Song

Sweet Symphony

Laufzeit

4:24 Minuten

Album

The Spirit Never Dies [2009]

Musik, Text und Produktion

Musik: Mike Wolff & Gunther Mende
Text: Falco, Alexander C. Derouge & Gunther Mende (Offizielle Textautoren: Gunther Mende & Horst Bork)
Produzent: Gunther Mende

Über den Song

Dieser Song stellt mit weitem Abstand die Spitze der pietätslosen Song-Basteleien im Zusammenhang mit posthum veröffentlichtem Material in Falcos Namen dar. Natürlich, bereits 1999 waren die von den Bollands neu fabrizierten Nummern Fascinating Man, From The North To The South and We Live For The Night grenzwertig (hier wurden zwei bereits veröffentlichte Lieder, Genie Und Partisan (A Fascinating Man) und Metamorphic Rocks zu drei neuen Stücken zusammengeschnippselt), aber mit diesem schamlosen Sample-Song hat man der unauthentischen und hemmungslosen Falco-Exploitation die Krone aufgesetzt: So wurde hier einfach 2009 ein neuer musikalischer Hintergrund komponiert und Textsamples aus insgesamt fünf anderen Falco-Songs dazu gemischt. Man hört völlig sinnfrei zusammengestellt, textliche Ausschnitte aus den 1987 produzierten Nummern Walls Of Silence, Poison, Que Pasa Hombre, The Spirit Never Dies und wahrscheinlich auch aus der Salieri-Version von Rock Me Amadeus.

Dabei wurden, um das Ganze nun wirklich so furchtbar wie möglich zu machen, nicht einmal ganze Sätze aus diesen genannten Nummern übernommen und in den „neuen“ Song eingebaut, sondern man nahm einfach einzelne Wörter und stellte sie sinnentleert nebeneinander. Dabei kommen dann in der ersten Strophe solche Satzungetüme heraus: „The world is standing still, and it’s all for sure. Emptiness, kiss you, to stay, everybody, this is not the end“. Keine Ahnung, wer auf diese geschmack- und respektlose Idee gekommen ist, aber dieser Song darf zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt als der eindeutige Höhepunkt der hemmungslosen Konsumententäuschung angesehen werden – da kommen nicht mal ähnliche Vorgänge nach dem Tod von Michael Jackson oder Freddie Mercury mit! Der absolute Tiefpunkt wird erreicht, wenn bei den Autoreninfos nicht die Textercredits der geplünderten Originalsongs verwendet werden, sondern diese im Sinne der an diesem Sample-Song Beteiligten angegeben werden.

Medial wurde bei der Veröffentlichung 2009 diese Vorgehensweise jedoch vehement abgestritten. So verwehrte sich der Produzent Gunter Mende im österreichischen Magazin News gegen den Vorwurf „Songmaterial manipuliert zu haben. Mir zu unterstellen, dies des Geldes wegen zu machen, ist Mist“. Auch Horst Bork, Falcos Ex-Manager, der ebenfalls an der Veröffentlichung des Albums The Spirit Never Dies (auf dem sich diese Nummer befindet) beteiligt war, stößt in das gleiche Horn: „Es handelt sich nicht um zusammengestückelte Fragmente, sondern um wirklich fix und fertig eingesungene Titel, die Falco (…) damals (1987; Anm.) gefallen haben, nur der Plattenfirma nicht“.

Musikalisch hat der Komponist Mike Wolff tief in den Schmalztiegel gegriffen: die musikalische Hintermalung der Samples beginnt langsam, dann setzt ein wohl bewusst auf 80er getrimmter Beat ein, schließlich hört man die aus den anderen Songs übernommenen Falco-Samples. Es ist dabei auch anzumerken, dass dieses Hinzuschneiden der Stimme Falcos nicht mal technisch besonders gut gemacht ist, teilweise merkt man die Schnitte und die Übergänge zwischen den Worten aus unterschiedlichen Liedern sind klar auszumachen. Im Hintergrund dudelt die lustlose und uninteressante Melodie.

Der Refrain verändert das Klangbild dann etwas: der Tonlage wird höher, darüber kommen die Samples „sweet“ und „symphony“ – das erste Wort könnte aus dem Salieri-Mix von Rock Me Amadeus genommen worden sein, das zweite Wort klingt irgendwie nicht nach Falco, es ist unter Umständen auch denkbar, dass dieses Wort von jemand anderem eingesungen wurde. Der Refrain endet mit einem studiotechnisch erzeugten Gewitter allerlei Audio-Gimmicks. Nach der zweiten Strophe erklingt der Refrain erneut, diesmal aufgepeppt mit einer Frauenstimme im Hintergrund. Diese übernimmt dann den Song vollständig für fast eine halbe Minute. Die letzten eineinhalb Minuten klingen mit einer Kakophonie an Samples von Falcos Stimme, Frauenchören und einer, musikalische Leere überspielendenden, bombastischen Orchestrierung aus.

Ein Hinweis, dass die Musik dieses Songs nicht von 1987, sondern von 2009 stammen könnte, findet sich übrigens im Booklet des kompilierten Albums The Spirit Never Dies: hier wird bei der Angabe der beteiligten Musiker explizit bei dieser Nummer (und auch bei Dada Love) vermerkt, dass hier andere Musiker am Werk waren als bei den nachweislich 1987 entandenen Liedern. Wer sich die Mühe macht, zwischen den Zeilen zu lesen, dem drängt sich der Verdacht auf, dass diese beiden Nummern Sample-Songs mit neu komponierter Musik sein könnten.

Zum Inhalt und zum Thema des Songs beziehungsweise des Textes ist klarerweise nichts zu vermelden: die Vermischung verschiedener Lyric-Samples zu einem völlig sinnfreien Text lässt eine Interpretation beim besten Willen nicht zu.

Bei der Veröffentlichung dieses Sample-Songs fiel dieses Zusammenschnippseln von existierenden Textfetzten zu einer neu komponierten Melodie sehr wohl den Fans (eine genaue Analyse der Sample-Techniken findet man hier), aber niemanden in der Presse auf. So spricht das Magazin News von einer „klassischen Popkomposition, die Stimmschwächen offenlegt“ – aufgrund der Tatsache, dass es sich nur um zusammengefügte Textfragmente aus anderen Songs handelt, wohl kein Wunder! Das Profil sieht sich einem „gefühlsechtem Anbiederungspop“ gegenüber und das Libro-Magazin findet den Track sogar „ansatzweise interessant, aber in Schwulst ertränkt“.

Lediglich der Kurier ahnt wohl etwas von der künstlichen und unauthentischen Entstehungsweise, wenn er von „übelriechenden Wort- und Tonblähungen“ schreibt. Besser kann man dieses Werk (und noch mehr die Idee, ein solches als „neuen Falco-Song“ zu verkaufen) nicht beschreiben. Der absolute Tiefpunkt der posthumen Falco-Veröffentlichungen!

Text

The world is standing still *1
And it's all for sure *2
Emptiness *1
Kiss you *3
To stay *3
Everybody *4
This is not the end *1

Sweet *5
(Symphony)
Sweet *5
(Symphony)

Everybody kept on saying *3
It is love *1
No time for zeroes now, the world needs heroes *3
If we should have a last one try, we should try *1
Don't be delirious, this life is serios *4
On the backseat of *4
The world *1
But everybody's breaking *2
Everybody *2
Break the chains *1

Sweet *5
(Symphony)
Sweet *5
(Symphony)

But everybody's breaking *2
It is love *1

(Is it love?
Come together
Everybody come together
Try your hands in the sweet, sweet symphony
Come together everybody who gives love
Is it love?
Is it love?
Sweet symphony
Come on, break the chains everybody
Sweet symphony)

Everybody kept on saying *3
It is love *1

(Oh, so much love
Sweet symphony
Everybody sing
All together now
Sweet symphony)
Oh, can you feel it now?
Sweet, sweet symphony)

Anmerkung: Dieser Song wurde 2009 aus verschiedenen anderen Songs zusammengeschnitten. Die Textbausteine kommen aus den folgenden Songs: Walls Of Silence *1, Poison *2, The Spirit Never Dies (Jeanny Final) *3, Qué Pasa Hombre *4 und Rock Me Amadeus (Salieri Version) *5.

Meine Textfassung beruht, falls vorhanden, auf den Textbeilagen der offiziellen Veröffentlichungen (Booklet, Inlay, Cover etc.). Allerdings wurden alle Texte abgehört und nach dem gesungenen Wort korrigiert. Bei Song, bei denen keine Textbeilagen verfügbar sind, basiert meine Fassung ausschließlich auf dem gesungenen Wort bzw. auch auf im Internet kursierenden Versionen. Textpassagen, die im Dialekt gesungen wurden, stehen in gemäßigter Transliteration. Rechtschreibfehler, sowohl deutsche als auch englische, wurden in eklatanten Fällen korrigiert. Die Rechtschreibung beruht teils auf der zur jeweiligen Zeit gültigen (Textbeilagen), teils auf der neuen Rechtschreibung (eigene Abhörungen). Auf Satzzeichen wurde im Allgemeinen verzichtet. Für Verbesserungsvorschläge bin ich dankbar.