Song

Crime Time

Laufzeit

4:24 Minuten

Album

Emotional [1986]

Musik, Text und Produktion

Musik: Rob & Ferdi Bolland
Text: Falco, Rob & Ferdi Bolland
Produzent: Rob & Ferdi Bolland

Offiziell veröffentlichte Mixes/Edits/Versionen

  • Single Edit 3:28 (1986) *

* Digital unveröffentlicht

Über den Song

Dritte Nummer, dritter Musikstil, diesmal bedienen sich die Bollands aus der Swing-, Jazz- und Stepptanz-Ecke und garnieren sie mit einer herrlich bizarren Inhaltsebene mit Anspielungen auf Ernest Hemingway und diversen Film Noir-Einflüssen. Der Song klingt wie eine 40-Mann-Band im Stil von Count Basie oder Benny Goldman, es ist wohl einer der untypischsten Falco-Songs in seiner gesamten Karriere (wenn man von den seltsamen Techno-Ausflügen zu Ende seiner Karriere mal absieht).

Das Lied beginnt mit Maschinengewehrsalven, bevor dann über den abziehenden Rauch eine tiefe Männerstimme mit „Hello folks, welcome to Crime Time“ die Nummer eröffnet. Dann setzt gewaltig und unerwartet der umwerfende Swing-Sound einer Big Band ein, bevor schließlich Falco mit herrlich schnoddrig-gelangweilter Stimme mit seinem Sprechgesang beginnt. Falco liefert seinen Text in den Strophen mehr als eine Art Vorlesung als eine Gesangseinlage, erst der Refrain mit seinen aufdringlichen Trompeten und Chören versetzt uns wieder zurück in die Welt des klassischen Popsongs. Nach dem zweiten Refrain erklingt kurz ein Gitarrensolo, bevor dann nach einer letzten Strophe erneut ein sehr langes Outro einsetzt, das dann schlussendlich von einem fingerschnippenden und sich im Jive Talking-Modus befindlichen Falco beendet wird.

Falco hat dieses sehr rhythmische Jive-Ende übrigens Jahre später bei einer Lesung in der Schule für Dichtung vorgetragen, eine sehr passende Verbindung. Inhaltlich erzählt uns Falco eine klassische Crime Story im Stile eines Privatdetektivs in LA, er spielt mit Versatzstücken aus diversen Film Noir-Ebenen und auch die klassische Pulp Fiction-Erzählweise (die literarische Gattung, nicht der Tarantino-Film) wird verwendet. Falco inszeniert sich hier als Phil Marlow, spätnachts im Büro seiner Detektivkanzlei, alleine mit einer halbleeren Flasche Whiskey und einem tödlichen Problem (eine fast idente Handlungsebene mit dem damals sehr populären österreichischen Film „Müllers Büro“ übrigens…).

Ohne wirklich durchgehend verständlichen Handlungsfaden erzählt uns Falco eine Gangster-Geschichte, erwähnt dabei diverse Familienmitglieder einer gewissen Hemingway-Familie (so war die im Song erwähnte Gloria Hemingway zum Beispiel das dritte Kind von Ernest Hemingway, wer Bill Hemingway war, ist dagegen ein Rätsel, vielleicht der bekannte amerikanische Gewerkschaftsführer?). Natürlich wirkt der Song aufgrund des für ein Popalbum doch sehr ungewöhnlichen Swing-Sounds irgendwie wie ein Fremdkörper auf dem Album, das Ganze funktioniert jedoch eigentlich sehr gut. Und wenn man bedenkt, dass Künstler wie Robbie Williams („Swing When You’re Winning“, „Swings Both Ways“) und Michael Bublé rund fünfzehn Jahre später damit einen Trend setzten, könnte man Falco mit viel, viel gutem Willen durchaus als Wegbereiter dieser Entwicklung sehen.

Falco führte die Nummer sogar zu Zeiten seiner Emotional-Tournee live auf, wohl auch nur auf dieser Tour, da der Songs aus den beschriebenen Gründen eine große Band notwendig machte.

Auch die Kritiken bei Erscheinen waren durchaus wohlwollend, so schreibt das englische Q Magazin: „A song posing as a Crimewatch TV program in LA, featuring a shootout between two rival loves, sung almost entirely in German to a big band arrangement? Believe me, this man can make it work!“.

Übrigens gibt es von dieser Nummer auch einen kürzeren Single Edit (3:28 Minuten), da er auf der B-Seite der Single Coming Home (Jeanny Part 2, Ein Jahr Danach) verwendet wurde. Die Verwendung als B-Seite dieser Auskopplung war wohl auch nicht die gescheiteste Idee, schließlich kauften Falco-Platten zu dieser Zeit hauptsächlich Teenager und die werden mit dieser ungewöhnlichen Swing-Nummer wohl wenig anzufangen gewusst (und daher wohl auch vom Kauf des dazugehörigen Albums abgesehen) haben. Das Lied ist sicherlich nicht eines der besten Falcos, gleichzeitig aber sicherlich einer der ungewöhnlichsten, interessantesten und witzigsten. Ein Reinhören macht auch heute noch Spaß, auch weil der Song, anders als viele andere Songs dieses Albums, aufgrund der klassischen Swing-Elemente, zeitlos wirkt.

Text

Hello folks
Welcome to crime time

Los Angeles, irgenwann Mittwoch spätabends
Es war einer der vielen Abende an denen hier downtown
Nicht viel vom Glanz des Rodeo Drives übrig geblieben war
Vielmehr schien sich die von der Strapaze des Tages gequälte Luft zu überlegen
Welchem der beiden Männer sie wohl zuerst die Kehle zudrücken sollte
Der eine Mann war Bill A. Hemingway
Seine Freunde nannten ihn Philosopher
Der andere Mann war ich

Oh, oh, oh, crime time
Oh, oh, oh, crime time
Hey, hey, hey, kill to survive
Hey, hey, hey, run for your life
Oh, oh, oh, crime time
Oh, oh, oh, crime time
Hey, hey, hey, bullets and pain
Hey, hey, hey, it's crime time again

Der Philosopher und ich saßen in seinem Appartement
Dicht an den schwarz-weiß bewohnten Blocks nahe der Central Avenue
Es war wenig Außergewöhnliches an Bill Hemmingway
Wenn man von seinen Händen und seinem Lächeln absehen konnte
Seine Hände beschrieben in ihrer Bewegung einen Nachtfalter
Dem der Tag schon viel zu lange schien
Sein Lächeln konnte man fast mögen
Solange man lebend Gelegenheit dazu hatte

Oh, oh, oh, crime time
Oh, oh, oh, crime time
Yeah, yeah, yeah, kill to survive
Yeah, yeah, yeah, run for your life
Oh, oh, oh, crime time
Oh, oh, oh, crime time
Yeah, yeah, yeah, bullets and pain
Yeah, yeah, yeah, it's crime time again

Yeah!

Jetzt lächelte Hemmingway
Denn seine Gloria hatte mich zu ihm geschickt
Um ein sehr privates Problem zu klären
Ich war das private Problem
Und seine 38er Automatik zielte geradewegs auf meinen Solar Plexus

Oh, oh, oh, crime time
Oh, oh, oh, crime time
Yeah, yeah, yeah, kill to survive
Yeah, yeah, yeah, run for your life
Oh, oh, oh, crime time
Oh, oh, oh, crime time

Meine Textfassung beruht, falls vorhanden, auf den Textbeilagen der offiziellen Veröffentlichungen (Booklet, Inlay, Cover etc.). Allerdings wurden alle Texte abgehört und nach dem gesungenen Wort korrigiert. Bei Songs, bei denen keine Textbeilagen verfügbar sind, basiert meine Fassung ausschließlich auf dem gesungenen Wort bzw. auch auf im Internet kursierenden Versionen. Textpassagen, die im Dialekt gesungen wurden, stehen in gemäßigter Transliteration. Rechtschreibfehler, sowohl deutsche als auch englische, wurden in eklatanten Fällen korrigiert. Die Rechtschreibung beruht teils auf der zur jeweiligen Zeit gültigen (Textbeilagen), teils auf der neuen Rechtschreibung (eigene Abhörungen). Auf Satzzeichen wurde im Allgemeinen verzichtet. Für Verbesserungsvorschläge bin ich dankbar.