Song

Wiener Blut

Laufzeit

3:31 Minuten

Album

Wiener Blut [1988]

Single-Auskopplung

August 1988
Charts: #4 AUT, #9 GER, #24 SUI

Musik, Text und Produktion

Musik: Rob & Ferdi Bolland
Text: Falco, Rob & Ferdi Bolland
Produzent: Rob & Ferdi Bolland

Offiziell veröffentlichte Mixes/Edits/Versionen

  • 12” Remix 7:20 (1988)
  • Bingoboys Club Remix 6:00 (1991)

Über den Song

Wenn man den Aussagen von Falco glauben darf, dann existiert zumindest die Idee zu diesem Song schon seit den Aufnahmen zu Falco 3, also seit 1985. Ob dem so war oder ob Falco hier nur für die Presse versucht hat krampfhaft eine Verbindung zu seiner erfolgreichsten Phase herzustellen, ist unklar. Angeblich hieß die Nummer damals „Die Medizin“, Falco singt dieses Wort im Text und auch auf dem Cover der Single und im Booklet des Albums wird der Song mit dem verlängerten Titel „Wiener Blut – Die Medizin“ angegeben. Das Lied spielt auf alle Fälle wieder mal mit Österreichklischees (wie auch Rock Me Amadeus, Vienna Calling, The Sound Of Musik), einem traditionellen Ideenpool der Bollands.

Falco und sein Produzententeam gehen es hier ziemlich rockig an, am Anfang hört man einen verzehrten Verweis auf die titelgebende Operettennummer von Johann Strauß, danach setzen gleich mal eine starke, explosive Melodie ein. Falcos gerappte Strophe wird lediglich von Drums und einem Gitarrenriff begleitet, bevor dann eine Bridge einsetzt („Doktor, Doktor“) und der kraftvolle Refrain beginnt. Eine weitere Bridge führt daraufhin zur nächsten Strophe. Nach dem zweiten Refrain markiert Falcos zynisches Gelächter den Übergang zu einem rockigen Gitarrensolo. Mit einem wiederholten „Oh, oh, oh, oh, oh“ wird dann die Nummer langsam ausgeblendet. Der Song ist eindeutig der beste auf Falcos fünftem Album und zu Recht die erste (und einzige) Hit-Single. Gleichzeitig ist die Nummer einerseits sehr typisch für das Falco/Bolland-Erfolgsrezept, bietet andererseits aber auch ungewohnte Elemente, sie ist sehr rockig, eigentlich nicht radiotauglich und wechselt abrupt zwischen schnellen und langsameren Teilen hin und her.

Es ist sicherlich auch eines jener Lieder auf dem Album Wiener Blut, zu dem Falco dann doch textlich Einiges beigetragen haben dürfte. So ist der Text im Wiener Dialekt geschrieben und gesungen, ein Umstand, der dem internationalen Verständnis und dem Erfolg sicherlich nicht geholfen hat. Auf dem Lyricsheet des Albums wurde eine hochdeutsche Übersetzung mitabgedruckt. Der Sprachwissenschaftler Peter Ernst verweist im Buch „Falco’s many languages“ jedoch darauf, dass es sich hier um einen „stilisierten Dialektgebrauch bis zum Exzess handelt. Auf den ersten Blick verwendet Falco den Jargon der Wiener Unterwelt (Gaunersprache), aber bei genauerem Hinsehen merkt man, dass diese Sprachform (…) nicht homogen ist. Im Gegenteil, man gewinnt sogar den Eindruck, dass hier dialektal klingende Phrasen aneinandergereiht werden, die zusammengenommen keinen Sinn ergeben. Falco ist kein Dialektsänger, (…) das Wienerische ist für ihn mehr Stilmittel, eine Kunstsprache, die es in dieser Form in der Realität nicht gibt, das Wort „Gürteltier“ zum Beispiel ist eine Erfindung Falcos“. Auch auffällig ist die Benutzung des Hilfsverbs "tun": Falco verwendet dieses Kommunikationselemente, das typisch für gesprochene Sprache ist, um einen Reim mit dem Wort "Blut" hinzubekommen, sehr elegant wirkt das nicht, es passt aber gut zur oben erwähnten stilisierten Dialektverwendung. Falco greift vier Jahre später auf dem Song Titanic übrigens nochmals auf dieses grammatikalisch falsche Hilfsverb zurück, auch hier geht es darum, einen Reimeffekt zu erzielen.

Thematisch geht es um den wienerischen Umgang mit Verbrechen, Gewalt und Prostitution, es ist ein Song über die Wiener Unterwelt und ihre Verknüpfungen in Politik und Wirtschaft. Die wahre Bedeutung lässt sich jedoch nur in Kombination mit dem Videoclip umfassend verstehen: hier wird deutlich, dass Falco von Korruption, Prostitution, Nepotismus und um die fehlende Abgrenzung zwischen Politik, Wirtschaft und mafiöse Verbrechersyndikate singt. Verbunden werden all diese, eigentlich getrennten Bereiche von der Wiener Gesellschaft, in deren Rahmen illegale Deals gemacht und Entscheidungsträger bestochen werden. Auf diese Verbindung mit der Politik kann auch die Formulierung "der Rote" im Text hinweisen: diese  wird zwar in der offiziellen Übersetzung am Schallplattencover als "ein Rothaariger" angegeben, natürlich kann man dabei aber auch an ein Mitglied der sozialdemokratischen Partei denken. Werden im Song lediglich zwei Gewaltverbrechen besungen (eine Gefängnisstreiterei beziehungsweise eine Prostitutionseifersuchtstat mit Todesfolge), erhält der Song im Videoclip durch die dort ergänzend vorkommenden Themengebiete seine wahre Bedeutung.

Auch der sagenumwobene Club 45 wird im Text erwähnt, es handelt sich hier um einen, von führenden Mitgliedern der österreichischen Sozialdemokratie gegründeten Herrenclub in Wien, in dem in den 1970/80ern die Spitzen von Politik und Wissenschaft ein und aus gingen. Sein Besitzer, Udo Proksch, wurde, nachdem er zunächst lange von mächtigen Freunden gedeckt und geschützt wurde, im Rahmen eines Versicherungsbetrugs (der Fall „Lucona“), in dessen Verlauf mehrere Menschen starben, zu lebenslanger Haft verurteilt.

Es ist anzumerken und durchaus ironisch, dass Falco zu jener Zeit, als er den Text zu diesem Song geschrieben hat, der darin beschriebenen Wiener High Society wohl so nah wie nie war – zu seiner Party zum 30. Geburtstag ein Jahr vorher, kamen vom Bundeskanzler abwärts, viele Personen dieses Gesellschaftskreises in das Café Havelka.

Sarkastisch kommentiert Falco, dass diese Art von Zuständen in Wien nicht als Problem, sondern als Lösung gesehen werden: „Wir haben die Medizin. Der Dekadenz haben wir einen Preis verliehen. Dabei sind wir moralisch übriggeblieben, wir stehen und fallen und liegen“. Der oft mit dem Wien in der Kaiserzeit bis 1918 assoziierte Begriff der Dekadenz dürfte Falco gefallen haben, vier Jahre später findet sich diese Thematik in anderem Zusammenhang im Song Titanic wieder.

Textlich leiht sich Falco übrigens ein paar Worte aus dem titelgebenden Vorbild der 1899 erschienenen Johann Strauß-Operette aus: dort heißt es im Schlusslied: „Wiener Blut, eig’ner Saft, voller Kraft, voller Glut, du erhebst, du belebst unser’n Mut! Wiener Blut, was die Stadt Schönes hat, in dir ruht! Wiener Blut, heiße Flut, allerort gilt das Wort: Wiener Blut!“ Bei der Verwendung der Worte "Stop retour" zitiert sich Falco selbst, diese Phrase kam bereits in Maschine Brennt vor.

Von Falco selbst wird die Nummer als „Fortsetzung meiner Wiener Lieder“ (Ganz Wien, Der Kommissar, America) bezeichnet. Das Lied ist „eine echte Milieustudie, es handelt von einer absoluten Randschicht, es ist meine Art, ein bisschen Anarchie in jeden Haushalt zu bringen, ein Schmuggelgut, das eigentlich in der Hitparade nichts verloren hat“. 1988 bezeichnete Falco diesen Song als seine „Lieblingsnummer auf der LP, sie ist am rauesten. Es ist mein Beitrag zum urbanen, weißen Rock ‚N‘ Roll. Ich finde sie gar nicht besonders kommerziell: sie ist viel zu schnell für Disco- oder Clubmusik, ist keine typische Radionummer und lebt von einer gewissen Dynamik, die erst am Schluss so richtig losgeht.

In der Presse wurde der Song eher lauwarm rezipiert: so war vielfach von einem „Selbstplagiat“ Falcos zu lesen, einer Nummer nach „altbekanntem Falco-Hitmuster“. Lediglich der Rennbahn-Express spricht von einem „Smash-Hit im Wiener Dialekt gerappt, dessen Refrain sofort im Ohr hängen bleibt und in dem Falco Geschichten aus der Nobelstrizziszene seiner Heimatstadt singt“.  Falcos Manager Horst Bork bezeichnet die Nummer in seinem Buch als „kein Meilenstein, aber was Besseres gab es [zur Zeit der Aufnahmen des Albums; Anmerkung] nicht, es ist ein solides Stück Popmusik über alle Vor- und Nachteile der Wiener Mentalität, die Verständlichkeit leidet aufgrund des Dialekts“.

Wie bereits erwähnt, liefert das, wiederum von Dolezal & Rossacher produzierte Video, zusätzliche Interpretationsebenen. Der Clip beginnt mit einer Einstellung auf einen weißen Tisch, links und rechts sitzen Engel, das Ambiente erinnert an ein himmlisches Szenario genauso wie an die Schüttbilder von Hermann Nitsch (von denen Falco mehrere besessen hat). Von oben trifft ein Schwall an Blut auf den Tisch und färbt die Engel und ihre weißen Kutten tiefrot ein. Danach sieht man weibliche Polizistinnen (Schlagstock, Polizeikapperl, Handschellen), ihre Aufmachung (hautenger Minirock, laszive Bewegungen) lässt aber eher auf Prostituierte schließen. Falco, verkleidet als Napoleon Bonaparte (und mit Martin ‚Sugar B.‘ von der Wiener Hip-Hop-Gruppe The Moreaus), betritt die Szenerie, wir befinden uns in einem Gefängnis. Eine Gruppe Männer, die einen mit Sonnbrille und Businessanzug, die anderen in Sträflingskleidung, wird gezeigt. Falco, mittlerweile mit weißem Hemd und Fisch-Krawatte, sitzt mit ihnen an einem Roulette-Tisch in einer Gefängniszelle und teilt Spielkarten aus. Rundum liegen Jetons und Bargeld am Tisch, attraktive Frauen umlagern interessiert die Runde. Schließlich verlässt Falco die Spielrunde und wird beim Verlassen der Zelle sofort von Reportern, Photographen und TV-Journalisten belagert. Im Hintergrund tanzt eine Gruppe Männer, sie tragen Urlaubskleidung (Hawaiihemden, kurze Hosen, Sonnenhüte). In der nächsten Szene fährt eine Limousine in einen Hinterhof, Falco liest eine Zeitung namens „Wiener Blut“ die Schlagzeile lautet „Da Professor geht ham“. Nach dem Aussteigen trifft er sich mit einer Reihe dubioser Businesstypen/Gangstern, ein Geldkoffer wird übergeben. Eine Personengruppe mit Billa-Jacken tritt auf (Billa ist der Name einer großen Lebensmitteleinzelhandelskette, die für diesen Werbeauftritt im Videoclip sicher gutes Geld gezahlt hat – ein lustiger Umstand, wenn man bedenkt, dass es in diesem Song/Video doch hauptsächlich um die porösen Grenzen zwischen Wirtschaft, Politik und eben auch Kunst geht).

Danach sieht man Falco an einem Rednerpult, links und rechts ist dieses mit rot-weißen Bändern und Fähnchen geschmückt – diese Farben findet man sowohl in der österreichischen als auch in der Wiener Flagge. Anschließend wieder ein Schnitt, Falco ist wieder als Napoleon zu sehen, er steht vor einem Roulette-Tisch, auf dem ein toter Matrose liegt, am Bein hat er ein Schild mit der Aufschrift „Wiener Blut“. Es fällt schwer, diese Szene nicht als direkten Verweis auf den Fall „Lucona“ zu sehen, das Aufdeckungsbuch über einen Versicherungsbetrug, in dessen Rahmen mehrere Matrosen ihr Leben verloren, wurde ein Jahr vorher veröffentlicht. Schnitt zurück, jetzt sieht man Falco bei der Eröffnung einer Baustelle, er schneidet ein Band durch, links und rechts Vertreter aus Wirtschaft und Politik, dazwischen wieder attraktive Frauen. Anschließend sieht man Falco mit Frau und Kind, hier wird klar die Grenze zwischen Fiktion und Realität übersprungen, da diese Rollen von Falcos tatsächlicher Frau Isabella und seiner Tochter Katharina-Bianca übernommen werden. Vor ihnen eine Schar Journalisten, Falco macht hier wohl eine Home-Story in einem Wiener Park.

Falco wird ein Orden an die Brust geheftet (auch das ein lustiger Verweis, hatte doch Falco 1986 vom Wiener Bürgermeister Zilk das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien verliehen bekommen), danach sieht man Männer in goldenen Kostümen Bargeld in Falcos Limousine laden. Falco umarmt einen der in Anzug gewandeten Typen, daneben klatscht eine Menschenmenge und die Journalisten machen eifrig Photos von der Szene. Abschließend fährt Falcos Auto aus der Lagerhalle, kurz sieht man noch Falco mit einer goldenen Gitarre bevor dann die Schlussszene zurück auf die Engel schwenkt. Diese Szene wird nun retour abgespielt, so dass die Engel am Schluss wieder sauber und reingewaschen am Tisch sitzen.

Wie oben erwähnt, wird der Song erst gemeinsam mit dem Video wirklich verstehbar, es geht um die Vermischung von Politik, Medien, Wirtschaft, Sex und Verbrechen. Klar wird verwiesen auf Themen wie Korruption, Bestechung, Vetternwirtschaft, Glücksspiel, Prostitution und auch der Flucht vor der Wirtschaftskriminalitätsverfolgung (das Thema hatten wir bei Falco auch schon bei Hinter Uns Die Sintflut und auch bei Steuermann). Die Besudelung und schlussendliche Reinwaschung der Engel könnte man weiters auch als einen Hinweis auf die Verflechtung der oben genannten Bereiche mit den institutionalisierten Kirchen deuten. Und natürlich auch als Feststellung, dass den Involvierten selbst bei größter Schuld nichts passieren wird, das System sorgt sich um seine Schäfchen.

Übrigens: Nach Falcos Tod veröffentlichten Dolezal & Rossacher auf diversen DVDs eine so genannte "Bloody Version" dieses Videoclips – in dieser wird deutlich mehr Blut über den am Tisch sitzenden Engeln ausgeschüttet.

Der Song wurde als erste Single kurz vor Erscheinen des Albums Wiener Blut ausgekoppelt und war in den deutschsprachigen Ländern durchaus ein Hit (#4 in Österreich, #9 in Deutschland, #24 in der Schweiz). Im Rest der Welt konnte sich die Auskopplung jedoch nicht in den Charts platzieren, was sicherlich auch am starken lokalen Einschlag und dem deutschsprachigen Titel gelegen hat. Auch in Japan wurde der Titel als Single veröffentlicht, im dort üblichen Longbox-Format mit Karton- und Plastikelementen. In den USA wurde die Single lediglich als Promo 12“ veröffentlicht, auf der dort erschienenen Single Do It Again, wurde der Song im 12“ Remix auf der B-Seite verwendet. Als B-Seite wurde Tricks verwendet, auf der CD-Version zusätzlich auch Sand Am Himalaya, eine Nummer, die im Rahmen des ursprünglich geplanten Albums „Aya“ als Single im Gespräch war.

Das Cover der Single ziert ein Portraitphoto Falcos, er hat eine dunkle Pilotenbrille auf, auch sein Ehering ist auf der Aufnahme zu sehen. Das Photo wurde in der gleichen Session wie die Aufnahmen für das Album gemacht. Wenn man bedenkt, wie problematisch dieser Termin war (Unlust und Betrunkenheit Falcos), dann muss man konstatieren, dass diese Aufnahme doch sehr gut gelungen ist. Das liegt sicherlich auch daran, dass man Falcos neue Frisur mit den langen Haaren (die durch die zurückgegelten Haare vorne wie ein Vokuhila wirkt) durch den Fokus auf sein Gesicht nicht sieht. Meiner Meinung nach wäre dieses bei der Single verwendete Photo auch das eindeutig bessere Album-Photo gewesen. Falcos Name ist am Cover stilisiert zu sehen, die Buchstaben F und A wurden graphisch zusammengezogen. Daneben findet, wie auf der LP, den reichlich ornamentierten Songnamen. Die Rückseite ist schwarz gestaltet, neben den Tourneeterminen wurde auch eine hochdeutsche Übersetzung der Lyrics abgedruckt.

Live wurde die Nummer lediglich ein einziges Mal aufgeführt und zwar auf dem Konzert in Oldenburg am 2, Dezember 1988. Der Song wurde hier sehr eng am Original angelehnt performt. Im Rahmen des Falco Tribute-Konzerts anno 2017 auf der Wiener Donauinsel sang Roman Gregory, der Sänger der Wiener Band Alkbottle, dieses Lied.

Im Rahmen der Promotion für die Single trat Falco 1988 in mehreren TV-Shows auf, darunter in Günther Jauchs „Na siehste!“.

Es gibt zwei Remixes dieser Nummer, eine entstand zum Zeitpunkt der Veröffentlichung, dieser 12“ Remix betont die Tanzbarkeit des Titels und verwendet eine Unzahl an Samples, darunter das Intro aus „Star Trek“, Zitate aus den TV-Serien „Mr. Ed“ und „Adventures of Superman“. Neben einem Eigenzitat (Rock Me Amadeus) wurden auch zusätzliche Textelemente verwendet: so hört man Falcos ehemalige Drahdiwaberl-Bandkollegin Jazz-Gitti (die in der Originalversion schon die Zeile „Ist die tot?“ beigetragen hat) laut „Mörder!“ rufen, worauf Falco entgegnet „Haha, Mörder ist gut!“. Es sieht so aus, als seien diese zusätzlichen Zeilen im Rahmen der Aufnahmen entstanden, es klingt sehr nach Aufnahmen, die im Studio von den Bollands während des Einsingens mitgeschnitten, aber dann schlussendlich nur auf diesem 12“ Remix verwendet wurden. Vor allem Falcos Replik lässt darauf schließen, dass es sich hier um spontane Dialoge im Aufnahmeraum handelt.

Für die Remix-LP The Remix Hit Collection wurde dann drei Jahre später ein neuer Mix produziert, die Bingoboys aus Wien (die damals mit „How To Dance“ einen Hit in den US Dance Charts hatten), zeichneten dafür verantwortlich. Dieser Remix ersetzt mehr oder weniger vollständig die Melodie und Musik des Originals und ersetzt es teilweise ziemlich schamlos und unverhüllt mit dem Sound von „Blue Monday“, einem Klassiker der britischen Band New Order. Die Textpassage, wo im Original noch Falcos ehemalige Bandkollegin bei Drahdiwaberl, die Jazz-Gitti "Ist die tot?" geschrien hat, singt bei diesem Remix nun Falco selbst (hier dürfte das Mastertape von 1988 mit Falcos Gesangsspur verwendet worden sein).

Die Titelnummer von Falcos fünftem Album ist sicherlich die beste Nummer auf dieser LP und wird, meiner Meinung nach, unter Wert geschlagen. Es ist sicherlich nicht Falcos größter Hit, aber er lässt sich nahtlos in die Reihe seiner Erfolge einreihen und klingt auch heute noch recht frisch und flott. Sowohl musikalisch als auch thematisch geht nach wie vor eine gewisse Strahlkraft von ihm aus und seine doch überschaubare Beliebtheit sowohl bei Fans als auch bei Falco selbst, ist wohl der Tatsache geschuldet, dass er auf einem unterdurchschnittlichen Album und zu einer Zeit als Falcos Stern am Verglühen war, veröffentlicht wurde.

Text

Oh, Oh, Oh
Wien, Wien, Wien, Wien, Wien
Wiener Blut

Heast, was hat der Bua?
Was braucht er für eine Medizin?
Geh schau, geh schau da was an
Der weiß genau

Der Peter und der Rote haben dem Kas eine gegeben
Ihn hat’s wie Hauptfett aufgestellt
Volle Wäsch' in die Wand, war das schön

Der Guck schmiert ab
Der Stockchef kommt
Ein Spiel wird inszeniert
Wobei der Rote dem Peter
Seine komplette Auslös inhaliert

Man ruft den Doktor, Doktor
Der Peter sieht rot
Doktor, Doktor
Einer fragt "Ist der tot?!

Wiener Blut
In diesem Saft die Kraft
Die Wiener Glut
Kommt einer link uns
Kommen wir in Wut
Bis er erkennen tut

Wir haben die Medizin
Der Dekadenz haben wir einen Preis verliehen
Dabei sind wir moralisch übergeblieben
Wir stehen und fallen und liegen

Wir haben die Medizin
Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh

Hearst, der ist arg
Was ist das für eine Medizin?

Der Professor hat einen Dreier ausgefasst
Heute geht er heim
Sein Weg führt in direkt in den Prater
In die Allee mit den Bäumen

Kein Bein allein
Er fasziniert sein Gürteltier erblickt
Jedoch die Beste mit einem "Jetzt kommst?"
Stop retour in den Krieg ihn schickt

Man ruft den Doktor, Doktor
Der Professor sieht rot
Doktor, Doktor
Eine fragt "Ist die tot?!

Wiener Blut
Mit Mord und Totschlag haben wir nichts am Hut
Doch sind für eine Hetz' wir immer gut
Für dich und mich in Wien

Wir präsentieren Wien
Auch im Club 45 sind wir drinnen
Dort sind wir unter uns dann sehr intim
Im Stehen, im Fallen, im Liegen

Wir präsentieren Wien
Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh

Bis er erkennen tut

Wir haben die Medizin
Der Dekadenz haben wir einen Preis verliehen
Dabei sind wir moralisch übergeblieben
Wir stehen und fallen und liegen

Wir haben die Medizin
Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh
Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh
Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh
Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh
Oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh, oh

Zusätzlich verwendete Textbausteine in alternativen Mixes/Edits/Versionen

12″ Remix:

(Aaaah, Mörder!)
Haha, Mörder ist gut!

To boldy go where no man has gone before
(Sample aus der TV-Serie "Star Trek")

Let’s go!
(Sample)

Hello, I’m Mr. Ed
(Sample aus der TV-Serie "Mr. Ed")

Oh my! Satisfy a woman?
(Sample)

Rock Me Amadeus
(Sample aus Salieri Version)

Check your body
(Sample)

Follow the leader!
(Sample)

It’s a plane!
(Sample aus der TV-Serie "Adventures of Superman")

Hochdeutsche Übersetzung laut Cover/Lyricsheet

Der Peter und der Rote haben dem Kas eine gegeben
– Ein Rothaariger
– Kaiserlicher Arrestschliesser verprügelt

Volle Wäsch' in die Wand, war das schön
– Geradeaus in die Wand

Der Guck schmiert ab, der Stockchef kommt
– Gefängniswärter steht Schmiere
– Aufseher eines Stockwerks im Gefängnis

Wobei der Rote dem Peter seine komplette Auslös inhaliert
– Spesen (wenn der Gefangene das Gefängnis verlässt) ausgezahlt

Hearst, der ist arg
– Hör' mal, der ist schlimm

Der Professor hat einen Dreier ausgefasst
– Drei Jahre Gefängnis abgesessen

Er fasziniert sein Gürteltier
– Prostituierte am Wiener Gürtel

Stop retour in den Krieg ihn schickt
– In etwas Schlimmes schicken

Doch sind für eine Hetz' wir immer gut
– Gaudi, anstrengender Spass

Meine Textfassung beruht, falls vorhanden, auf den Textbeilagen der offiziellen Veröffentlichungen (Booklet, Inlay, Cover etc.). Allerdings wurden alle Texte abgehört und nach dem gesungenen Wort korrigiert. Bei Songs, bei denen keine Textbeilagen verfügbar sind, basiert meine Fassung ausschließlich auf dem gesungenen Wort bzw. auch auf im Internet kursierenden Versionen. Textpassagen, die im Dialekt gesungen wurden, stehen in gemäßigter Transliteration. Rechtschreibfehler, sowohl deutsche als auch englische, wurden in eklatanten Fällen korrigiert. Die Rechtschreibung beruht teils auf der zur jeweiligen Zeit gültigen (Textbeilagen), teils auf der neuen Rechtschreibung (eigene Abhörungen). Auf Satzzeichen wurde im Allgemeinen verzichtet. Für Verbesserungsvorschläge bin ich dankbar.