Song

Tribute To Falco

Laufzeit

3:26 Minuten

Entstehungszeit und Veröffentlichung

1998 (Entstehung und Veröffentlichung auf der Single "Tribute To Falco" von The Bolland Project feat. Alida)

Single-Auskopplung

August 1998
Charts: #95 GER

Musik, Text und Produktion

Musik: Rob & Ferdi Bolland
Text: Falco, Rob & Ferdi Bolland
Produzent: Rob & Ferdi Bolland

Offiziell veröffentlichte Mixes/Edits/Versionen

  • Club Mix 3:15

Über den Song

Nach Falcos Tod und der posthumen Veröffentlichung des Albums Out Of The Dark (Into The Light) hatten es auch andere Plattenfirmen und Personen mit einem Bezug zum verstorbenen Künstler eilig, Falco-Produkte auf den Markt zu werfen. So wurden im Rahmen der neuen Nachfrage Best-Of-Alben, Doku-Videos, Bücher und neuangefertigte Remixe von Falcos Songs bereits kurz nach seinem Tod veröffentlicht. Bei diesem Falco-Revival wollten dann natürlich auch die Bollands, die Autoren und Produzenten der Falco-Alben Falco 3, Emotional, Wiener Blut und Nachtflug ihren Teil vom kommerziellen Kuchen abhaben. Und so wurde im August 1988 eine CD-Single mit drei Songs, die alle auf eine sehr pathetische und oberflächliche Art Falcos Leben und Tod zum Thema hatten, produziert. Neben dem Titelsong inkludiert die EP dann auch noch die Songs „We Say Goodbye“ und „So Lonely“, die beiden letztgenannten Nummern weisen aber keinerlei Elemente mit Falco auf, hier wurden keine Samples verwendet.

Der Tribute-Song ist eine klassischer Sampling-Nummer: zu neukomponierter Musik und zu Melodien von Falco-Hits wurde Falcos Stimme hinzugemischt. Diese Samples stammen dabei einerseits aus einem Interview, das Falco 1986 anlässlich des Erscheinens des Albums Emotional in den Bolland-Studios in Hilversum gegeben hat, andererseits aus Aufnahmen des Konzerts zur Wiener Festwochen-Eröffnung anno 1985.

Die Nummer beginnt mit der Melodie von Rock Me Amadeus, darüber verkündet ein Nachrichtensprecher eine Meldung über Falcos Tod. Nach der von der Sängerin Alida (von der man danach nie wieder etwas gehört hat) gerappten Strophe folgt der gesungene Refrain. Danach hört man erneut den Nachrichtensprecher, dieser verliest nun die Lebens- und Karrierestationen von Falco. Sowohl der Refrain, als auch diese biographischen Elemente weisen einen direkten Bezug zu den internationalen Remixen von Rock Me Amadeus, die 1986 entstanden sind, auf. Nach dem zweiten Refrain verändert sich das Lied, nun erklingt die Melodie von Jeanny. Kurz darauf setzt aber wieder die Rock Me Amadeus-Melodie ein, bis zum Finale werden hier der „Amadeus, Amadeus“-Refrain von Falcos größtem Hit und der Refrain der Bolland-Tribute-Nummer miteinander vermischt.

Musikalisch haben sowohl die Strophen als auch der Refrain durchaus Biss und Ohrwurmcharakter, es ist einer dieser professionellen Bolland-Songs, die trotz einem gehörigen Maß an Seelenlosigkeit und Sterilität irgendwie funktionieren. Wirklich peinlich dagegen sind die pathetischen Texte, die vor Klischees und Oberflächlichkeit nur so strotzen. Einerseits stellt sich Fremdscham aufgrund von billig formulierter Überhöhung ein („He was cool, he was hot, he was so unique“), andererseits lesen sich die Lyrics wie kitschige Eintragungen in Kondolenzbücher („Now that you are gone, you’ll live on and on, you’re in my heart, Falco Superstar. We still love you, oh yes, we do“, „now there’s a place in heaven where you play your part“.) Dazu kommt dann noch die gehaltlose Auseinandersetzung mit Falcos tragischem Tod („No one really knows what happened that day, how his car collided no one can say“).

Übrigens: auch die anderen beiden Songs auf dieser EP (bei denen keine Falco-Samples verwendet wurden) überbieten sich mit Texten, die so schlecht sind, dass dabei beinahe schon wieder unfreiwillige Heiterkeit aufkommt.

Die CD-Single war zu Zeiten der posthumen Falco-Euphorie- und Vermarktung zumindest in Deutschland erfolgreich, sie platzierte sich auf #95 der Charts. Rund acht Jahre später, 2007, wurde dieser Song aus nicht nachvollziehbaren Gründen als Bonus-Track auf die Falco-Best-Of-Kompilation Hoch Wie Nie gegeben – was die Verantwortlichen zu dieser Wahl bewogen hat, wird wohl ewig im Dunklen bleiben.

Das Cover der Single ziert ein Portraitphoto der Sängerin Alida, dahinter sieht man das rote Falco-Logo aus dem Video Emotional.

Auch ein Video wurde produziert, als Regisseure fungierten wieder mal Dolezal&Rossacher. Der Clip besteht aus neu aufgenommenem Material mit der Sängerin, dazu wurden Aufnahmen aus zahlreichen Falco-Videos und Live-Aufnahmen geschnitten. Der Nachrichtensprecher wurde mit ultravioletten Gesichtsbemalung gefilmt, eine nette Anspielung an das Junge Roemer-Video. Inhaltlich geht es im Clip um wenig, die Sängerin und ihre Backgroundtänzerinnen sitzen in einem Zimmer auf einer Couch und sehen in einem Fernseher Falco-Clips. Dazwischen werden Aufnahmen geschnitten, wo die drei in engen Gängen tanzen und singen. Bei den Falco-Samples werden die Ausschnitte aus den TV-Interviews beziehungsweise Konzerten verwendet.

Von diesem Falco-Tribute-Song wurde auch ein ‚Club Mix‘ produziert, dieser ändert aber wenig und verlängert auch nicht die Laufzeit. Lediglich ein paar Bonus-Beats wurden unter die Melodie geschoben.

Dieser Sampling-Song war, rückblickend gesehen, der erste Vorgeschmack auf noch zahlreiche weitere solcher zusammengebastelten Nummern durch die Bollands. Ein Jahr später, 1999, mischten sie zwei bereits 1992 veröffentlichte Lieder (Genie Und Partisan (A Fascinating Man) und Metamorphic Rocks) neu ab und verkauften sie als drei neue Falco-Songs (Fascinating Man, We Live For The Night und From The North To The South). Im gleichen Jahr boten die beiden Brüder einen neukomponierten Song, über den sie die Stimmaufnahmen Falcos aus der englischen Version von Jeanny legten, als kostenlosen Download auf einer österreichischen Download-Plattform an: Where Are You Now?, schamlos als letzter Teil der Jeanny-Saga vermarket (ein Marketing-Gag, der 2009 von Horst Bork und Gunter Mende wesentlich erfolgreicher bei The Spirit Never Dies wiederholt wurde) ging aber ohne große Resonanz unter, zu offensichtlich war der Fan-Betrug. Darüber hinaus entstanden zur gleichen Zeit auch noch weitere Sampling-Songs (Angst, Change, Extravaganza, Just An Illusion, New York City Girls), die dann unter dem Namen „The Bolland Tapes“ online ihre Runden machten, glücklicherweise wurden diese Mash-Ups nie offiziell veröffentlicht.

Es ist auch bemerkenswert, dass die Bollands schon zu Falcos Lebzeiten eine Schwäche für Tribute- und Hommage-Songs hatten. Rock Me Amadeus, Kamikaze Cappa, The Kiss Of Kathleen Turner, Garbo und beiden Charles Darwin Songs (Genie Und Partisan (A Fascinating Man) und Metamorphic Rocks fallen in diese Kategorie. Es erscheint daher nur logisch, dass sich die Bollands nach Falcos Tod auch an ihrem prominentesten Kooperationspartner diesbezüglich abarbeiteten.

Der Sampling-Song ist dabei im Vergleich zu den später hergestellten eindeutig pietätsvoller und weniger schamlos. Natürlich stand das finanziell-kommerzielle Potential der Veröffentlichung vor dem künstlerischen und auch menschlichen Wert, aber er ist sowohl musikalisch als auch in der Machart sicher authentischer als spätere Furchtbarkeiten in Zusammenhang mit Falcos gesampelter Stimme.

Text

Austrian rock singer Falco was killed in a car crash in the Dominican Republic
Falco achieved world-wide fame with mega hits such as "Rock Me Amadeus", "Vienna Calling" and "Jeanny"
Reaching the number one positition on both the American and English pop charts
As well as in numerous other countries
He will be missed sadly by his fans world-wide

This is the story of a boy with a dream
Born in ’57 in the city of Wien
He made a promise to himself
That he would go far
This is the story of Falco, superstar

He was cool, he was hot, he was so unique
Sang "Vienna Calling" to "The Sound Of Musik"
"Rock Me Amadeus" and "Der Kommissar"
This is the story of Falco, superstar

Now that you’re gone
You’ll live on and on
You’re in my heart
Falco, superstar

We still love you
Oh yes, we do
You’re in my heart
Falco, superstar

– 1957: Johann Hölzel is born in Vienna
– 1968: After his parents separate, Johann stays with his mother
– 1981: He records "Der Kommissar"
– 1986: "Rock Me Amadeus" hits number on in the USA
– In that same year, the song "Jeany" banned from the radio. One of many million sellers
– 1998: Falco dies in a fatal car crash

Now that you’re gone
You’ll live on and on
You’re in my heart
Falco, superstar

We still love you
Oh yes, we do
You’re in my heart
Falco, superstar

Kommt her und schaut in meine Herz!
Ich bin für euch ein offenes Buch
Schaut’s rein
Ich hab' nichts zu verbergen *1

No one really knows what happend that day
How his car collided
No one can say

Now there’s a place in heaven
Where you play your part
This was the story of Falco, superstar

Now that you’re gone
You’ll live on and on
You’re in my heart
Falco, superstar

We still love you
Oh yes, we do
You’re in my heart
Falco, superstar

Hallo Wien, hört ihr mich? *2

(Amadeus, Amadeus)

Zunächst ganz herzlich bei euch dafür bedanken *2

(Amadeus, Amadeus)

You’re in my heart
Falco, superstar

That tears we cry
Farewell, goodbye
You’re in my heart
Falco, superstar

Now that you’re gone

Aha, interessant
Skandal, Schlagzeile, Skandal etc.
Das ist gut
Das ist Showbiz! *1

Anmerkung: Bei den normal dargestellten Textbausteinen werden Samples mit Falcos Stimme verwendet, bei den kursiven singt Alida beziehungsweise spricht ein Nachrichtensprecher.
Die Samples mit Falcos Stimme stammen aus einem Interview von 1986 (*1) beziehungsweise aus dem Konzert zur Eröffnung der Wiener Festwochen, 1985 (*2).

Meine Textfassung beruht, falls vorhanden, auf den Textbeilagen der offiziellen Veröffentlichungen (Booklet, Inlay, Cover etc.). Allerdings wurden alle Texte abgehört und nach dem gesungenen Wort korrigiert. Bei Songs, bei denen keine Textbeilagen verfügbar sind, basiert meine Fassung ausschließlich auf dem gesungenen Wort bzw. auch auf im Internet kursierenden Versionen. Textpassagen, die im Dialekt gesungen wurden, stehen in gemäßigter Transliteration. Rechtschreibfehler, sowohl deutsche als auch englische, wurden in eklatanten Fällen korrigiert. Die Rechtschreibung beruht teils auf der zur jeweiligen Zeit gültigen (Textbeilagen), teils auf der neuen Rechtschreibung (eigene Abhörungen). Auf Satzzeichen wurde im Allgemeinen verzichtet. Für Verbesserungsvorschläge bin ich dankbar.