Song

Mutter, Der Mann Mit Dem Koks Ist Da

Laufzeit

3:38 Minuten

Album

Out Of The Dark (Into The Light) [1998]

Single-Auskopplung

Februar 1995
Charts: #3 AUT, #11 GER, #30 SUI

Musik, Text und Produktion

Musik: Peter Hoffmann, Edgar Höfler
Text: Falco, Peter Hoffmann, Edgar Höfler, Franz Plasa
Produzent: Zebulon (Peter Hoffmann, Edgar Höfler, Franz Plasa)

Offiziell veröffentlichte Mixes/Edits/Versionen

  • Mother’s Favourite 5:45 (1995)
  • Long Line Mix 6:17 (1995)
  • Cinerama Mix 5:50 (1995)
  • TB Line Mix (Club Mix) 7:13 (1995)
  • B.I.O.S. Rave Attack 5:09 (1996)
  • Brain Energy Remix 8:13 (1996)
  • T-MAster Edit 4:14 (1996)
  • T-MAtic Edit 3:56 (1996)

Über den Song

1995 stand Falco vor einer großen Frage: wie sollte es weitergehen mit seiner Karriere? Nach dem Album Nachtflug, das 1992 herausgekommen war, hatte Falco schließlich 1994/1995 mit Mitgliedern seiner Live-Band (Thomas Rabitsch, Thomas Lang) Demos für neue Songs produziert (Verdammt Wir Leben Noch, Die Königin von Eschnapur, Europa), diese fanden bei Falcos Plattenfirma EMI jedoch kein Gefallen.

Vor diesem Hintergrund war Falco einem Gedanken, der an ihn durch den deutschen Musikproduzenten George Glück herangetragen wurde, nicht zwangsläufig abgeneigt. Dieser hatte die Idee, einen alten Song aus dem Berlin der Zwischenkriegszeit neu aufzunehmen, jedoch im damals (bereits ohnehin nicht mehr so) angesagten Techno-Sound. Falco meinte in einem Interview zur Entstehungsgeschichte der Nummer Folgendes: „Der Song ist zu mir gekommen und der George Glueck hat gemeint: „Was hältst du von Techno? Wenn einer das in der deutschen Sprache machen kann, dann bin ich das. Meines Wissens nach ist das ein Gassenhauer, der aus der Zwischenkriegszeit, Berlin, stammt und damit aus einer Zeit kommt, in der so Sachen wie „Was machst du mit dem Knie, lieber Hans?“, „Warum ist die Banane krumm?“ oder „Wer hat den Käse zum Bahnhof gerollt“ gemacht wurden. Ist doch toll, oder? Deutsches Liedgut!“.

Falco geht auch mehr als ehrlich auf die wahren Beweggründe für die Aufnahme dieser Nummer ein: „Das Lied ist eine Reißbrettnummer und so konzipiert, dass es auf VIVA und in den Discos läuft. Es hat wunderbar großen Spaß gemacht. Mir fehlte in den letzten Jahren der populäre Erfolg und auf den war es angelegt. Der Song ist kalkulierte Provokation. Wie weit kann ich gehen und trotzdem durchkommen? Ich spiele mit offenen Karten. Ich will provozieren. Natürlich ist ein gewisses Kalkül dabei und sicherlich ist es so, dass gerade dieser Titel mehr ein Ergebnis von Analyse und System ist als ein Musenkuss. Man wird mir nicht böse sein, wenn ich es jetzt besser weiß als vor zehn Jahren. Es ist eine plakative, nonkonformistische Provokation“. Selbstironisch vermerkt er dann noch am Schluss des Interviews, dass (die Single) „spekulativ, haarsträubend, ganz einfach fürchterlich“ sei.

In einem Interview auf dem Musikfernsehsender VIVA merkt er (nachdem er vorher Videoclips seiner aktuellen Lieblingskünstler, unter anderem David Bowie, Roxy Music, den Pretenders und auch Ideal und Selig anmoderiert hat) an, dass er nachvollziehen kann, wenn die Leute vor den Bildschirmen nach dem Abspielen des Videos zu seiner eigenen, neuen Single am Ende der Sendung nun sagen „Oje, oje, das hat uns wesentlich besser gefallen, was du vorher gespielt hast. Ich muss euch ehrlich sagen, ich versteh euch irgendwie. Nur, mein Gott, was tut man nicht alles, um die Kinder zu versorgen und so. Was mir gefehlt hat in den letzten Jahren (…) war der populäre Erfolg. Ich habe getan, was ich tun musste. Ich habe eine Nummer entworfen, zusammen mit einem großen Team. Wir haben lang genug Zeit gehabt uns das zu überlegen. Wir haben überlegt: wie gehen wir es promotionmäßig an? Wie gehen wir es marketingmäßig an? Das ist gemacht für VIVA, für einen ganz speziellen Markt. Es ist nicht das letzte Wort, das ihr von Falco hören werdet“.

Horst Bork schreibt in seinem Buch Folgendes über die Entstehungsgeschichte: laut ihm war der ausschlaggebende Gedanke dafür, dass Falco diesen Song im für ihn ungewohnten Techno-Sound aufnahm, dass „Falco nicht so recht wusste, was er machen soll, also sprang er mal kurz auf den Techno-Zug auf. So ganz konnte ich nicht begreifen, warum Falco sich jetzt auf so etwas einließ, wo ihm doch (Jahre zuvor; Anmerkung) Rock Me Amadeus anfangs zu platt gewesen war, zu einfach, zu eindeutig. Aber in Zeiten großer kommerzieller Not springt man leicht über den eigenen Schatten, ist flexibler gegenüber Argumenten seiner vertraglichen Umwelt. Der Refrain des Songs war schon ein Gassenhauer in den Zwanzigern gewesen und spielte offensiv mit Falcos Vorliebe für Kokain. Musikalisch war Falco in der Sektion Techno angekommen, als ewiger Grenzgänger konnte er sich damit arrangierten“.

Nachdem Falco also diesem, seine musikalische und auch textliche Ausrichtung grundlegend und tiefgreifend verändernden, Projekt zugestimmt hatte, ergaben sich jedoch noch einige juristische Probleme: einerseits wollte George Glueck den Song auf seinem Label SingSing veröffentlichen und über BMG vertreiben. Falco war jedoch vertraglich an den Konkurrenten EMI gebunden. Andererseits war sich Falco wahrscheinlich auch nicht so sicher, ob er mit seinem etablierten Künstlernamen einen so gravierenden musikalischen Richtungsschwenk machen wollte. Für all diese Herausforderungen wurde bei einem Treffen auf der Musikmesse Popkomm in Köln eine Lösung gefunden (wenngleich ohne Falco selbst, der zog es laut Horst Bork vor, betrunken den Flug zu verschlafen): so lieh die EMI ihren Künstler für dieses Projekt an SingSing/BMG aus, gleichzeitig sollte die Single unter dem Pseudonym T-MA erscheinen, Falco jedoch im Videoclip auftreten und auch Interviews und Promo-Termine für den Titel machen.

Es gibt eine offizielle, eine inoffizielle und einige humoristisch angehauchte Erklärungen für die Bedeutung des Alias T-MA. Falco hat in vielen Interviews 1996 betont, die Abkürzung wurde von George Glueck erfunden und stehe für das Wort „Thema“, denn „wer sonst sollte etwas zu diesem Thema machen, wenn nicht ich?“. Demgegenüber gibt es einen Artikel aus dem Magazin Wiener im Winter 1995, in dem Falco erklärt, die Abkürzung „ist ein lizensiertes Synonym der Falco Corporation und erklärt die Welt: Too Many Assholes“. Ich kann mir gut vorstellen, dass diese doch deutlich provokantere Abkürzung Falcos Erfindung war, nachdem er von der Idee von George Glück hörte. Es ist schwer abzuleugnen, dass Falco zum damaligen Zeitpunkt in einer Stimmung war, in der ihm dieses Kürzel durchaus in den Sinn gekommen sein könnte. Aber selbstverständlich ist die Übersetzung mit „Thema“ medienfreundlicher und weniger vulgär. Falcos Asshole-Akronym würde jedoch in schöner Tradition vieler in der Popmusik in diese Richtung existierender Titel stehen, spontan kommt einem da Jarvis Cockers „Cunts Are Still Running The World“ in den Sinn.

Natürlich kamen auch von Seiten der Presse sarkastisch-boshafte Vorschläge, was denn T-MA heißen könnte. So wurden „Troubadour mit Alterserscheinungen“ und auch „Technisch-medizinischer Assistent“ humoristisch ins Gespräch gebracht. Auch Falco selbst hat diese nicht ernst gemeinten Erklärungen gern unter der Flagge der Selbstironie in Interviews erwähnt.

Falco war klar, dass dieses Versteckspiel hinter einem anderen Namen „ein schwaches Sicherheitsnetz“ sein würde, „es wüsste ja doch jeder, wer dahintersteckt, weil das wäre zwar nicht an die breite Öffentlichkeit gekommen, aber jede Medienperson (…) hätte gewusst, dass ich das bin“. Für Falco war es „eine Irreführung des Patienten, ein Ausflug, ein Projekt, ähnlich wie bei Prince (der sich ja damals „The Artist Formerly Known As Prince“ nannte; Anmerkung), die Kids kennen mich eh nur als Pop-Ikone aus einem anderen Jahrhundert“. Zum damaligen Zeitpunkt überlegte Falco auch eine alternative Namensgebung über diesen Release hinaus: „Ich bin jetzt nicht sicher, ob das Album jetzt unter T-MA erscheinen wird, oder Falco oder Falco featuring T-MA oder T-MA featuring Falco. Die Kunstfigur Falco pausiert, man hat so seine Neigungen. Fortsetzung möglich, alles ist offen und spannend ungewiss. Warum so vordergründig? Ich finde nichts langweiliger als diese ganz normalen Mechanismen, so zu spielen wie hundertausendmal zuvor auch schon. Ich glaube, dass veränderte Zeiten veränderte Stilmittel erfordern. Und eines davon ist, die Dinge eher anzugehen ohne vorher groß und viel darüber zu reden. Ich bin halt ein Spaßvogel“. Auch der Umstand, dass laut Falco selbst „auf einer neuen Falco-Single unglaublich viel Druck liegt“ war ein Grund es nicht unter seinem eigentlichen Künstlernamen zu veröffentlichen.

Übrigens: sowohl die vertragsrechtlichen Gründe als auch die Überlegungen, die Marke Falco durch die durchaus riskante Veröffentlichung einer Techno-Single nicht zu beschädigen, waren dann nach dem Erfolg des Songs wie weggeblasen, in der zweiten Auflage der Single stand dann „T-MA a.k.a. Falco“ als Künstlername auf dem Cover – ein erster Versuch den Switch zurück zur etablierten Falco-Marke auf den Weg zu bringen (gegen einen Hit ihres Künstlers, wenngleich auf einem Release eines konkurrierenden Plattenfirma hatte natürlich jetzt auch die EMI nichts mehr).

Ewa Mazierska findet in ihrem Buch Falco And Beyond noch einen weiteren Grund für die Namensänderung: „For this song Falco adapted a new alter ego: T-MA. (…) Giving himself a new name reflected his (or his advisors‘) conviction that for Falco to exist in the 1990s, he had to cease to be Falco; it was better for him to start from scratch than with negative cultural capital. Such a move also reflected the fact that techno discourages talk of auteurs and is rife with musicians who are continually changing their names“.

Laut Falco wurde der Song im August 1995 aufgenommen, das Video im November gedreht und die Single dann erst im Februar 1996 veröffentlicht. Produziert wurde die Nummer von Peter Hofmann, Edgar Höfler und Franz Plasa, ganz im Sinne des großen Versteckspiels bei diesem Projekt firmierten auch diese Mitwirkenden jedoch nicht unter ihren realen Namen, sondern unter dem Decknamen Zebulon. Die weiblichen Stimmen beim Refrain übernahmen Inga und Annette Humpe, die Verbindung zu diesen Ikonen der Neuen Deutschen Welle bestand durch George Glueck, der bereits mehrmals mit den beiden Schwestern zusammengearbeitet hatte. Als Komponisten werden Edgar Höfler und Peter Hoffmann angegeben, beide haben wenig erwähnenswerte musikalische Lebensläufe. Da es sich bei dem Song um eine Coverversion eines Liedes aus den Berliner 1920er beziehungsweise 1930er Jahren handelt, dürfte ihre Autorenschaft lediglich auf die Musik exklusive des Refrains zu beziehen sein. An dieser Stelle eine Anmerkung zum Originallied: dieses stammt aus einer Zeit, als noch Kohlehändler die ofenbeheizten Haushalte einzeln gegen Barzahlung belieferten. Die Melodie des Lieds wurde dabei dem Walzer „Heiraten, das ist schön“ aus der Operette „Gasparone“ von Carl Millöcker von 1884 entnommen (da das Urheberrecht nach gültigem Gesetz 70 Jahre nach dem Tod des Autors ausläuft, wurde der Name des österreichischen Komponisten nicht in den Credits von Falcos Neuversion aufgeführt).

Produziert wurde der Song wie oben bereits erwähnt im damals angesagten Techno-Sound, es ist jedoch anzumerken, dass Falcos neues musikalisches Outfit bereits bei der Aufnahme nicht mehr wirklich angesagt war, bereits 1992 wurde beispielsweise bei einer von Falcos eigenen Titeln, der Single Titanic, ein ‚Dance Til You Drop Techno Mix‘ und ein ‚Depp Tekno Tranz Mix‘ angefertigt. Falco sprang hier also auf einen Trend auf, der eigentlich schon vorbei war. Aber natürlich waren die Nachwirkungen dieses neuen Musikstils nach wie vor spürbar und viele Künstler, die auf diese „Happy Hardcore“-Richtung setzten (wie zum Beispiel Blümchen, Scooter und sogar die Schlümpfe) feierten damit zum Zeitpunkt der Falco-Veröffentlichung große Erfolge. Das auch deswegen, weil der erst kurz zuvor (1993) in Deutschland gegründete Musikkanal VIVA stark auf deutsche Inhalte setzte und daher auch das notwendige Airplay gegeben war.

Bei der Veröffentlichung der Single ging Falco sehr offensiv mit Fragen nach seiner musikalischen Neuorientierung um, sein Motto schien „Angriff ist die beste Verteidigung“ zu sein: „Natürlich ist Techno nicht meine Musik. Der Techno hat angeklopft und gefragt „Darf ich bei dir reinkommen?“. Für mich ist das nur ein Transportmittel. Als einer der Protagonisten der neuen deutschsprachigen Popmusik nehme ich mir das Recht, 160 Beats pro Minute zu verwenden, der Rest ist ja ein Kinderliedchor und ein böser Erzähler. Der Onkel Hansi erzählt uns etwas. Woher ich weiß, was Techno ist? Ich war letzten Sommer in einer Disco am Wörthersee. Love Parade – was ist das? Mein Berührungspunkt (mit dieser Musikrichtung; Anmerkung) ist, dass es eine Jugendbewegung ist, die unangepasst ist. Es geht um den Beat, es geht darum, dass die Leute dazu tanzen und das ist es eigentlich schon. Und dass man sich im Zeitalter von MTV und VIVA natürlich etwas ganz Besonderes ausdenken muss, ist doch klar. Ist doch lustig!“.

Gleichzeitig versucht Falco auch eine Verbindung zu seinen bisherigen Songs und Themen herzustellen: „Wer Techno versteht als momentane, temporären Musikgeschmack versteht, der hat leider nichts verstanden. Denn Techno ist die originäre Jugendkultur der 90er Jahre. So wie es zuvor schon Punk oder New Wave war, da wo ich herkomme. Subversiv in ihren Ansätzen, sie waren ein Randschichtthema, unangepasst und das verbindet mich damit. Denn unangepasst werde ich auch im Jahr 2020 noch sein. 1981 hat es Der Kommissar gegeben und der hat im Prinzip von denselben Dingen gesprochen.“

Der Song beginnt mit einer aufgeregten, dem Klang eines Glockenspiels nachempfundenen Melodie, nach ersten elektronischen Tönen und Samples setzt dann Falcos Stimme („Mutter“, „der Mann mit dem Koks, „Kohle“) und gleichzeitig der Techno-Beat ein. Sowohl die Melodienführung als auch das Tempo werden konstant wilder und schneller, erst mit dem Einsetzen der Strophe gelangt die Nummer wieder in musikalisch ruhigere Fahrwasser. Ohrwurmcharakter erlangt der Titel dann mit dem Einsetzen des Refrains: dieser war schon im Original aus der Zwischenkriegszeit sehr einprägsam, in Falcos Version wurden die letzten unruhigen Kanten weggeschliffen – mit dem Effekt, dass man, wenn man den Song einmal gehört hat, ihn auch nie wieder vergisst. Wenn Falco von einem am Reißbrett entworfenen Track gesprochen hat und davon, dass er wieder populär und kommerziell erfolgreich sein möchte, dann hat er wohl gewusst, dass dieser Refrain ihn sehr nah an dieses Ziel bringen würde. Ein unverschämt direkt und simpel gemachter Hit, den man in seiner Unkompliziertheit zumindest nicht jeden Charme absprechen kann. Danach folgt die zweite Strophe, mit einem Mittelteil hält man sich, im Sinne der oben beschriebenen Zielsetzung, eine maßgeschneiderte Hit-Nummer produzieren zu wollen, gar nicht erst auf, der Rest der Nummer wird der extrem leicht im Gedächtnis haftenbleibende Refrain wiederholt.

Dieser extrem eingängige und kommerzielle Refrain (der ganz ohne Falcos stimmlichen Beitrag auskommt), sangen die Geschwister Inga und Annette Humpe, beide Ikonen der Neuen Deutschen Welle. Die beiden Schwestern veröffentlichten nicht nur unter Humpe & Humpe einige Platten gemeinsam: Annette war darüber hinaus Mitglied der Bands Ideal und später Ich+Ich, Inga war mit ihrer Band 2Raumwohnung überaus erfolgreich. Es gibt übrigens auch eine Verbindung der zwei mit GIG Records, dem Plattenlabel des Falco-Entdeckers Markus Spiegel – für dieses wirkten beide Humpes an der Produktion des Hits „Codo (…düse im Sauseschritt)“ der deutsch-österreichischen Gruppe DÖF mit. Falco meinte zu seiner Zusammenarbeit mit den beiden Berlinerinnen im Rahmen seiner Single: „Ich habe zwei Monate gebraucht, bis ich gewusst habe, dass den Refrain nur die Humpes machen können“. Gerüchteweise haben die beiden Musikerinnen auch gemeinsam mit Falco und den Produzenten das Arrangement dieses Refrains erarbeitet.

Die neuen Lyrics (der Text des Refrains wurde fast wortgleich aus der Originalversion übernommen)  wurden von den Produzenten Peter Hoffmann, Edgar Höfler, Franz Plasa und Falco geschrieben. Im Sinne der Namensverschleierung bei dieser Veröffentlichung benutzt Falco hier das Pseudonym „White Duke“, was natürlich eine Referenz auf David Bowie darstellt, dieser wollte sein Album „Station To Station“ ursprünglich „The Return Of The Thin White Duke“ nennen, die Zeit von 1976 bis 1977 gilt daher als die „Thin White Duke“-Phase des britischen Ausnahmekünstlers. Warum Falco diesen weiteren Alias gewählt hat und nicht auch hier T-MA als Maske benutzt hat, ist unklar. Übrigens: den gleichen Decknamen verwendet Falco auch bei der Nummer Naked (bei der er ja auch ein ähnliches Mysterienspiel veranstaltet wird, indem bei dieser Veröffentlichung das Kryptonym T-MB ins Spiel kommt… ein bisschen viel Wind um Wenig).

Apropos: In einem Interview deutete der österreichische Underground-Künstler Ronnie Rocket an, dass auch er in das Verfassen des Textes involviert war. So meinte er, dass er 1995 mit Falco nicht nur den Song Sexuality geschrieben, sondern auch mitgeholfen hat, die Lyrics für Falcos Techno-Titel fertigzustellen. Dies soll bei einem Treffen, gemeinsam mit den beiden Humpe-Schwestern, in Falcos Haus in Gars am Kamp passiert sein, Rocket behauptet, dafür die Pauschalsumme von 10.000 Schilling bekommen zu haben.

Wie dem auch sei, der Text geht natürlich weniger auf die ursprüngliche Thematik der Kohlelieferung ein, sondern fügt eine neue, zeitgemäße  Bedeutungsebene ein, nämlich die, dass mit Koks natürlich mittlerweile auch etwas ganz anderes gemeint sein kann: Kokain. Dabei gehen die Lyrics auch noch weiter, und nutzt die Vieldeutigkeit des Wortes „Koks“ – dieses ist ja ein Synonym für das Wort „Kohle“ und dieses kann sowohl für ein Heizmittel, als auch für die Droge Kokain als auch umgangssprachlich für Geld stehen. Diese Dreifachbedeutung nutzt Falco um in einer Zeile das Dealen zu implizieren („…und aus Koks wird wieder Kohle“), diese Konklusion spricht Falco auch selbst in einem Interview an und natürlich wollte er damit provozieren und mediales Aufsehen erregen.

Während zu Beginn des Textes noch irreführenderweise auf Prozesse des Bergbaus eingegangen werden („Es wurde einst das schwarze Gold der Ruhr genannt“, „in einem besonderen chemischen Verfahren verflüchtigten sich aus dem Urstoff die Gase, aus Kohle wurde Koks“), verweist Falco relativ schnell auf zweideutige und fehlzuinterpretierende Sinnebenen („Es spendete Wärme, Behaglichkeit und Energie“). Natürlich lassen sich diese Begriffe sowohl auf das Heizmittel als auch auf die Droge anwenden, eine erste kleine Skandalisierung. Erst in der zweiten Strophe wird der Text dann endgültig eindeutig zweideutig: „Das schwarze Gold ist weiß geworden“. Neben der Zeile mit dem Verweis auf den Drogenhandel („Aus Koks wird wieder Kohle“) werden dann auch noch die Wörter Wärme, Behaglichkeit und Energie in diesem Drogen-Zusammenhang wiederholt. Eine weitere Interpretationsebene lässt dann der Refrain zu, auch bereits in der Original-Operetten-Version, denn natürlich liegt die Frage nahe, womit Frauen in der Zwischenkrieg ihre Schuld beim Kohlehändler bezahlt haben, wenn sie über keine finanziellen Mittel verfügten. Dieser latent sexuelle Hintergrund der Lyrics („Ich hab kein Geld und du hast kein Geld“, „Mann mit dem Koks“) wird vor allem im Videoclip noch fokussierter ins Blickfeld gerückt.

Falco hat in Interviews natürlich mit der Vieldeutigkeit des Textes gespielt, so meinte er zum Inhalt der Nummer, dass es sich um einen Song „über den internationalen Bergbau“ handelt, auch um „Umweltschutz und Energieverschwendung“ sollte es gehen. Da aber die Medien nicht auf diese Provokation hereinfielen und Falcos Skandalisierungsversuch diesmal durchschauten und eher auf die (mehr oder weniger) lustige humoristische beziehungsweise auf die zu offensichtlich-plumpe Ebene eingingen, war Falco beinahe schon enttäuscht über das fehlende Echo: „Ich habe schärfere Reaktionen erwartet. Aber so blöd, um gegen die Nummer anzugehen, sind weder Bundeskriminalamt noch Kirche. Denen sitzt immer noch die Blamage um Jeanny in den Knochen. Ich habe auf heftigere Reaktionen gehofft, irgendwie enttäuscht mich das Desinteresse“.

Auf die Frage, ob es sich um Werbung für Drogen handelt, entgegnete Falco: „Nein, so sehe ich das überhaupt nicht. Mit dem Thema Koks werde ich seit Ganz Wien in Verbindung gebracht. Die Zuhörer sind intelligent genug, wegen meines Liedes nicht gleich zum nächsten Dealer zu rennen. Es ist doch unmöglich zu sagen, dass Drogen was Gutes sind. Du sprichst haargenau mit dem Richtigen. Ich habe nichts ausgelassen und stehe zu allem. Aber es hat mich nur viel Kraft gekostet und aufgehalten“.

Ewa Mazierska geht in ihrem Buch ebenfalls auf diese Vieldeutigkeit des Textes ein, geht aber auch auf die Bedeutung von Drogen in Falcos Leben und Werk ein: „The idea that drugs are a common denominatior of society is put forward in the (song and also in the) video. Its story is set in the period of the economic crisis of the 1930s and ostensibly concerns the working-class milieu of a poor mother with many children, who has no money to pay for coal needed to heat her house. However, by word play and visual means, Falco makes clear that what the poor mother is missing is not really coal but cocaine. The proletarian for Falco thus becomes a metaphor of a junkie who can belong to any class. Unlike the reader of Timothy Leary, who gets a sense of the unique quality of drugs, the listener of Falco, like the reader of Irvine Welsh, sees drugs in their quantity, their mass, their ordinariness, their exchange value. This impression is encouraged in the video, where the dealer brings a whole sack of „Koks“ – cocaine. Falco pictures a closed circuit where „Koks“ (Cocaine) and „Kohle“ (Money) are interchangeable, bringing all the goods one needs for living: „warmth, comfort, energy“ (…). Ultimately, what is scandalous in Falco’s take on drugs is that he sees nothing scandalous about them“.

Wie bereits erwähnt, ging der Versuch, mit diesem Song einen medialen Skandal auszulösen, schief, die meisten Kritiken richteten sich in erster Linie auf den für Falco untypischen, billigen Techno-Sound sowie auf die in der Meinung vieler Journalisten zu plumpen Texte. So schreibt das Magazin News über „Falcos seltsamen Comeback-Versuch“, bei dem er „versucht, auf den aktuellen Zeitgeistzug aufzuspringen“ und dabei „auf den Spuren der (deutschen Blödelband; Anmerkung) Die Doofen wandert“. Auch Bogdan Roscic, der Chef von Ö3, Österreichs größter Radiostation, war mäßig beeindruckt: „Ich habe schon Originelleres vom ihm gehört“. Das Musikmagazin Rolling Stone ortete 1996 ein „unorthodoxes Comeback, das augenzwinkernd seine früheren privaten Obsessionen thematisiert“, die Salzburger Nachrichten sprechen 1998 von einem „Tanzcafetauglichem Eurodance-Hadern“ (das gleiche Prädikat hängen sie auch Naked um). Das Profil diagnostizierte 2007 einen „Falco, der schon lang nicht mehr ‚state of the art‘ war“ und beschreibt die Nummer als „Mittelneunziger-Großraum-Discosound“ mit der Falco „per Bauchfleck im Skihüttenland“ landete. 2012, bei der Wiederveröffentlichung des Albums Out Of The Dark (Into The Light) schreibt der Rolling Stone von „einer unwitzigen Blödelnummer“. Ewa Mazierska sieht in einem Interview sowohl gute als auch schlechte Seiten an dem Song: „Catchy, funny to a certain degree, I hate the musical style and after a few minutes the joke wears a bit thin. I love the female voices by Humpe & Humpe though“.

Der Titel wurde im Februar 1996 als Single ausgekoppelt. Zum  damaligen Zeitpunkt war es noch unklar, ob der Song auf das nächste Falco-Album kommt, bei der Veröffentlichung war er ja mehr als Projekt unter einem Pseudonym geplant. Die Nummer platzierte sich durchaus erfolgreich in den deutschsprachigen Charts, in Österreich stieg er bis auf #3 der Hitparaden, in Deutschland schaffte er es bis #11, in der Schweiz war #30 die Höchstplatzierung. Damit war der Titel der erfolgreichste seit der Single Wiener Blut von 1988, nicht weniger als acht Jahre zuvor.

Das Cover der Single war, gemäß der Intention, die Identität des Künstlers geheim zu halten, ohne ein Photo Falcos gestaltet worden. Vor dem Hintergrund einer blau beleuchteten, steingepflasterten Nebenstraße sieht man ein Sujet, das einen Mann, der sich einen Hut tief ins Gesicht zieht, ziert. Dieses Motiv erinnert Fans natürlich an ein Photo Falcos von 1982, auf dem er einen Trenchcoat (ähnlich wie der TV-Polizist Columbo) anhat und sich die Kopfbedeckung auf gleiche Weise zurechtrückt – natürlich spielte diese Aufnahme auf Falcos Hit Der Kommissar an. Neben Mistkübeln, auf denen eine Katze sitzt, sieht man auf dem Artwork dann auch noch den Decknamen T-MA und rechts oben den Songtitel. Auf dem Backcover der CD-Single wurde das gleiche Bild spiegelverkehrt ohne Katze und Mantelmann-Sujet verwendet. Rechts im Eck sieht man ein Piktogramm, das im Alltag Verbraucher bittet, Abfall umweltschonend in die dafür vorgesehenen Abfallbehälter zu entsorgen. Darunter steht ein Text („Bleib sauber“). Warum dieses Bildsymbol verwendet wurde, ist unklar, vielleicht fand man lustig, dass dieses Logo im Sprachgebrauch „Saubermann“ genannt wird und wollte damit eine Verbindung zu Drogen herstellen, indem man auf ironisch-unernst gemeinte Weise die CD-Käufer bittet, doch trotz des Kaufs dieser jugendgefährdenden Single keine Drogen zu konsumieren.

Es existieren Unterschiede zwischen den unterschiedlichen Auflagen dieser Single: Während auf der Erstauflage noch lediglich T-MA als Künstler angegeben ist, wurde bei der Zweitpressung der CD am Cover dann T-M a.k.a. Falco angegeben. Man dürfte diese Idee schon vorab gehabt haben und als der Song dann wirklich, wie erhofft, in die Charts kam, wurde schnell diese Zweitversion auf den Markt geworfen. Zusätzlich gab es später, als der Song schon eine Weile in den Hitparaden war, auch noch eine Remix-Version der Single, hier wurde der bläuliche Hintergrund mit einem roten ersetzt, sonst wurde alles gleich gelassen (auch hier steht als Künstler T-MA a.k.a. Falco vermerkt).

Insgesamt wurden acht Remixes beziehungsweise Edits der Nummer angefertigt: auf der normalen CD befinden sich fünf Remixes, diese wurden alle vom Produzententeam Zebulon (Peter Hofmann, Edgar Höfler und Franz Plasa) angefertigt. Der mit Abstand beste dieser Mixes ist der ‚Mother’s Favourite‘ Mix, hier wird der Song nur wenig verändert und durchaus innovativ um zwei Minuten verlängert. Der ‚Long Line Mix‘ beginnt tempomäßig unverhofft langsam, erst danach setzt mehr Tempo ein. Die beiden anderen Remixes sind mehr oder weniger Instrumental-Versionen, wo lediglich einige Wortfetzen von Falco (und auch der Refrain stark verlangsamt) verwendet werden. Auf der Remix-CD findet man dann vier weitere Remixes und Versionen: Der ‚T-MAster Edit‘ und der T-MAtic Edit‘ wurden ebenfalls vom Zebulon-Team verantwortet und sind lediglich neu zusammengesetzte Versionen des Originalmixes. Den ‚B.I.O.S. Rave Attack‘ Mix (der Teile des Refrains und einige Worte von Falco in einem wilden BPM-Gewitter untergehen lässt), produzierten Peter Hoffmann und Ovidiu Sorin Stan, während der ‚Brain Energy Remix‘ (ein über acht Minuten langer Techno-Exzess, der lediglich hin und wieder Falco „Energie“ sagen lässt) von Antonio Catania und Ingo Kays neu gemischt wurde.

Ein erneut von Dolezal und Rossacher gedrehtes Video wurde angefertigt, in dem Falco (zunächst unscharf) als Pate im Beichtstuhl zu sehen ist. Danach kommt ein kohlenverschmierter Junge mit einem Gemälde auf dem Schutzengel zu erkennen ist, ins Bild. Eine Autobahn mit Neonlichtern wird gezeigt, darauffolgend wieder Falco mit einem Rosenkranz in der Hand und eine Gruppe Kinder samt junger, fescher Mutter, die gerade Kleidung von der Wäscheleine nimmt. Dazwischen werden moderne Techno-Kids im 90er-Outfit, die zu Musik tanzen, geschnitten. Bevor Falcos seinen Sprechgesang beginnt, setzt auch noch eine junge Frau mit tiefem Ausschnitt und Strapsen farbenfrohe Gartenzwerge in eine Wiese. In der ersten Strophe steigt ein hünenhafter Mann mit einem Sack Kohlen am Rücken die Treppe zur Wohnung der Mutter mit ihren Kindern hinaus. Als er das Zimmer betritt, nimmt die Mutter ihre Tochter beschützend in den Arm, der Kohlehändler fährt sich mit der Rückseite der Hand über den Mund. Der Mann und die Mutter sehen sich in die Augen, sie schickt die Kinder raus auf den Flur und schließt hinter ihnen die Tür. Der Kohlelieferant wirft das auf dem Tisch stehende Geschirr zu Boden und sieht die Frau auffordernd an. In der nächsten Szene hebt er sie hoch und setzt sie auf den leeren Tisch.

Es ist vor allem diese Szene, die die sexuelle Bedeutung des Songs beziehungsweise der Thematik hervorhebt: zweifellos suggeriert das Video, dass die Mutter, weil sie kein Geld hat, für die Kohle mit sexuellen Dienstleistungen bezahlen muss. Dieser Eindruck wird dann noch verstärkt, wenn unschuldig aussehende, blonde und bieder angezogene Jungen den Refrain singen. Die Kinder blicken derweil durchs Schlüsselloch, die Mutter sitzt mittlerweile im Bett, der Kohlenhändler schüttet gleichzeitig Kohlen auf den Tisch. Als er nach draußen in den Hof tritt, zieht er den Reisverschluss seiner Hose vor den Kindern zu. Danach gibt es einen Szenenwechsel in die Moderne: Falco, angezogen wie der bravste Spießbürger, schießt in seinem Garten auf Keramikzwerge. Zur Textpassage „Das schwarze Gold ist weiß geworden“ und vor einem mit Negativeffekt belegten Bild (die schwarzen Kohlen sind nun weiß), erscheint der Kohlenhändler mit seinem Koks-Sack um die Schulter nun in der Jetztzeit im Techno-Club mit den tanzenden Jugendlichen. Der Mann schüttet den Sack aus, hervor kommt ein (je nach Bildbearbeitung) schwarzes oder weißes Pulver – subtiler kann man wohl nicht auf die Kokain-Bedeutungsebene hinweisen. Am Ende des Videoclips küsst einer der Sängerknaben Falcos Hand (mit Rolex) im Beichtstuhl, Falco erteilt daraufhin die Absolution.

Falco antwortete im Vorfeld der Veröffentlichung auf die Frage, welches Konzept hinter dem Video steht, mit unverhohlener Ironie: „Hinter dem Clip steht konzeptionell nichts. Wir sind ja alle Spaßvögel und wir wollen weder provozieren noch Effekt heischen“. Der Umstand, dass Falco im Video hauptsächlich im Dunkeln beziehungsweise verdeckt vom Gitter des Beichtstuhls und in teilweiser extremer Großaufnahme gefilmt wurde, führt dazu, dass er öfters wie Marlon Brando in seiner Rolle als Colonel Walter Kurtz im Film „Apocalypse Now“ von Francis Ford Coppola aussieht. Und auch noch ein Fun Fact: eines der im Video vorkommenden Kinder ist Philippa Strache, die Frau des rechtspopulistischen Ex-FPÖ-Politikers Heinz-Christian Strache. Sie spielte im Alter von acht Jahren in diesem Falco-Clip mit.

Die Marketingstrategie für die Veröffentlichung des Songs war darauf ausgerichtet, dass man zunächst mal nur das Video und ein rund zehnminütiges vorab aufgezeichnetes Video von Falco einsetzte und dann mal verfolgte, wie sich die Single in den Charts so macht. Als abzusehen war, dass die Strategie mit „der Eigendynamik und der Dominanz des Marktes“ (Zitat Falco) erfolgreich war und die Nummer ein Hit werden würde, gab Falco zahlreiche Interviews (vor allem auf VIVA aber auch in der Harald Schmidt-Show und in zahlreichen Print-Publikationen). Jedoch gab es nie einen Playback- oder Live-Auftritt mit diesem Titel.

Interessanterweise gab es von diesem Song zahlreiche Coverversionen, vor allem im Hard Rock-Bereich coverten einige deutsche Bands (Eisregen, Stahlhammer) Falcos Hit. Auch die österreichische Komiker-Kombo Die Hektiker verwendeten die Nummer für ihr Programm, hier hieß sie „Mutter, der Stoff für die Cops ist da“ und widmete sich einem Drogenskandal innerhalb der Wiener Polizei.

Der Titel ist rückblickend als ein, wenn nicht der entscheidende Wendepunkt in Falcos Karriere zu betrachten: es ist der Song, der die Grenze markiert zwischen dem Falco von 1981 bis 1995, einem Künstler, der, mit mal mehr, mal mit weniger Erfolg, versucht hat, sowohl musikalisch als auch auf textlicher Ebene Lieder zu machen, die seinem eigenen Qualitätsanspruch genügen und dem Falco von 1995 bis zu seinem Tod, für den primär nur noch der kommerzielle Erfolg im Vordergrund stand. Es ist der Punkt, an dem Falco, aus vielerlei Gründen, den Entschluss fasst, dass ihm Musik und auch Texte nicht mehr so viel bedeuten wie in der ersten Phase seiner Laufbahn. Obgleich Falco dann doch immer wieder Phasen hatte, in denen er motiviert war, mehr als nur Kommerzielles zu machen, so scheint ihm dieser grundlegende Entschluss selbst auch durchaus bewusst gewesen zu sein: „Ich werde unter Garantie das machen, von dem ich mir den meisten Erfolg verspreche. Musik hat für mich nicht mehr den Reiz (den sie zu Beginn meiner Karriere) hatte, Früher hab ich intellektuelle Inszenierungen gespielt, aber keine Platte verkauft, weshalb es erfolgreich gelungen ist, mich fast in den Graben zu fahren. Deshalb ich entschieden, wieder populär zu sein“.

Es ist auch die Veröffentlichung, in der Falco zum ersten Mal nicht mehr unter seinem Künstlernamen Falco antritt. Auch das passt gut zum oben beschriebenen Paradigmenwechsel, nach dem in Zukunft eindeutig der wirtschaftliche und nicht der künstlerische Erfolg im Mittelpunkt stehen sollte. Zwar wurde bald versucht, den Switch zurück zur Marke Falco zu schaffen (mit Formulierungen wie T-MA a.k.a. Falco und später bei der Single Naked mit Falco feat. T-MB) aber es ist klar, dass nicht einmal Falco selbst mehr restlos von sich und seiner Kunstfigur überzeugt war und neue Formen der Positionierung suchte. Auch die Rolle seiner neuen Mitstreiter ist hier zu betrachten: sowohl Torsten Börger als Produzent, als auch Claudia Wohlfromm (als Managerin) und George Glueck (als A&R-Manager, also als derjenige, der Songs für Falco finden sollte) waren der Meinung, dass der Falco der 80er Jahre passé sei, keiner der Beteiligten hatte jedoch eine Idee, wie man Falco und seine Art der Musik ins neue Jahrzehnt bringen sollte. Der gewählte Ansatz, Falco mehr im Eurodance-Segment zu verorten (mit Nummern wie Naked, Push! Push!, Cyberlove und auch Geld) hatte oft nicht mehr viel mit der Musik zu tun, die Falco bis dahin gemacht hat – zeitgleich wollte das Publikum solche Titel aber auch nicht von Falco hören, am Markt gab es genug andere Künstler, denen dieser 90s-Sound wesentlich besser und authentischer zu Gesicht stand.

Falcos Techno-Hit war der einzige Song im für ihn neuen Klanggewand, der ein Erfolg wurde. Das lag sicherlich an der launigen Titelgebung und dem extrem eingängigen Refrain und auch am durchaus gelungenen Text. Dennoch bleibt er, wie auch die anderen mehr am Dancefloor ausgerichteten Titeln Falcos,  ein Außenseiter in seinem Werk, ein nicht so ganz zum Rest passender Sonderling, den zwar jeder kennt, aber niemand so richtig mag.

Text

Mutter
Oh, Mutter
Mutter
Oh, Mutter
Mutter
Oh, Mutter
Der Mann mit dem Koks
(Kohle)
Der Mann mit dem Koks
(Kohle)
(Hallo, Mutter
Der Mann mit dem Koks ist da)

Es wurde einst das schwarze Gold der Ruhr genannt
Es spendete Wärme, Behaglichkeit und Energie
In einem besonderen chemischen Verfahren
Verflüchtigten sich aus dem Urstoff die Gase
Aus Kohle wurde Koks

Die Menschen sehnten sich nach der Energie
Die ihnen das Koks lieferte
Doch für das Volk war der Stoff zu teuer
Mutter, oh Mutter
Der Mann mit dem Koks ist da

(Mutter, der Mann mit dem Koks ist da
Ja, mein Junge, das weiß ich ja
Mutter, der Mann mit dem Koks ist da
Ja, mein Junge, das weiß ich ja
Ich hab' kein Geld
Und du hast kein Geld
Wer hat den Mann mit dem Koks bestellt?
Ich hab' kein Geld
Und du hast kein Geld
Wer hat den Mann mit dem Koks bestellt?

(Hallo, Mutter
Der Mann mit dem Koks ist da)

Das schwarze Gold ist weiß geworden
Man nehme eine einfache Rezeptur
Und aus Koks wird wieder Kohle
Wärme, Behaglichkeit, Energie
Wärme, Behaglichkeit, Energie
Mutter, oh Mutter
Der Mann mit dem Koks ist da

(Mutter, der Mann mit dem Koks ist da
Ja, mein Junge, das weiß ich ja
Mutter, der Mann mit dem Koks ist da
Ja, mein Junge, das weiß ich ja
Ich hab' kein Geld
Und du hast kein Geld
Wer hat den Mann mit dem Koks bestellt?
Mutter, der Mann mit dem Koks ist da
Ja, mein Junge, das weiß ich ja

Ich hab' kein Geld
Und du hast kein Geld
Wer hat den Mann mit dem Koks bestellt?
Ich hab' kein Geld
Und du hast kein Geld
Wer hat den Mann mit dem Koks bestellt?
Mutter, der Mann mit dem Koks ist da
Ja, mein Junge, das weiß ich ja
Mutter, der Mann mit dem Koks ist da
Ja, mein Junge, das weiß ich ja)

Meine Textfassung beruht, falls vorhanden, auf den Textbeilagen der offiziellen Veröffentlichungen (Booklet, Inlay, Cover etc.). Allerdings wurden alle Texte abgehört und nach dem gesungenen Wort korrigiert. Bei Songs, bei denen keine Textbeilagen verfügbar sind, basiert meine Fassung ausschließlich auf dem gesungenen Wort bzw. auch auf im Internet kursierenden Versionen. Textpassagen, die im Dialekt gesungen wurden, stehen in gemäßigter Transliteration. Rechtschreibfehler, sowohl deutsche als auch englische, wurden in eklatanten Fällen korrigiert. Die Rechtschreibung beruht teils auf der zur jeweiligen Zeit gültigen (Textbeilagen), teils auf der neuen Rechtschreibung (eigene Abhörungen). Auf Satzzeichen wurde im Allgemeinen verzichtet. Für Verbesserungsvorschläge bin ich dankbar.