clips zu The Sound Of Musik, Body Next To Body, Kann Es Liebe Sein? und Data De Groove hinzugefügt. Das neu gemachte Bildmaterial ist dabei ein bisschen freizügiger und wenig interessant – die Idee hinter der Single-Veröffentlichung war sicherlich auch, dass 1991 ein Mozartjahr war (der 200. Todestag des Künstlers jährte sich) und man sich dachte, da macht auch eine Auskopplung des Remixes mit einem neuen Clip Sinn.

Der Erfolg war ein überschaubarer beziehungsweise nicht vorhandener: weder das Album noch die beiden Singles schafften es irgendwo auf der Welt (das Album wurde auch in den USA und in ein paar Ländern Asiens und Südamerikas veröffentlicht) in die Charts. Lediglich nach Falcos Tod 1998 gelangte die LP in Deutschland auf Platz 51, dies ist wohl hauptsächlich dem Umstand geschuldet, dass es zu diesem Zeitpunkt, wo die Fans Falco-Produkte kaufen wollten, das einzige Best-Of am Markt war und viele Käufer wohl auch übersehen haben, dass es sich hier um ein Remix-Album handelt.

Das Album ist seit 1999 nicht mehr regulär erhältlich, es würde aber Sinn machen, es über Streaming- oder Download-Plattformen verfügbar zu machen. Sicherlich, die Remix-Versionen sind nicht jedermanns Sache und auch merkt man vielen Remixes an, dass sie fast schon zwanghaft versuchen, Falcos Hits aus den 1980er Jahren soundtechnisch ins nächste Jahrzehnt zu bringen. Allerdings sind alle drei neuen Mixes für die die Bingoboys verantwortlich zeichnen (Der Kommissar, Junge Roemer und Wiener Blut) durchaus gelungen, sie geben den Songs einen neuen klanglichen Anstrich und auch der Umstand, dass Falco für die beiden ersten dieser Remixes seinen Gesang neu eingespielt hat, macht diese Versionen für Falco-Fans interessant. Auch der Pascal-Gabriel-Remix von Rock Me Amadeus ist geglückt, zwar verzichtet er auf den (allzu) kommerziellen Refrain mit der zigfachen Wiederholung von „Amadeus, Amadeus“ (was viele Fans kritisieren), aber er gibt Falcos größten Hits einen modernen, frischen Sound und wenn man die Live-Versionen dieser Nummer hört, die Falco 1993 performt hat, dann scheint man davon ausgehen zu können, dass auch Falco dieser Remix gefallen hat: die Konzert-Version ist im Aufbau sehr ähnlich.

Nicht allzu gut gelungen ist hingegen der Remix von Vienna Calling (hier wurde lediglich ein monotoner Beat unterlegt und auch das Sample von Der Kommissar wirkt deplatziert) und auch die beiden neuen Mixe von Harold Faltermeyer (Jeanny und Emotional) wirken irgendwie nicht allzu aufregend – gut, beides sind eher langsamere Stücke und daher schwierig zu remixen, aber beide hinterlassen keinen nachwirkenden Eindruck. Auch der Falco Megamix von Sven Väth hält nichts Faszinierendes parat, er vermittelt eher den Eindruck einer lieblosen Auftragsarbeit.

Es ist eher ein Album für Fans und Kompletionisten und die nicht ganz durchdachte Mischung von neuen Remixen, Original-Album-Versionen und bereits veröffentlichter Mixes (die bereits 1986 entstandene Maxi-Version von The Sound Of Musik passt soundtechnisch genau wie Coming Home (Jeanny Part 2, Ein Jahr Danach) so gar nicht zum Rest der LP), sowie die stark schwankende Qualität der neuen Remixes, machen das Hörvergnügen zu einem eher unebenen Ritt.

Beteiligte

Songs 1, 6 und 7: Remixed by the Bingoboys for Bingoboys Production
Songs 2: Remixed by Pascal Gabriel
Songs 3 und 8: Remixed by Harold Faltermeyer
Song 4: Remixed by Jamie Lane
Song 5: Remixed by Spencer Tobie
Song 10: Remixed by Mosaic
Song 11: Produced by Rob & Ferdi Bolland
Cover design by Mainartery, London