Song

Do It Again

Laufzeit

5:15 Minuten

Album

Wiener Blut [1988]

Single-Auskopplung

1988 (USA)

Musik, Text und Produktion

Musik: Walter Becker & Donald Fagen
Text: Walter Becker & Donald Fagen
Produzent: Falco & Mal Luker

Offiziell veröffentlichte Mixes/Edits/Versionen

  • 12“ Remix 8:57 (1988)
  • 7“ Remix/Edit 4:10 (1988) *
  • Dub It Again 7:53 (1988) *

* Digital unveröffentlicht

Über den Song

Die Coverversion des Klassikers der amerikanischen Band Steely Dan entstand 1987 im Rahmen der Arbeiten zu Falcos geplanter LP „Aya“ (die dann, unter anderen Vorzeichen, ein Jahr später als Wiener Blut erschien). Produziert wurde der Song nicht von Mende und DeRouge, mit denen Falco zu diesem Zeitpunkt den Rest des Albums einspielte, sondern von Mal Luker. Zunächst wollte Falco diesen Song selbst produzieren, es wurde aber schnell klar, dass dies nicht zu Falcos Stärken zählte.

Die Idee zu dieser Coverversion stammte von Seymour Stein, der, von Falcos Manager Horst Bork zu möglichen Songideen befragt, dann auch noch eine Coverversion des alten Wienerlieds „Brüderlein Fein“ ins Spiel brachte. Glücklicherweise wurde diese doch etwas seltsame Idee nie verwirklicht. Falco war von der Idee, den Steely Dan-Song von 1972 neu aufzunehmen, recht angetan (Falco: „Die konnten optimal Herz und Hirn in ihrer Musik vereinen“), auch weil er sich hier auf sicherem Terrain befand, schließlich hatte er diese Nummer bereits 1979 mit seiner damaligen Band Spinning Wheel im Live-Repertoire.

Produziert wurde der Track in Hamburg, im Star-Studio wo auch Modern Talking all ihre Songs aufnahmen. Mal Luker saß hinter den Reglern, Luis Rodriguez, Dieter Bohlens Toningenieur, assistierte. Die Einspielung des Songs war 1987 Falcos Lieblingsprojekt – während Giorgio Moroder in L.A. an Body Next To Body und Mende/DeRouge in Frankfurt an den restlichen Songs für das geplante Album „Aya“ arbeiteten, stürzte sich Falco in die Produktion dieser Nummer.

Musikalisch war die Idee, den bereits im Original vorhandenen indischen Flair der Nummer noch zu verstärken. Zu diesem Zweck wurden drei indische Musiker verpflichtet, die mit Sitar, Tabla, Tanpura und Sarod für ebendiesen Touch im Sound sorgen sollten. Horst Bork beschreibt die Aufnahmen der drei Musiker in seinem Buch als magisch, anscheinend wurde die zusätzliche Instrumentierung in einem einzigen Take aufgenommen. Auch Falco soll von den Musikern extrem begeistert gewesen sein, der Beitrag verleiht dem Lied auf alle Fälle mehr Farbe und Atmosphäre.

Nach einem Sitar-Intro beginnt der Beat zunächst sehr verhalten, dann setzt eine Gitarre und danach die Melodie ein. Erst nach rund einer Minute beginnen dann die Drums und verleihen dem Stück Tempo. Falcos Stimme und Gesangsstil stimmt passt gut zum Song, es ist kein klassischer Sprechgesang, aber Falcos Stimme meistert die gesanglichen Hürden wesentlich besser als bei Read A Book oder Walls Of Silence. Nach rund drei Minuten beginnt dann der Teil, in dem die indische Instrumentierung beginnt, zusätzlich setzen Frauenchöre ein. Danach singt wieder Falco bevor sich der Song nach mehr als fünf Minuten dem Ende zuneigt. Es ist eine für Falco doch recht untypische Nummer, aber wie auch bei Falcos Cover von Bob Dylans It’s All Over Now, Baby Blue funktioniert das Ganze irgendwie.

Inhaltlich geht es im Song von Steely Dan kryptisch zu, eine eindeutige Interpretation fällt schwer. Allerdings wird die Nummer oft so gedeutet, dass es um eine Western-Story geht, um einen ewigen Kreislauf aller Dinge, um schlechte Entscheidungen und den Kreislauf, der beginnt, wenn du nicht dazulernst. Ewig wiederholte Niederlagen und darauffolgendes Wiederaufstehen reihen sich aneinander, im Track geht es in allen drei Strophen um Dinge, die sich wiederholen und gegen die man nichts tun kann, um selbstzerstörerisches Verhalten. In dieser Betrachtungsweise dreht sich das Rad, das im Text erwähnt wird („Wheel‘s turning round and round“) immer und immer wieder, es ist ein Glücks- beziehungsweise Unglücksrad. In keinem der Verse im Song gewinnt der Protagonist, er ist ein Verlierer, der sich mit den Vorgängen in seinem Leben zurechtfinden muss, es gibt nichts, was er dagegen tun kann. In der letzten Strophe könnte es um die Grundaussage gehen: wenn du in den Himmel kommst, kannst du dich nicht mehr herauswinden, sondern musst deine Sünden gestehen.

Übrigens: Die Textzeile „Das Rad umschließt der Kreis“ ist natürlich nicht im Original enthalten, sondern wurde von Falco (wie auch schon das „Aber was vorbei ist, ist vorbei“ bei It’s All Over Now, Baby Blue) ergänzt.

In der Presse wurde die Coverversion eher als skurril angesehen, das Q Magazin spricht von einer „bull-in-a-china-shop-rendition“, sieht das Lied aber als einen der Höhepunkte des Albums an. Der Tower Press Music Guide wundert sich über diese „bizzare sequencer-and-sitar rendition“. Stereocom.com hasst den Song: "(Falco) interprets 'there was a famous sitar solo on this song' as an excuse to drown the intro in Shankar-shaming cartoon-hippie bullshit, plays that otherworldly Wurlitzer riff on the most lifeless-sounding MIDI keyboard, and hammers the groove flat under the bootheel of a gated reverb drum trudge. On top of that, whether or not Falco’s groin-first singing delivers the words phonetically, he’s definitely conveying the meaning phonetically. It comes across like he thinks the song’s “you” is a brooding antihero badass instead of a poor schmuck addicted to losing."

In den USA erschien dieser Song doch recht überraschend als 12“ Single mit Remixes von Shep Pettibone. Dieser Produzent war damals einer der angesagtesten am Markt, arbeitete er doch für Madonna, die Pet Shop Boys, Depeche Mode und viele andere Künstler. Die Neuabmischung und Veröffentlichung durch Sire Records war ein durchaus kostenintensiver letzter Versuch, doch noch einen Hit aus dem Album herauszupressen. Zwar war der Release eindeutig auf die Dance Charts abgerichtet, die Verpflichtung von Shep Pettibone und auch der Umstand, dass man für die Single extra ein schickes Cover entwarf (damals wurden viele 12“ einfach in nicht extra designten Covers veröffentlicht) spricht dafür, dass hinter diesem Schritt Seymour Stein stand – der vielleicht mit diesem Song, dessen Aufnahme seine Idee gewesen war, den von ihm unter Vertrag genommenen Falco mit diesem Gewaltakt doch noch in die Charts bringen wollte. Dies misslang jedoch, die 12“ schaffte es in keine Hitparade. Außerhalb der USA wurde die Single nicht veröffentlicht, auch wurde kein Videoclip produziert.

Die Remixes von Shep Pettibone lassen keinen Stein auf dem anderen, vom ursprünglichen Song ist in seinen Mixes nicht mehr viel zu hören. Im fast neun Minuten langen 12“ Remix wird die Nummer von einem harten, für Pettibone typischen Beat getragen, alles ist viel elektronischer, auch eine glockenspielartige Mini-Melodie wird neu eingebaut. Nach rund dreieinhalb Minuten komponierte Pettibone auch noch eine weitere zusätzliche Melodie hinzu, diese macht den Track dunkler und gefährlicher. Vom indischen Touch ist nichts mehr vorhanden, sämtliche Sitar-Elemente fehlen in diesem Mix. Wenn man bedenkt, dass dieser Remix-Job aller Wahrscheinlichkeit keine Herzens- sondern eher eine Auftragsarbeit war, muss man konstatieren, dass dennoch viele Ideen und viel Kreativität in diesen Mix geflossen sind. Der Dub-Mix sowie der kürzere 7“ Edit sind Variationen des langen Hauptmixes. Der Umstand, dass die 12“ lediglich in den USA erschienen ist, machte diese Remixe zu einer Art Geheimtipp, auch weil sie bis 2017 (als der 12“ Remix auf der Premium-Version des Best-Of Falco60 endlich, nach fast 30 Jahren auf CD veröffentlicht wurde) ausschließlich auf dieser Vinylplatte erhältlich waren. Selbst Shep Pettibone schien diese digitale Erstveröffentlichung zu freuen, er erwähnte sie auf seiner Website.

Das Cover der amerikanischen 12“ verwendet das Portraitphoto, das in Europa die Single Wiener Blut geziert hatte. Das Bild wurde jedoch farblich verändert, lediglich die Farben Schwarz, Weiß und Violett wurden verwendet. Dazu wurde noch ein leichter Verschiebungseffekt angewendet. Das Ganze sieht sehr schick aus, auch die Schriftart und -größe wirken elegant. Oben auf dem Cover steht weiters noch „Specially priced Maxi Single“, die Veröffentlichung wurde also wahrscheinlich wirklich als allerletzte Hoffnung auf einen Charterfolg Falcos gesehen und darum auch mit einem verbilligten Preis auf den Markt geworfen. Die Rückseite der Platte ist komplett in Schwarz gehalten,     lediglich ein weiß-violetter Lichtball ist links oben abgebildet, darunter die Credits.

Live hat Falco diese Coverversion nie gespielt.

Die Interpretation des Klassikers von Steely Dan ist eigentlich recht gut gelungen, auch die indische Instrumentierung passen recht gut. Dennoch wirkt Falcos Version irgendwie seltsam und skurril, wie auch It’s All Over Now, Baby Blue auf dem Album Falco 3 bettelt der Song geradezu darum, von Puristen in der Luft zerrissen zu werden. Gut, Purist war Falco nun wirklich nie, aber so richtig zu eigen machen, kann er sich seine Coverversionen auch nicht – das gilt später sicher auch für Geld, dem Lied, das 1990 von Rio Reiser veröffentlicht wurde. Es ist jedoch eine versöhnliche Aufnahme, die ein Album abschließt, das als Falcos schlechtestes zu Lebzeiten veröffentlichtes angesehen werden kann.

Text

In the mornin' you go gunnin'
For the man who stole your water
And you fire till he is done in
But they catch you at the border

And the mourners are all singin'
As they drag you by your feet
But the hangman isn’t hangin'
So they put you on the street
Yeah

You go back, Jack
Do it again
Wheel’s turnin' round and round
You go back, Jack
Do it again

(Back, Jack, do it again
Back, Jack)

When you know she’s no high climber
Then you find your only friend
In a room with your two timer
And you’re sure you’re near the end

Then you love a little wild one
And she brings you only sorrow
All the time you know she’s smilin'
You’ll be on your knees tomorrow
Yeah

You gehst back, Jack
Do it again
Wheel’s turnin' round and round
You gehst back, Jack
Do it again

(Back, Jack, do it again
Back, Jack)

(You go back, Jack
Do it again
Wheel’s turnin' round and round
You go back, Jack
Do it again)

And now your swear and kick and beg us
That you’re not a gamblin' man
Then you find you’re back in Vegas
With a handle in your hand

Your black cards could make you money
So you hide them when you’re able
In the land of milk and honey
You must put them on the table
Yeah

You go back, Jack
Do it again
Das Rad umschließt den Kreis
Und du gehst back, Jack
Do it again

(Back, Jack
Do it again
Back, Jack)
Back, Jack
Do it again
Back, Jack)

Meine Textfassung beruht, falls vorhanden, auf den Textbeilagen der offiziellen Veröffentlichungen (Booklet, Inlay, Cover etc.). Allerdings wurden alle Texte abgehört und nach dem gesungenen Wort korrigiert. Bei Songs, bei denen keine Textbeilagen verfügbar sind, basiert meine Fassung ausschließlich auf dem gesungenen Wort bzw. auch auf im Internet kursierenden Versionen. Textpassagen, die im Dialekt gesungen wurden, stehen in gemäßigter Transliteration. Rechtschreibfehler, sowohl deutsche als auch englische, wurden in eklatanten Fällen korrigiert. Die Rechtschreibung beruht teils auf der zur jeweiligen Zeit gültigen (Textbeilagen), teils auf der neuen Rechtschreibung (eigene Abhörungen). Auf Satzzeichen wurde im Allgemeinen verzichtet. Für Verbesserungsvorschläge bin ich dankbar.