Song

Ec Ce Machina

Laufzeit

5:34 Minuten

Entstehungszeit und Veröffentlichung

1995 (Entstehung Originalversion, Veröffentlichung auf dem Album "Mediator" von Tom Lang)
1999 (Entstehung neu abgemischte Version, Veröffentlichung auf Verdammt Wir Leben Noch)

Album

Verdammt Wir Leben Noch [1999]

Musik, Text und Produktion

Musik: Thomas Lang
Text: Falco, Thomas Lang
Produzent: Thomas Lang; Thomas Rabitsch & Thomas Lang (1999 Version)

Offiziell veröffentlichte Mixes/Edits/Versionen

  • Ultimative Selected Radio Version 3.59 (1995)
  • New Version 5.31 (1999)

Über den Song

1995 arbeitet Falco mit Thomas Rabitsch, dem Keyboarder, und Thomas Lang, dem Drummer seiner Live-Band zusammen, um Material für sein nächstes Album zu produzieren. Dabei entstanden drei Songs, Verdammt Wir Leben Noch, Die Königin Von Eschnapur und Europa. All diese Nummern wurden erst posthum 1999 auf dem kompilierten Album Verdammt Wir Leben Noch veröffentlicht, da Falcos Plattenfirma zu dessen Lebzeiten wenig von diesen Rabitsch/Lang/Falco-Songs hielt.

Zeitgleich entstand im Rahmen dieses Projekts ein weiterer Song. Dieser war aber nicht für Falcos geplantes neues Album gedacht, sondern für das Solo-Album „Mediator“ von Thomas Lang. Zu Langs Musik steuerte Falco Teile des Textes bei und übernahm den Gesang. Der Track wurde Ende 1995 auf Langs Solowerk veröffentlicht, ungefähr zur gleichen Zeit wurde übrigens auch Falcos Single Mutter Der Mann Mit Dem Koks Ist Da auf den Markt gebracht. Es scheint zum damaligen Zeitpunkt noch nicht ganz klar gewesen sein, in welcher Art das neue Falco-Album Gestalt annehmen sollte: in der Presse wird in einem Artikel über Falcos Techno-Hit auch Folgendes berichtet: „Falco singt auf Thomas Langs Album (einen Song), als Dankeschön, weil Thomas sein neuestes Album produziert, das hoffentlich demnächst auf den Markt kommt“.

Wie auch immer, die Nummer ist eine der besten aus dieser Schaffensperiode von Falco – sie vermeidet die brav-biedere Produktion und doch recht langweilige Rock-Orientierung der drei anderen in dieser Zeit entstandenen Songs und verwendet stattdessen einen zurückgelehnten, entspannten Jazz-Flair. Sie  hat Groove, einen warmen Bass, ist cool elektronisch versetzt und Falco singt hier mit einem ansonsten sehr selten eingesetzten Timbre. Die gegen Schluss sehr prominente weibliche Background-Stimme wird von Sandra Pires gesungen, einer portugiesisch-österreichischen Sängerin, die zu dieser Zeit ihre Solo-Karriere startete.

Der Song startet mit einem entspannten Beat, dann folgen ebenso unaufgeregte kurze Gitarrenriffs. Falcos Stimme legt sich wohlig über den Sound, er klingt wie ein Dandy, ein ’elder statesman‘. Nach der ersten Strophe folgt der verspielte Refrain, hier setzt auch erstmals Sandra Pires Stimme im Hintergrund ein. Die beiden Stimmen harmonieren extrem gut, die helle und die dunkle Stimmfarbe ergänzen sich optimal. Im Mittelteil des Lieds hört man ein Klavier-Solo, es klingt als säße in einer Nachtbar ein Pianist und haue in die Tasten. Dazwischen leitet ein funkiger Gitarrenlick über die einzelnen Songteile. Gegen Ende erklingt auch noch ein flottes Synthie-Riff. Der Track klingt danach ebenso gelassen und lässig aus wie er begonnen hat.

Interessant ist, dass im Booklet zum Album „Mediator“ anno 1995 noch Falco und Thomas Lang als Textautoren angegeben sind, nach Falcos Tod, bei der Verwendung der Nummer auf dem kompilierten Album Verdammt Wir Leben Noch ist dann nur noch Falcos Schlagzeuger als Texter angegeben. Wenn man bedenkt, dass im Buch Privacy Falco, das ja Auszüge aus Falcos Textheften abdruckt, eine Stelle zu finden ist, an der Falco die Worte „I know what it means to be a machine“ geschrieben hat, dann ist es schwer zu glauben, dass er hier nicht zumindest diese Zeile zu den Lyrics beigetragen hat.

Der Titel spielt einerseits mit dem Bibelzitat „Ecce Home“ („Siehe, der Mensch“, der Ausspruch von Pontius Pilatus bei der Vorstellung des Gefangenen Jesus von Nazareth), andererseits mit dem Begriff „Deus ex machina“ („Gott aus der Maschine“, ursprünglich die Bezeichnung für das Auftauchen einer Gottheit im griechischen Theater mit Hilfe einer Bühnenmaschinerie; heute wird der Begriff für plötzlich, unmotiviert eintretende Ereignisse oder Personen verwendet).

Um was es inhaltlich in dem Song geht, ist schwierig auszumachen: Es scheint einerseits um die Folgen einer wilden Party zu gehen („I’ve been here through the night and I can smell a new dawn coming“, „I’ve gathered the ash from last night’s cigarettes and washed them down with stale champagne“), andererseits aber auch um eine mystische Schöpfer/Kreatur-Konstellation („I bet you thought you had me all figured out, just because you made me, I know what it means to be a machine“, „You with your empty arrogance, you’re something I must break“.)

Anknüpfend an diesen Gedanken, könnte man natürlich auch überlegen, ob diese Textzeilen nicht auch auf die Kunstfigur Falco und ihren Schöpfer ausweitbar sind. Schließlich gibt es viele Interviews von Falco über die Herausforderungen eine solche Bühnenfigur, so ein Alter Ego, diese Kunst-Persona ohne persönlich-psychologische Nachteile und Konsequenzen darzustellen. Diese Mensch-Maschine-Idee greift auch Ewa Mazierska in ihrem Buch auf, münzt sie aber nicht auf Falco, sondern auf Thomas Lang: „The song, written by Falco and Thomas Lang, the drum player in his band, for Lang’s record „Mediator“ (1995), can be seen as an ironic comment on Lang’s relation to his instrument because some critics regard him as such a precise drummer that he is more drumming machine than man. Its theme is the similarity between man and machine, as explored in Data De Groove, the crucial term, the „temple of code“, would perfectly suit Falco’s earlier album“.

Über den Song selbst merkt sie an: „Falco tried a relaxed, jazzy singing in a new timbre of his voice“. Markus Spiegel lobt die Nummer im Booklet zum kompilierten Album Verdammt Wir Leben Noch in höchsten Tönen: „(Der Song) ist ein neuer stilistischer Ansatz Falcos, der besonders gut gelungen ist“.

Obwohl auf dem Album „Mediator“ auch eine ’Ultimative Selected Radio Version‘ enthalten ist, wurde der Song nie als Single ausgekoppelt. Es war wohl gedacht, es durch diesen kürzeren Edit Radiostationen zu ermöglichen, den Track bei Interesse ins Airplay zu nehmen. Dies ist jedoch nicht passiert, auch weil Falco zeitnah mit Mutter Der Mann Mit Dem Koks Ist Da eine weitere, deutlich kommerziellere Nummer veröffentlicht hat. Die Originalversion auf dem Tom-Lang-Album läuft unter ’Extended Version‘ und hat eine Laufzeit von rund fünfeinhalb Minuten.

1999 wurde von Thomas Rabitsch und Thomas Lang für die Inkludierung des Songs auf dem kompilierten Album Verdammt Wir Leben Noch eine Neuabmischung vorgenommen. Für diesen Remix wurde ein starker Echo-Effekt auf die Instrumentierung gelegt und Sandra Pires‘ Background-Stimme in den Hintergrund gemischt. Das macht die Nummer elektronischer, stiehlt ihr aber auch etwas von der Wärme und dem Groove des Originals. Diese neue Version verändert übrigens auch den Titelnamen, aus „Ec Ce Machina“ wurde nun „Ecce Machina“. Im Booklet wird auch vermerkt, dass es sich hier um eine Neuabmischung „des Titels „Machine“ aus dem Jahr 1995, welche Falco mit seinem favorisiertem Schlagzeuger Thomas Lang produzierte, handelt“. Nun hieß der Track aber nie „Machine“, keine Ahnung, was mit dieser bewussten Falschinfo bewirkt werden sollte.

Der Song ist einer meiner Lieblingsnummern von Falco. Er ist cool und funky, gleichzeitig gefällt mir die Klangfarbe von Falcos Stimme sehr gut, er scheint hier David Bowie in einigen von dessen 80er-Jahre-Titel zu kopieren. Auch die Lyrics sind interessant, durch die Assoziationen mit biblischen und antiken Begriffen erscheinen sowohl Titel als auch Lyrics kunstvoll und originell. Was wäre wohl gewesen, wenn dieses Lied und nicht das fast zeitgleich veröffentlichte Mutter, Der Mann Mit Dem Koks Ist Da auf große Resonanz sowohl bei den Medien als auch bei den Fans gestoßen wäre? Sicher, Falcos Techno-Single war bewusst auf Erfolg konzipiert, aber bei diesem Song spürt man deutlich Falcos eigentliche musikalische Vorlieben. 2017 wurde die Originalversion diese Nummer auf die Bonus-CD des Best-Of Falco 60 gegeben und so erstmals einer breiteren Hörerschicht nähergebracht.

Text

I’ve been here through the night
And I can smell the new dawn coming
The elders of the solid state
It would be easy
Could be fate

You!
With your empty arrogance
You’re something I must break
Your history’s will to serve
You’re the one to take
Because I’ve gathered

I’ve gathered the ash from last night’s cigarettes
And washed them down with stale champagne
I washed them down with stale with stale champagne
I’ve gathered the ash from last night’s cigarettes
And washed them down with stale champagne
That’s what I did, I washed them down with stale champagne
You!
(You!)
Ec ce machina

I bet you didn’t think I had it in me
I bet you thought
You had me all figured out
Just because you made me
I know what it means to be a machine

I know what it means to be a machine
On my knees in the temple of code
On my knees in the temple of code
I know what it means to be a machine
A machine
On my knees in the temple of code
On my knees in the temple of code
I know what it means to be a machine
On my knees in the temple of code
I know what it means to be a machine
On my knees in the temple of code
A machine

Ec ce machina
Ec ce machina

I know what it means to be a machine
To be a machine
A machine
Ec ce machina

I’ve gathered the ash from last night’s cigarettes
And washed them down with stale champagne
I washed them down with stale champagne

I’ve gathered the ash from last night’s cigarettes
And washed them down with stale champagne
Yeah

I know what it means to be a machine
On my knees in the temple of code
I know what it means to be a machine
On my knees in the temple of code

A machine

I know what it means to be a machine
On my knees in the temple of code
I know what it means to be a machine
On my knees in the temple of code

I know what it means

I know what it means to be a machine
On my knees in the temple of code
I know what it means to be a machine
On my knees in the temple of code

Ec ce machina

Zusätzlich verwendete Textbausteine in alternativen Mixes/Edits/Versionen

New Version:

Hit it, Tom

Go!

Meine Textfassung beruht, falls vorhanden, auf den Textbeilagen der offiziellen Veröffentlichungen (Booklet, Inlay, Cover etc.). Allerdings wurden alle Texte abgehört und nach dem gesungenen Wort korrigiert. Bei Songs, bei denen keine Textbeilagen verfügbar sind, basiert meine Fassung ausschließlich auf dem gesungenen Wort bzw. auch auf im Internet kursierenden Versionen. Textpassagen, die im Dialekt gesungen wurden, stehen in gemäßigter Transliteration. Rechtschreibfehler, sowohl deutsche als auch englische, wurden in eklatanten Fällen korrigiert. Die Rechtschreibung beruht teils auf der zur jeweiligen Zeit gültigen (Textbeilagen), teils auf der neuen Rechtschreibung (eigene Abhörungen). Auf Satzzeichen wurde im Allgemeinen verzichtet. Für Verbesserungsvorschläge bin ich dankbar.