Song

The Spirit Never Dies (Jeanny Final)

Laufzeit

4:57 Minuten

Album

The Spirit Never Dies [2009]

Single-Auskopplung

Dezember 2009
Charts: #3 AUT

Musik, Text und Produktion

Musik: Alexander C. Derouge & Gunther Mende
Text: Alexander C. Derouge & Gunther Mende & Horst Bork
Produzent: Alexander C. Derouge & Gunther Mende (1987, unveröffentlicht);
Gunter Mende (2009 Version)

Offiziell veröffentlichte Mixes/Edits/Versionen

  • The Special Mix 5:00 (2009)

Über den Song

Diese Ballade zu beschreiben, fällt als Falco-Fan schwer. Sie ist einer der Titel, die 1987 in den Sessions mit Mende und DeRouge für das Album „Aya“ entstanden (welches sich später zum Album Wiener Blut entwickelte). Von Falco zu Lebzeiten nie namentlich erwähnt, erfuhr die Öffentlichkeit erst 2009 im Rahmen der Veröffentlichung des kompilierten Albums The Spirit Never Dies von seiner Existenz. Das deshalb, weil Falcos Plattenfirma diese Nummer Ende 1987 ablehnte, sie verschwand danach im Archiv. Gleichzeitig gibt es aber auch eindeutig Hinweise, dass Falco selbst dieses Lied bereits vor der Präsentation bei seiner Plattenfirma verworfen hatte und nicht veröffentlichen wollte. So spricht Falco im Frühjahr/Sommer in einem Interview mit der österreichischen Jugendzeitschrift Rennbahn Express von neun fertig produzierten Songs mit Mende und DeRouge. In der nächsten Ausgabe nennt Falco dann nur noch acht Titel aus dieser Session als Material für sein geplantes Album. Es scheint dieser Song gewesen zu sein, den Falco bereits im Vorfeld aussortierte und selbst als zu schwach und zu untypisch empfand.

Und in der Tat ist der Song zu den schwächsten in Falcos gesamten Werk zu zählen: es ist Schlagerpop vom Schlimmsten, seichte Musik und ein furchtbarer Text lassen innerhalb von Sekunden nachvollziehen, warum Falco selbst wohl gleich mal nach den Aufnahmen kalte Füße bekommen hat. Die Nummer beginnt mit einem soften Schlagerbeat, eine anbiedernde, harmlose, kuschelweiche Melodie verbindet sich mit Falcos untypischen, schmusigem Gesang. Auch Falcos Stimme klingt seltsam, es ist eine dieser Balladen, die deutlich zeigt, warum Falco besser im Sprechgesang als in stimmlich fordernden Nummern aufgehoben ist. Wenn man glaubt, man hat die kitschige Strophe überstanden, kommt es sogleich noch schlimmer – ein mit engelsgleichen Frauenstimmen aufgemotzter Refrain erklingt, man wähnt sich in einer Schlagerhölle. Nach der zweiten Strophe und dem Refrain kommt der Mittelteil, hier singt eine Frauenstimme den Refrain, alles wirkt extrem überproduziert und bombastisch. Danach setzt dann wieder Falcos Stimme ein und nach einer weiteren Minute des gesteigerten Leidens ist der Song dann endlich vorbei. Es ist ein Song, bei dem man sich fragt, auf welchen Drogen Falco 1987 gewesen sein muss. Nie eckt er näher am niveaulosen Schlager an und wenngleich man als Falco-Fan natürlich Interesse an allen Titel hat, die er gesungen hat – hier fragt man sich schon, wie ein solcher Titel hat produziert werden können. Natürlich liegt lediglich die 2009 neu abgemischte Version vor, aber es ist zu bezweifeln, dass die Originalversion auch nur geringfügigst besser sein könnte. Online kursiert eine weniger bearbeitete Version, diese liegt recht nahe an der Neuabmischung, es ist jedoch nicht klar, ob es sich dabei um die Originalversion von 1987 oder eine Demo-Version von 2009 handelt.

Thematisch ist es ein weiterer Song über Falcos damalige Probleme mit seiner Ehefrau Isabella: „But we won’t give up, we won’t give in, won’t give it all away“, (…) The spirit never dies, we’ll last forever“. Für den Text zeichneten laut Textbooklet Mende/Derouge und Horst Bork verantwortlich, dass Falco gar nichts zu diesem Song beigetragen hat, darf jedoch bezweifelt werden. Man findet nämlich in Falcos (unveröffentlichtem) Textbuch unter dem Datum 24.3.83 folgenden Eintrag: „Sie tanzten nur einen Sommer (sie sind ferngesteuert)“. Wenig später findet sich eine weitere ähnliche Eintragung „Doch sie tanzten nur einen Sommer (Stoppt die Tänzer!)“. Falco dürfte somit diesen Eintrag in seinem berühmten Textideenheftchen rund vier Jahre später in diesem Song verwendet haben. Die Formulierung hat sich Falco dabei auch wo geliehen, „Wir tanzten nur einen Sommer“ hieß ein Skandalfilm aus Schweden von 1952, in dem es um eine Romanze zwei verliebter Teenager in einem sittenstrengen Dorf ging. Auch dieses Szenario kann natürlich eine Inspiration für Falcos Text in diesem Song gewesen sein: es kann auch um eine Sommerliebe gehen, die beiden Teenager lieben sich, aber das Umfeld ist der Meinung, das kann und darf nicht sein. Den Protagonisten ist das egal, sie beschließen, für ihre Liebe zu kämpfen und nicht aufzugeben.

Wie auch immer, eines ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auszuschließen: dass der Song als dritter Teil der Jeanny-Saga (nach Jeanny von 1985 und Coming Home (Jeanny Part 2, Ein Jahr Danach) von 1986) geplant war. Als solcher wurde er nämlich anlässlich der erstmaligen Veröffentlichung 2009 vermarktet. Ich finde, es ist recht klar, dass diese Vermarktungsstrategie nur deshalb gewählt wurde, um den damals erschienenen Produkten (dem kompilierten Album The Spirit Never Dies, der gleichnamigen Single und der Falco-Biographie von Horst Bork) ein großes Presseecho zu garantieren. Dass der Song zu keinem Zeitpunkt als Teil der Jeanny-Geschichte angedacht war, macht einerseits ein Interview von Falco 1988, andererseits der Text selbst klar. So antwortete Falco in einem Gespräch mit dem Musikexpress/Sound anlässlich der Veröffentlichung des Albums Wiener Blut auf die Frage, wo denn der nächste Jeanny-Teil geblieben sei: „Ja, wo ist Jeanny geblieben? In erster Linie wäre eine Jeanny-Fortsetzung ja ein volkswirtschaftlicher Aspekt für die Plattenfirma gewesen. Wir haben uns überlegt, dass wir wieder einmal das Überraschungsmoment ins Kalkül ziehen wollen und zunächst einmal nicht dort den dritten Teil machen wollen wo man ihn vermutet“. Eindeutiger kann eine Aussage nicht sein – weder ist dieser Song ein Teil der Jeanny-Saga, noch wurde ein solcher Teil im Rahmen der Aufnahmen zu dem Album angedacht (weder mit Mende und Derouge, noch mit den später dazu geholten Bolland-Brüdern). Und auch textlich weist kein einziges Wort auf eine Verbindung zu Jeanny oder Coming Home (Jeanny Part 2, Ein Jahr Danach) hin oder darauf, dass dies mehr als ein kitschiger Liebessong ist. Die zu Marketingzwecken konstruierte Verbindung zu den Jeanny-Teilen gibt es nicht, dies war lediglich ein cleverer und geschäftstüchtiger Promo-Gag (Anmerkung: der legitime Nachfolger zu den beiden anderen Jeanny-Teilen findet sich dann erst 1990 auf dem Album Data De Groove, wo Falco extremst ironisch und sarkastisch im Song Bar Minor 7/11 (Jeanny Dry) eine durchaus auch selbstkritische Fortsetzung liefert). Übrigens: auch Where Are You Now? ist kein Teil der Jeanny-Saga: hier handelt es sich lediglich um ein unverschämtes Zusammensetzen der englischen Texte von Jeanny mit einer nach Falcos Tod neu komponierten Musik.

In der Presse wurde der Song verrissen, News sieht einen „Ausflug ins Schlagerhafte“, das Profil spricht von einem „schwer überorchestrierten Rührstück direkt aus dem Weichspülfach des deutschen Rock-Schlagers“ und der Kurier bezeichnet den Track als „Desaster, Falco für den Musikantenstadl“.

Da die gesamte Promotionstrategie für das kompilierte Album The Spirit Never Dies auf der künstlichen und falschen Verbindung dieses Songs zur Jeanny-Saga beruhte, wurde das Lied kurz vor Erscheinen des Albums zu Weihnachten 2009 sogar als Single ausgekoppelt. Die allgemeine vorweihnachtliche musikalische Geschmacksverwirrung und das große Medienecho führten in Österreich dazu, dass sich die Auskopplung sogar in den Charts platzierte (#3). Es war dies übrigens die erste rein digitale Falco-Single, die sich in der Hitparade platzierte, es gibt lediglich eine Promo-CD-Version.

Auch ein Video wurde angefertigt, dabei wurde, um auch hier die Authentizität zu erhöhen und eine Verbindung zu den beiden ersten naked-Teilen herzustellen, auf Rudi Dolezal als Regisseur zurückgegriffen. Der Clip der dabei entstand, besteht zu großen Teilen aus Versatzstücken anderer Falco-Videos und aus Neuaufnahmen mit Falcos Exfreundin Caroline Perron. Zu Beginn sieht man einen SMS-Text auf einem Mobiltelephon („Meet me at 9 p.m.“), nach kurzen Ausschnitten aus den Videos zu Emotional und Body Next To Body sieht man Caroline (in hautengen Latexhosen) aus dem Auto steigen. Dazwischen sieht man Aufnahmen, die wohl von den Aufnahmen zum Clip von Charisma Kommando und Data De Groove entstanden sind. Wenn Falco zu singen beginnt, werden Aufnahmen vom Video von Brillantin‘ Brutal eingeblendet. Auch kurze Einblendungen vom Video zu Naked sind zu sehen. Danach versucht der Clip die Verbindung zur Jeanny-Geschichte herzustellen, wenn er Bildmaterial vom Video dieses Songs verwendet. Gleichzeitig sieht man in den Neuaufnahmen Caroline Stufen zu den Wiener Abwasserkanälen runtersteigen. Danach ein paar Bilder von Coming Home (Jeanny Part 2, Ein Jahr Danach), bevor dann Caroline an der Stelle im Kanal ankommt, wo Falco 1985 das Originalvideo zu Jeanny gedreht hat. Sie sieht sich mittels einer Projektion die oben erwähnten Falco-Videos an, auch Ausschnitte aus Satellite To Satellite sind zu sehen. Danach werden kurze Einblendungen aus dem Video zu The Sound Of Musik gezeigt, Caroline ist inzwischen in einer Ecke angekommen, wo neben indianischen Traumfängern und Räucherstäbchen (!) gerahmte Photos von Falco stehen, auch ein gemeinsames Bild der beiden von 1996 ist zu erkennen. Nach einem Schwenk zu einem Photo von Falco im Amadeus-Outfit sieht man dann auch noch Teile des Clips zu Wiener Blut sowie ORF-Aufnahmen, in denen sich Falco und Caroline küssen, diese entstanden im Zuge der Dreharbeiten zum Video von Naked. Zärtlich streicht Caroline in den Neuaufnahmen dann über Falcos Photo und lächelt. Danach beginnt sie vor einem Feuer langsam zu tanzen. Als im Song die Frauenstimme den Refrain wiederholt, sing Caroline mit. Danach läuft sie zurück in Richtung Ausgang des Kanals. Abschließend verwendet Rudi Dolezal noch aus dem Video von Brillantin‘ Brutal die Szene, in der Falco (ursprünglich mit Cordula Reyer) im Auto sitzt. Die anno 1984 von Reyer gesprochenen Worte „Du Schuft!“ spricht nun Caroline, Falcos Reaktion wird danach hineingeschnitten. Es ist eines der vielen posthum gestalteten Videos von Rudi Dolezal, wo einfach bestehende Falco-Clips mehr oder weniger schlecht miteinander verbunden und neu zusammengeschnitten werden.

Von dem Song gibt es (wohl um die Laufzeit des Albums The Spirit Never Dies, auf dem dieser Remix zu finden ist, zu verlängern) einen sogenannten ‚Special Mix‘, dieser unterscheidet sich aber weder in der Laufzeit noch in der musikalischen Gestaltung von der normalen Version, die Unterschiede sind mikroskopischer Natur.

Es ist unglaublich, dass Falco, der sich noch wenige Jahre zuvor zunächst geweigert hatte einen Song wie Rock Me Amadeus einzusingen und der zu gleichen Zeit der Meinung war, dass Balladen nicht zur Marke Falco passen, jemals einen solchen Schlagersong aufgenommen hat. Es gibt Hinweise, dass dieser Song dann ohnehin nicht zur Veröffentlichung auf dem geplanten Album „Aya“ gedacht war und Falco ihn schon im Demo-Stadium verworfen hat. Dennoch: es zeugt von Falcos Zustand und von seiner musikalischen Orientierungslosigkeit zu jener Zeit, dass er dieses seichte Musikstück auch nur probeweise eingesungen hat. Und natürlich ist es eine Ironie des Schicksals, dass genau jener Songs dann nach mehr als zwanzig Jahren von seinem damaligen Manager ausgegraben und als groß vermarktete Single veröffentlicht wird. Die Spitze des Unglaublichen stellt dann natürlich der Versuch dar, diesen schnulzigen Liebessong als dritten Teil der Jeanny-Story zu verkaufen. So wurde diesem wahrscheinlich bereits von Falco 1987 aussortierten Song ein Status gegeben, der einem den Magen umdreht. Auch dass dem Track dann bei Veröffentlichung 2009 noch der Titelzusatz „(Jeanny Final)“ gegeben wurde, zeugt nicht gerade von einem maß- und respektvollen Umgang mit dem Erbe des Künstlers.

Text

Imagine
And you know what?
It’s gonna be a long way
Very interesting and nice
But you know
It’s gonna be a very long way
But it’s all about love
Listen, babe

Wir tanzten nur einen Sommer
Und ich war so oft erschien es mir
Einen Herzschlag lang so nah bei dir

Zeichen sehen
Zeit verstehen
Über alle Grenzen gehen
Und nichts war mir fremd an dir

But everybody kept on saying
Watch, I’ll take your time
But we won’t give up
We won’t give in
Won’t give it all aways
Ey!

No way
To stay
Because the spirit never dies
We’ll last forever
The spirit never dies
We’ll last forever

Too late
To wait
The spirit never dies
We’ll last forever
The spirit never dies
We’ll last forever

Auf der Suche nach dem Sinn
Führten sie sie dahin
I kiss you goodbye

Wir bieten Ton um Ton
Imagination
There’s nothing
There’s nothing to tell about it

But everybody kept on saying
Watch, I’ll take your time
But we won’t give up
We won’t give in
Won’t give it all aways
Ey!

No way
To stay
Because the spirit never dies
We’ll last forever
The spirit never dies
We’ll last forever

Too late
To wait
The spirit never dies
We’ll last forever
The spirit never dies
We’ll last forever

(Oh, the spirit never dies
The spirit never dies
We’ll last forever
The spirit never dies
We’ll last forever
The spirit never dies
We’ll last forever)

No way
To stay
Because the spirit never dies
We’ll last forever
The spirit never dies
We’ll last forever

Too late
To wait
The spirit never dies
We’ll last forever
The spirit never dies

Meine Textfassung beruht, falls vorhanden, auf den Textbeilagen der offiziellen Veröffentlichungen (Booklet, Inlay, Cover etc.). Allerdings wurden alle Texte abgehört und nach dem gesungenen Wort korrigiert. Bei Songs, bei denen keine Textbeilagen verfügbar sind, basiert meine Fassung ausschließlich auf dem gesungenen Wort bzw. auch auf im Internet kursierenden Versionen. Textpassagen, die im Dialekt gesungen wurden, stehen in gemäßigter Transliteration. Rechtschreibfehler, sowohl deutsche als auch englische, wurden in eklatanten Fällen korrigiert. Die Rechtschreibung beruht teils auf der zur jeweiligen Zeit gültigen (Textbeilagen), teils auf der neuen Rechtschreibung (eigene Abhörungen). Auf Satzzeichen wurde im Allgemeinen verzichtet. Für Verbesserungsvorschläge bin ich dankbar.