Song

Out Of The Dark

Laufzeit

3:36 Minuten

Album

Out Of The Dark (Into The Light) [1998]

Single-Auskopplung

März 1998
Charts: #2 AUT, #2 GER, #3 SUI

Musik, Text und Produktion

Musik: Torsten Börger
Text: Falco, Torsten Börger
Produzent: Torsten Börger

Offiziell veröffentlichte Mixes/Edits/Versionen

  • Instrumental Version 3:36 (1998)
  • Remix 3:26 (1998)

Offiziell veröffentlichte Liveaufnahmen

  • Wien, Donauinsel 2:43 (Tribute Collaboration Donauinsel) (1998/2017)

Über den Song

Falco großer posthumer Comeback-Hit verdankte seinen immensen Erfolg im deutschen Sprachraum vor allem einer dramatischen Textzeile: „Muss ich denn sterben, um zu leben?“. Diese Worte, vorgetragen in einem schicksalsschweren Ton und zu ruhig-hymnischer Musik, waren im damaligen Kontext, vor dem Hintergrund des tragischen Tods des Künstlers, wohl der wahr gewordene feuchte Traum des Marketing-Verantwortlichen bei Falcos Plattenfirma EMI. Fast schon zu perfekt passte diese Zeile und auch der Text des Refrains zu den fatalen Umständen rund um die Veröffentlichung. Dass Falco die Lyrics gar nicht im dann aufgrund seines Ablebens allerseits hergestellten Bedeutungssinn verfasst hat, war klarerweise bei der Veröffentlichung kurz nach seinem Ableben von wenig Bedeutung.

Der Song wurde von Torsten Börger geschrieben und auch produziert und wahrscheinlich schon 1996 aufgenommen. Falco erwähnte diese Nummer in mehreren Interviews, gemeinsam mit Egoist galt sie bereits vor seinem Tod als Kandidat für eine Single-Auskopplung.

Musikalisch ist der Track im Balladen-Stil geschrieben, das Lied beginnt dramatisch und getragen, eine melancholische Grundstimmung wird durch die Synthesizermelodie vermittelt. Das Arrangement ist dabei spärlich, lediglich ein Schlagzeug begleitet das Intro. Wenn Falco mit seinem Sprechgesang einsetzt wird es musikalisch noch karger und langsamer, schütter klingen an ein Piano erinnernde Klänge an. Der Refrain wird durch das Aufheulen einer Elektrogitarre eingeleitet, das Tempo zieht ein bisschen an und auch die Synthie-Melodie kommt, leicht verändert, zurück. Falcos Stimme erfüllt in dieser Phase zwei Funktionen: einerseits reißt sie die Stimmung dramatisch nach oben („Out Of The Dark“, „Into The Light“, „I give up and close my eyes“ beziehungsweise „I give up and you waste your tears to the night“), andererseits flüstert Falco zwischen diesen Textelementen („Hörst du die Stimme, die dir sagt“) und erzeugt so ein stimmliches Auf und Ab, das dem Song Dynamik verleiht. Im Mittelteil ertönt ein Gitarrensolo, dies passt zwar einerseits ganz gut zur Grundstimmung des Songs, anderseits klingt es gleichzeitig auch ein bisschen zu bieder und brav. Gegen Ende der Nummer wird der Refrain wiederholt, am Ende wird Falcos Textzeile „To the night“ mit einem Echoeffekt über einen dramatischen Schlusston ausgeblendet.

Ein bisschen klingt das Ganze wie „Warum“, und „Verpiss‘ Dich“, Hits der deutschen Girlband TicTacToe – kein Wunder, schließlich haben alle diese Nummern den gleichen Komponisten und Produzenten. Alle diese Songs verwenden dabei einen ähnlichen Rhythmus, eine gleichartige musikalische Tonlage, auch die Dynamik der Refrains ist vergleichbar. Wenn man eine Verbindung zu anderen Falco-Tracks herstellen möchte, dann ist wohl Nachtflug, der Titelsong aus Falcos gleichnamigen Album von 1992, die erste Referenz, auch hier liegt über einer ruhigen Melodie ein schwerer Schlagzeugbeat.

Der Text wurde von Falco und Torsten Börger geschrieben, es ist anzunehmen, dass Falcos Beitrag überwiegt, die Grundidee „Out of the Dark, into the light“ dürfte von Börger sein. In einem Interview mit der deutschen Zeitschrift Bunte meint Falco, dass es in diesem Song „um Rauschgift (geht), im Klartext um Kokain. Ich schrieb den Text aus der Sicht eines Verzweifelten, von dem die Droge Besitz ergreift, ohne dass ich selbst süchtig bin. Er ist autobiographisch – und auch wieder nicht“. In einem Interview mit Claudia Stöckl für den ORF meinte Falco im Februar 1997: „Da geht es zweifellos um eine Frau. Aber der Schritt nach der Frau ist Heroin, Morphium. Wenn man den Liebesentzug überhaupt nicht mehr aushält, dann glaubt man halt, man muss sich irgendwas anderes reinziehen. Diese Doppeldeutigkeit ist sicher wieder eine Masche von mir, von der leb ich ja irgendwie, dass ich ja unentwegt irgendwelche Giftlersongs mache. Das hat weniger mit eigener Reflexion zu tun, sondern mehr damit, dass ich das einfach kann, so zu schreiben, dass man es so oder so verstehen kann. Es schaut so aus bei diesem Text, als würde es um eine Frau gehen – geht es ja auch. Aber was kommt nach der Frau, wenn die Schmerzen des Mannes so unerträglich werden, dass er kurz vorm Suizid steht? Er geht also in das weiße Licht, into the light: Heroin“.

Egal, ob es nun um Kokain oder um Heroin geht, eines ist damit klar: es ist kein Song, den Falco in einer Art Todessehnsucht oder -ahnung geschrieben hat. Es ist nachvollziehbar, dass sich die Medien und auch viele Fans nach Falcos Tod auf Textzeilen wie „Willst du meine Tage zählen?“, „I give up and close my eyes“, „kein Weg zurück“, „das weiße Licht kommt näher“ und vor allem „Muss ich denn sterben, um zu leben?“ stürzten und eine nicht vorhandene Verbindung zu Falcos Tod konstruierten. Wenn man aber den Song mit dem Wissen, dass Falco hier eine Nummer über Drogenkonsum und eine unglückliche Liebesbeziehung geschrieben hat, hört, dann macht dies eindeutig mehr Sinn, diese Interpretation ist wesentlich glaubhafter. Auch wurde die Nummer bereits 1996 aufgenommen, also lange vor Falcos Tod. Vor allem auch die Verwendung des Begriffs „weißes Licht“ geschieht in Falcos Werk in regelmäßiger Häufigkeit, er verwendet diese Formulierung in unterschiedlichen Arten auch auf den Songs Junge Roemer, Kamikaze Cappa, Read A Book und auch bei Les Nouveaux Riches. Es ist also kein Abschiedslied, wie David Bowies „Lazarus“, sondern vielmehr ein Hybrid aus Liebeslied und Drogensong.

Die Interpretation, dass es hier um Abhängigkeit und Sehnsucht, sowohl in einer toxischen Liebesbeziehung als gleichzeitig auch von Drogen und ihrer zerstörerischen Macht geht, lässt sich aus den Lyrics klar herauslesen – vieles lässt sich dabei auf beide Bedeutungsebenen heben: „Ich krieg von dir niemals genug“, „alles dreht sich nur um dich“, „lass mich gehen“ und auch „du bist mein Lebenselixier“ können sich sowohl auf die Geliebte als auch auf das Suchtmittel beziehen. In der zweiten Strophe wird es dann noch dunkler – hier betont Falco noch eindringlicher die negativen Seiten einer vielgeschichteten Abhängigkeit und deren Folgen: „Es ist Zeit für unseren Pakt für die Ewigkeit“, „heute Nacht zum letzten Mal ergeben deiner Macht“, „dann schließt sich der Kreis, kein Weg zurück, das weiße Licht kommt näher, Stück für Stück“ und „muss ich denn sterben, um zu leben“ verweisen meiner Meinung nach auf die Einsicht, dass sowohl in Liebesdingen als auch in Rauschmitteln so viel Abhängigkeitspotential steckt, dass man sehr vorsichtig sein muss, um nicht in ihnen auf- und vielleicht sogar unterzugehen.

Dabei macht Falco etwas, das er auch bei vielen anderen Songs in der Vergangenheit gemacht hat (zum Beispiel bei Der Kommissar, Jeanny oder auch Mutter, Der Mann Mit Dem Koks Ist Da, um nur einige der bekanntesten zu nennen): Er baut bewusst Vieldeutigkeit und Ambivalenz in den Text ein – er will, dass man ihn auf vielerlei Arten lesen und interpretieren kann. So spricht Falco einerseits von einem Mann, der unglücklich in einer leidenschaftlichen Beziehung gefangen ist, dieser möchte die Verbindung beenden, schafft es aber nicht („lass mich gehen“), hat nach wie vor Sehnsucht und sehnt sich nach Liebe und Wiedergutmachung („Wann kommst du meine Wunden küssen?“). Die Liebenden treffen sich für eine letzte Nacht, die Frau hat ebenfalls noch nicht mit der Beziehung abgeschlossen („you waste your tears to the night“), recht deutlich spielt Falco hier auch auf Sex an („spüren“, „verführen“) und auch die berühmte Zeile „Muss ich denn sterben, um zu leben“ verweist auf die französische Redensart, nach der der Orgasmus ein „kleiner Tod“ sei. Andererseits kann man die Lyrics auch mit einem Drogenhintergrund lesen: Der Protagonist ist abhängig von diversen Rauschgiften, vielleicht auch auf Entzug („deine Hölle brennt in mir“, „geschunden“, „gewunden“), hat aber nach wie vor Verlangen nach der ihn süchtig machenden Droge („Warum musst du mich, mit meiner Sehnsucht quälen“, „ich bin zerrissen“). Schließlich gibt er den Widerstand auf („I give up“), die Wirkung des Rauschgifts bringt ihn zunächst aus tiefen Abgründen in lichte Höhen („Out of the dark, into the light“), er hat gefährlich viel Substanzen genommen und fühlt sich dem Tod nahe. Schließlich kommt er wieder etwas zu Sinnen und fragt sich, ob er sich denn wirklich mit Drogen umbringen muss, um endlich Seelenheil zu erlangen.

Sämtliche oben zitierten Textelemente können also sowohl auf der Ebene einer im wahrsten Sinne des Wortes leidenschaftlichen Liebesbeziehung als auch auf der Dimension einer tiefgehenden Drogenabhängigkeit gelesen werden. Indem Falco beide Bedeutungsmöglichkeiten absichtlich vermischt, erschafft er einen Song über eine Situation, in der er gleichzeitig von einer Frau und einer Droge abhängig ist und die Grenzen zwischen beiden Süchten verwischen.

Die Drogenbedeutung ist somit hier wesentlich ernsthafter behandelt als bei der anderen Rauschgiftnummer auf demselben Album, dem Song Mutter, Der Mann Mit Dem Koks Ist Da. Ist letzteres eine schrille, alberne Blödelnummer, bei der eben durch diese Oberflächlichkeit die Gefahr von Drogen verharmlost wird, zeigt der Titelsong von Falcos achtem Album sehr eindeutig und klar die Risiken von übertriebenen Rauschgiftkonsum auf. Drogen sind hier eine dunkle Macht, die dich nur allzu leicht in den Abgrund ziehen können.

Und natürlich: Der Umstand, dass Falco in den Jahren vor der Aufnahme dieser Nummer nicht mehr besonders erfolgreich war, gibt dem Satz „Muss ich denn sterben, um zu leben“ eine weitere Dimension: so ist gut vorstellbar, dass Falco selbstbemitleidend Gefallen an diesen Worten fand, die er 1996 zu Papier brachte – als selbstironischer und gleichzeitig vorwurfsvoller Kommentar zu seinem künstlerischen Status Quo zu dieser Zeit.

Falcos Tod brachte dann natürlich mit sich, dass viele Textelemente von der Presse in einen engen Zusammenhang mit seinem Ableben und dessen Umständen gesetzt wurden, auch wenn die Interpretationsintention von Falco eine gänzlich andere war. Ewa Mazierska geht auf diese Tatsache in ihrem Buch ein, wenn sie schreibt: „In due course these words became repeated ad nauseam by people writing about Falco. Let’s first put these words in context. Typically and prosaically, they are explained by Falco’s resentment of the musical establishment and his countrymen, who deserted him (…). But in addition, they evoke the idea of gaining eternity through art, harking back as far Seneca’s „Non omnis moriar“ and can be linked to Mahler’s „Symphony No. 2“. The second connection is with Mozart’s opera „The Magic Flute“, which also charts the road from the darkness to the light.“ Und in der Tat: „Reich mir die Hand, mein Leben“ hat sich Falco von der Mozart-Oper „Don Giovanni“ geliehen, darüber hinaus trug auch der biographische Mozart-Film mit Falcos Idol Oskar Werner aus dem Jahr 1955 diese Worte als Titel. Mazierska verweist aber auch auf einen anderen, breiteren Zusammenhang: „Accepting that his death was a tragic accident does not preclude treating it as a consequence of his deeper death wish, as manifested in his heavy drinking, taking drugs and driving a car in a state when it was unwise to do so”.

Die Nummer war nicht nur einer der beiden Lieblingssongs von Falco auf seinem letzten Album (der andere war Egoist), auch der Presse gefiel der Song. Die Salzburger Nachrichten sehen einen „ans Gemüt“ gehenden Track und finden ihn „eindrucksvoll, der Falke in voller Größe, der Höhepunkt des Albums“. Während das Magazin News sich musikalisch an Falcos Hit Jeanny erinnert fühlt, ortet das Ö3-Magazin „ein fast unheimliches Abschiedsmanifest“. Zu Falcos zehntem Todestag anno 2007 schreibt der Rolling Stone: „Der Song wäre wohl auch ein Hit geworden, wenn Falco den dunklen Andeutungen im Text nicht mit so viel Bedeutung aufgeladen hätte. Ein Lied über Reinigung und Vergebung, mit Geschrei, Geflüster und simplen Worten. Und noch immer klang er wie die 80er, ein grotesker Kitsch“. Im gleichen Jahr lobt die Tageszeitung Kurier den Titelsongs als „einen der besten Nummern, die Falco je aufgenommen hat“ und erkennt, dass er sich hier „um keine Todesvorausanzeige, sondern um einen gnadenlosen Drogentext“ gehandelt hat.

Der Song wurde Ende März als dritte Auskoppelung aus dem Album (nach Mutter, Der Mann Mit Dem Koks Ist Da und Naked) veröffentlicht – und als erste posthume Single. Dabei ist interessant, dass man nach Falcos Tod zunächst Anfang März das Album auf den Markt brachte und erst rund zwei Wochen später auch die Single. Diese Vermarktungsstrategie hatte den Sinn, die Falco-Fans zunächst das teurere Album kaufen zu lassen, da dies für ein halbes Monat die einzige Möglichkeit war, diese Nummer zu erwerben (zur Erinnerung: wir befinden uns im Jahr 1998, als Downloads als Vertriebskanal noch nicht verfügbar waren beziehungsweise noch nicht den heutigen Stellenwert besaßen).

Das Lied war (wie auch Egoist) bereits zu Falcos Lebzeiten als Single im Gespräch, der tragische Tod Falcos machte diesen Titel dann aufgrund der musikalischen Gestaltung als dramatische Ballade und aufgrund des auf mehreren Ebenen interpretierbaren Texts zum einzig logischen Anwärter auf einen flagship release  nach dem Ableben des Künstlers. Diese Tatsache und auch der Umstand, dass Falcos Tod zu einer umfangreichen medialen Aufmerksamkeit führte, trugen zum großen Erfolg der Single bei. Sie schaffte es auf #2 der österreichischen und der deutschen beziehungsweise #3 der schweizer Charts. Lediglich der weltweite Smashit „My Heart Will Go On“ von Céline Dion verhinderte den Sprung an die Spitze der Hitparade (wobei es lustig ist, dass ausgerechnet dieser Song aus dem Soundtrack von James Camerons Blockbuster „Titanic“ Falco von Platz 1 abhielt, schließlich hatte Falco rund sechs Jahre zuvor eine Nummer mit ebendiesem Namen aufgenommen). Außerhalb der deutschsprachigen Länder konnte sich der Track nicht in den Hitparaden platzieren.

Das Cover der Single verwendete dabei ein zur Gestaltung des Albums identisches Artwork, lediglich die Farbgebung wurde verändert: wurde beim Album das Photo von Falco (das aus dem Video zu Mutter, Der Mann Mit Dem Koks Ist Da stammt) noch Türkis eingefärbt, wurde der Farbton bei der Covergestaltung der Single ins Bräunliche verschoben. Wie beim Album findet sich oberhalb des Photos der Name des Künstlers und unterhalb des Photos der Titel des Songs. Die Innenseite des Covers (es gab lediglich eine CD-Veröffentlichung) wurde in Schwarz gehalten, neben den Titelinfos findet sich auch das Sujet des Mannes mit Hut und Trenchcoat (das bereits bei Mutter, Der Mann Mit Dem Koks Ist Da, Naked und auch im Album selbst verwendet wurde) wieder.

Das wiederum von Rudi Dolezal und Hannes Rossacher angefertigte Video besteht aus Szenen aus Falco-Videos von 1984 bis 1996, Aufnahmen von Livekonzerten, Playback-Auftritten TV-Ausschnitten und aus, von den beiden Regisseuren für andere Projekte gedrehtes und hier übernommenes Material. Das Video ist sehr gut gemacht, die unterschiedlichen Elemente wurden gut zusammengeschnitten und mit einem einheitlich bläulichen Grundton versehen, um eine homogene Grundstimmung zu schaffen. Auch eine lose Rahmenhandlung wurde eingebaut: so sieht man zunächst Falco in einer Limousine, das Auto fährt auf der Wiener Höhenstraße (diese Szene stammt aus Kann Es Liebe Sein?). Dazwischen werden winkende Leute auf der Straße geschnitten, um den Anschein zu erwecken, dass die beiden Aufnahmen zusammengehören. Falco sitzt im Auto, streichelt zwei Nackthaarkatzen und sieht aus dem Fenster des Wagens. Danach kommen Aufzeichnungen von Falco im Beichtstuhl (Mutter, Der Mann Mit Dem Koks Ist Da), von Falco mit Gehstock auf einem Thron sitzend und mit Messer (Naked), von Falco mit Cordula Reyer beim Tanz und im Auto (Brillantin‘ Brutal), dem animierten Sujet des Künstlers (Data De Groove), von Falco mit Gitarre und am Steuerrad (Titanic), Falco in einer Zwangsjacke (Jeanny) und auch der überlebensgroße Schriftzug von Falcos Namens aus dem Video zu Emotional wird verwendet. Zwischen diesen Szenen aus Videoclips wurden Aufnahmen vom Konzert im Rahmen des Wiener Donauinselfests 1993 und des Gigs von Falcos 40. Geburtstag in der Dominikanischen Republik beziehungsweise vom Playback-Auftritt in der Excalibur City anno 1997 geschnitten. Als wiederkehrendes Element werden auch Schatten von Personen und die Fahrt einer U-Bahn in einen dunklen Tunnel gezeigt um das Motiv „Out of the dark, into the light“ auch visuell zu unterstützen.

Falco führte die Nummer (wie auch Egoist) auf seiner Geburtstagsparty 1997 in der Dominikanischen Republik live auf.

Da das musikalische Korsett der Nummer nur wenig veränderbar ist, bleibt die Live-Version eng an der Studioaufnahme, jedoch ist das Gitarrensolo im Mittelteil ein bisschen lebendiger und wilder und beim Refrain wird ein stärkerer Echo-Effekt verwendet. Diese Aufnahmen wurden in einer Episode der ORF-Sendung „Seitenblicke“ im Februar 1997 ausgestrahlt. In einer weiteren Episode dieser Sendung, bei der über Falcos Domizil in der Dominikanischen Republik berichtet wurde, wurden Auszüge aus der Studioversion verwendet, Falco begleitet diese, auf einem Stuhl sitzend und leicht übergewichtig im Urlaubsoutfit mit kurzer Hose auf der Bassgitarre.

Von diesem Song gibt es zwei Mixes, der eine ist eine Instrumentalversion, der andere ein brutaler Dance-Remix, bei dem von Jeo alias Joachim Metzei ein nicht wirklich passender Techno-Beat über die Ballade gelegt wird. Hier wollte man wohl auch die Einsatzfähigkeit der Single in Discos und Clubs sicherstellen, das wurde wohl erreicht, der Preis ist jedoch die völlige Zerstörung der ursprünglichen musikalischen Grundstimmung des Songs.

Falcos posthumer Comeback-Hit verschaffte ihm den Erfolg, den er in den zehn Jahren zuvor erfolglos anstrebte. Dabei ist anzumerken, dass der Song wohl ohne Falcos Tod nicht auch nur annähernd diese Anerkennung erfahren hätte – es ist kein Lied, das zu jeder Zeit unter allen Umständen kommerzielles Potential gehabt hätte. Die Annahme, dass die Nummer ohne Falcos tragisches Ableben und der daraufhin massiv einsetzenden medialen Berichterstattung sowie ohne die ideal im Rahmen des Ableben vermarktbaren Textzeilen („Muss ich denn sterben, um zu leben“ etc.) auch so ein Hit geworden wäre, halte ich für unwahrscheinlich. Vielmehr wäre der Titel wohl, ähnlich wie der ähnlich gemachte Song Nachtflug, ohne große Wirkung an den Hitparaden (außerhalb) Österreichs vorbeigeschrammt wäre. Es ist sicherlich, neben Egoist, der beste Track auf Falcos achtem Album, der große Erfolg wäre ihm aber wahrscheinlich unter normalen Umständen versagt geblieben.

Nach Falcos Tod ermöglichte der vieldeutige Text und die Balladenform des Liedes zudem eine Vermarktung, die Falcos Image in eine neue Richtung verschob: war er Zeit seines Lebens immer als cooler, arroganter, gelackter und schmerzbefreiter Dandy gesehen worden, so veränderte diese Nummer und die eng damit verbundene Tragik seines frühen Todes und der Umstand, dass Falco in Kürze, nach fast sechs Jahren Pause, ein neues Album veröffentlichen wollte, die Ansicht auf den Künstler und auch sein Leben. Falco wurde jetzt als unglückliche, tragische und einsame Figur gezeichnet, als Mann, der kein Glück mit Frauen hatte und der sich mit seinem Drogen- und Alkoholkonsum selbst zerstörte. Ewa Mazierska formuliert das so: „Falco’s death has all the right ingredients of the “romantic death”: the young age, the abruptness, the taking place on foreign soil in a state suggesting utter loneliness, emotional turmoil and related to taking drugs. It allowed for casting him as a tragic figure and revived his career”.

Der Song ist in vielerlei Hinsicht der Abschluss von Falcos Karriere: was 1981 mit einem sarkastisch-ironischem Drogenlied (Ganz Wien) begann, endet siebzehn Jahre später mit einem ebensolchen, Falcos großer posthumer Hit ist ein verzweifelt-resignativer Giftlersong. Neben dem Umstand, dass dies auch Falcos persönliche Entwicklung im Laufe dieser fast zwei Jahrzehnte wohl ganz gut umreißt, schließt sich hier auch inhaltlich ein Kreis.

Text

Ich krieg' von dir niemals genug
Du bist in jedem Atemzug
Alles dreht sich nur um Dich
Warum ausgerechnet ich?

Zähl' die Stunden, die Sekunden
Doch die Zeit scheint still zu stehen
Hab' mich geschunden, gewunden
Laß' mich gehen!

Was willst du noch?
Willst du meine Tage zähl’n?
Warum mußt du mich mit meiner Sehnsucht quälen?
Deine Hölle brennt in mir
Du bist mein Überlebenselixier
Ich bin zerrissen
Wann kommst du meine Wunden küssen?

Out of the dark
Hörst du die Stimme, die dir sagt?
Into the light
I give up and close my eyes
Out of the dark
Hörst du die Stimme, die dir sagt?
Into the light
I give up and you waste your tears to the night

Ich bin bereit
Denn es ist Zeit
Für unseren Pakt über die Ewigkeit
Du bist schon da
Ganz nah
Ich kann dich spür’n

Laß' mich verführen
Laß' mich entführ’n
Heute Nacht zum letzten Mal
Ergeben deiner Macht

Reich mir die Hand, mein Leben
Nenn' mir den Preis
Ich schenk' dir Gestern, Heut' und Morgen
Dann schließt sich der Kreis

Kein Weg zurück
Das weiße Licht kommt näher
Stück für Stück
Will mich ergeben
Muß ich denn sterben um zu leben?

Out of the dark
Hörst du die Stimme, die dir sagt?
Into the light
I give up and close my eyes
Out of the dark
Hörst du die Stimme, die dir sagt?
Into the light
I give up and you waste your tears to the night

Out of the dark
Hörst du die Stimme, die dir sagt?
Into the light
I give up and close my eyes
Out of the dark
Hörst du die Stimme, die dir sagt?
Into the light
I give up and you waste your tears to the night

Meine Textfassung beruht, falls vorhanden, auf den Textbeilagen der offiziellen Veröffentlichungen (Booklet, Inlay, Cover etc.). Allerdings wurden alle Texte abgehört und nach dem gesungenen Wort korrigiert. Bei Songs, bei denen keine Textbeilagen verfügbar sind, basiert meine Fassung ausschließlich auf dem gesungenen Wort bzw. auch auf im Internet kursierenden Versionen. Textpassagen, die im Dialekt gesungen wurden, stehen in gemäßigter Transliteration. Rechtschreibfehler, sowohl deutsche als auch englische, wurden in eklatanten Fällen korrigiert. Die Rechtschreibung beruht teils auf der zur jeweiligen Zeit gültigen (Textbeilagen), teils auf der neuen Rechtschreibung (eigene Abhörungen). Auf Satzzeichen wurde im Allgemeinen verzichtet. Für Verbesserungsvorschläge bin ich dankbar.